Der in Bad Kissingen ansässige Verein Cape Classic bietet in seinen Wohltätigkeitskonzerten immer wieder überraschende Perlen internationaler Kammermusik. So war das jüngste Konzert „Harfe trifft Flöte“ in der barocken Jakobuskirche mit Harfenistin Laurence Forstner-Beaufils und ihrer Tochter, der erst 25-jährigen Flötistin Alexandra Forstner, ein besonderes Erlebnis. Nur noch selten hat man die Gelegenheit, die Klangfülle einer Harfe als Solo-Instrument oder im Duett mit einer Querflöte zu hören.
Nach den harmonischen Barockklängen einer fälschlicherweise oft seinem Vater Johann Sebastian zugeschriebenen Sonate von Carl Philipp Emanuel Bach, mit deren drei Sätzen Mutter und Tochter Forstner in den Konzertabend einstimmten, folgte eine Überraschung: Bei dem von Wolfgang Amadeus Mozart für Flöte und Orchester komponierten Andante (KV 315) ersetzte Laurence Forstner-Beaufils mit ihrer Harfe in eigener Bearbeitung den Orchester-Part, so dass die Harfe im harmonischen Dialog gleichberechtigt mit der Querflöte zu hören war.
Beeindruckende Fingerfertigkeit
Ein erster Höhepunkt des Konzerts war der Frühlingswalzer „Die Quelle“ (op. 44) des in Belgien geborenen, aber zeitlebens in Paris wirkenden Komponisten Alphonse Hasselmans, der am dortigen Konservatorium alle bedeutenden Harfenisten des 20. Jahrhunderts ausgebildet hat. Hierbei konnte Laurence Forstner-Beaufils ihr Können als Solo-Harfenistin beweisen.
Für die Zuhörer in den vorderen Reihen dürfte es ein besonderes Erlebnis gewesen sein, einmal aus nächster Nähe die Fingerfertigkeit der Harfenistin bei gleichzeitig wechselnder Betätigung mehrerer Pedale am Fuß des Instruments beobachten zu können, ist doch sonst die Harfe oft nur im Hintergrund eines Orchesters zu sehen.
Eine Herausforderung an die Flötistin Alexandra Forstner, die die 25-Jährige aber bewundernswert meisterte, war gewiss die Fantaisie op. 124 des Franzosen Camille Saint-Saëns. Die extrem langen melodischen Bögen verlangten von der jungen Musikerin, die seit September 2025 in ihrer Geburtsstadt bei den Bamberger Symphonikern als Solopiccolistin engagiert ist, eine extrem sorgfältige Atemplanung und Beweglichkeit, um die tonalen Verzierungen und schnellen Läufe nicht angestrengt, sondern leicht und elegant wirken zu lassen. Ebenso herausfordernd für beide Musikerinnen waren in Tempo und Tonläufen die vier kurzen Stücke des französischen Komponisten Claude Debussy, die höchste Präzision und Fingerbeweglichkeit forderten. Auch hier verlangten lange und schnelle Passagen von der Flötistin eine ausgefeilte Atemtechnik, damit die musikalischen Bögen nicht durch Atemholen an falscher Stelle unterbrochen werden müssen.
Eine klangliche Überraschung boten Mutter und Tochter Forstner, die nur sehr selten gemeinsam öffentlich auftreten, da sonst jede für sich in anderen Musikzirkeln tätig ist, mit der dreisätzigen „Historie du Tango“ des Argentiniers Astor Piazzolla. Nicht nur, dass mit dieser lateinamerikanisch feurig-temperamentvollen Musik programmatisch den zuvor gebotenen europäischen Klängen ein unerwarteter Kontrast entgegengestellt wurde. Überraschend war, dass hier die Harfe gelegentlich als rhythmisches Schlaginstrument zum Einsatz kam.
Langer Applaus für die Künstlerinnen
Die Besonderheit dieses Konzerts im Zusammenspiel von Harfe und Flöte, die reiche Abwechslung in der Programmauswahl und das beeindruckende Können beider Musikerinnen begeisterte die Konzertbesucher und sorgte für langen Applaus. Schließlich verabschiedeten sich Laurence Forstner-Beaufils und Tochter Alexandra Forstner mit dem 1920 komponierten Stück „Tågen letter“ (Der Nebel steigt) des dänischen Komponisten Carl Nielsen.
Vor Beginn des Konzerts hatte die Cape-Classic-Gründerin und vor wenigen Tagen in der Mitgliederversammlung zum wiederholten Mal im Amt bestätigte Vereinsvorsitzende Gabi Zahn ihre „Cape-Classic-Familie“ sowie viele andere Kammermusik-Freunde in der gut gefüllten Jakobuskirche um Unterstützung des Vereinszwecks gebeten. „Die Cape Classic-Konzerte schaffen einen Raum der Achtsamkeit, der die Aufmerksamkeit auf das Schicksal der Kinder in der südafrikanischen Kapprovinz lenkt, die sonst oft übersehen werden. Die Musik erschafft Klangschönheit, jede Spende erschafft Lebensqualität.“
In einer Video-Botschaft dankte auch der Sänger und Mediziner Philipp Mathmann dem Verein Cape Classic. Dieser unterstützt seit zwei Jahren, so auch mit dem Reinerlös dieses Konzerts, Mathmanns 2012 gegründetes Förderprogramm am South African College of Music der Universität in Kapstadt zur kulturellen Bildungsförderung für Kinder und Jugendliche der Townships von Philippi und Langa bei Kapstadt.
Spendenkonto: Cape Classic e.V., IBAN: DE31 7935 1010 0008 2097 02















