0
Eiserne Hochzeit
Was ein Leberkäse mit 65 Jahren Ehe zu tun hat
Das Ehepaar Vogler zur Hochzeit
Das Ehepaar Vogler zur Hochzeit // Familie Vogler
Bad Kissingen – Rosemarie und Karl Vogler feiern „Eiserne Hochzeit“. Ein Gespräch über die neue Kaffeemaschine, den Krieg und Rosen in Töpfen. Und eine lange Liebe.

In dem kleinen Reihenhaus am Rande Bad Kissingens klebt Blümchentapete an der Wand, auf den Stühlen liegen Häkeldecken und auf dem Fensterbrett steht, zwischen Plastikblumen und Gläsern von Veranstaltungen, eine Weihnachtswelt aus Holz. Jedes der vielen kleinen Dinge im Wohnzimmer erzählt von einer Erinnerung. Von einem langen gemeinsamen Leben. Karl (89) und Rosemarie Vogler (87) haben 1960 geheiratet, am 16. August 2025 ist ihre Eiserne Hochzeit, also das 65. Ehejubiläum.

„Wir sind uns begegnet, in der Küche“

Rosemarie Lebenski  wurde 1938 im ostpreußischen Tilsit geboren und kam 1944 als kleines Mädchen mit ihrer Familie ins unterfränkische Karlstadt. „Als Kind hatte ich kein Spielzeug außer eine einzige Puppe. Meine Patentante hatte sie meiner Mutter zur Hochzeit geschenkt. Bei der Flucht über die Ostsee ist die Puppe ins Wasser gefallen. Glücklicherweise waren die Matrosen nett und haben Hansi wieder herausgeholt. Ich habe ihn heute noch.“

„Hansi“ begleitet Rosemarie Vogler schon ihr Leben lang.
„Hansi“ begleitet Rosemarie Vogler schon ihr Leben lang. // Riccarda Rascher

Das Paar hat sich in Garmisch kennengelernt. Da arbeitete Karl Vogler, 1935 in Erfurt geboren, zu der Zeit als Koch in einem Hotel. Sie war während ihrer Ausbildung zur Diätassistentin in Würzburg in das gleiche Hotel geschickt worden. „So sind wir uns begegnet, in der Küche“, erklärt Karl Vogler.

„Er ist mich besuchen gekommen, danach, mit dem Roller.  Er war gestürzt auf dem Weg und hat geblutet. An dem Tag hätten wir uns fast getrennt, der Tag verlief so gar nicht wie wir uns das vorgestellt hatten“, erzählt sie. Trotzdem hielten beide weiter Kontakt. Ganze drei Jahre schreiben sie sich Briefe. „Und dann war er plötzlich da, dann ging alles ganz schnell. Warum weiß ich nicht mehr, vielleicht habe ich ihm geschrieben, dass ich nicht länger warte.“ Zu der Zeit lebten ihre Eltern in Karlstadt, nach Bad Kissingen sind sie durch einen Zufall gekommen: „Meine Mutter hatte uns losgeschickt zum Leberkäse holen. Damals hatte er schon ein kleines Auto. Wir sind auf gut Glück losgefahren und sind hier gelandet. Wir sind am Abend zurückgefahren, um den Leberkäse zu bringen und natürlich zu essen. Aber so kamen wir hierher, wegen Leberkäse.“

Lieber Blumen in Töpfen

Zum Hochzeitstag will Rosemarie Vogel lieber Blumen im Topf bekommen, als Schnittblumen. „Schnittblumen welken und das ist traurig, dabei will sie nicht zusehen.“ Solange Karl Vogler noch konnte, hatte er Rosen im Garten, einmal hat er ihr eine versilberte Rose geschenkt. „Die nehme ich mit in die Urne, das ist schon festgeschrieben“, meint Rosemarie Vogler.

Karl Vogler hält während des Gesprächs eine Pfeife im Mund, als er sie nach stopft, lächelt Rosemarie Vogler. „Er hat immer seine Pfeife. Nur, wenn es ihm schlecht geht, legt er sie weg. Letztens war er im Krankenhaus und durfte seine Pfeife nicht haben. Das war schlimm. Jetzt sitzt er wieder hier, mit der Pfeife. Also weiß ich, es geht ihm gut.“ Karl Vogler grinst leicht verschmitzt.

Rosemarie und Karl Vogler sind seit 1960 verheiratet.
Rosemarie und Karl Vogler sind seit 1960 verheiratet. // Riccarda Rascher

Kein Krieg mehr

Ihr Geheimnis, um so lange zusammen zu sein: man muss merken, wenn was nicht passt und sich einigen bevor man streitet. Das bleibt universell, auch wenn sich vieles verändert hat über die Jahrzehnte hinweg. „Die Neuzeit ist schrecklich. Alles ist auf Englisch. Seit letzter Woche haben wir eine neue Kaffeemaschine. Heute Morgen habe ich sie zum ersten Mal verwendet, der Kaffee ist über den gesamten Tisch gelaufen.“ Zwei Töchter und sechs Enkelkinder sind da, um Probleme dieser Art zu lösen. Auch der fünfte Urenkel wird bald zur Welt kommen.

Ihnen möchte Rosemarie Vogler mitgehen, dass Zusammenhalt das wichtigste ist. „Weisheit lässt sich nicht wirklich weitergeben. Wenn ich von meinen Erlebnissen als Kind erzähle, können das die Jungen nicht ganz begreifen, sie haben es nicht erlebt. Aber es ist wichtig, dass die Jungen nicht wieder Krieg zu lassen. Das wäre schrecklich.“

Inhalt teilen
  • kopiert!