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Europäischen Weihnacht
Ein besonderer Genuss zum Fest
Europäischen Weihnacht
„Europäischen Weihnacht“ in der Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche Bad Kissingen. // Thomas Ahnert
Bad Kissingen – Vertraute Weihnachtslieder mit neueren Arrangements: Die „Europäischen Weihnacht“ in der Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche im Rahmen des „Kissinger Winterzaubers“ wurde zu einem Freudenfest.

Sie sind zu einem beliebten, gerne angenommenen Angebot geworden in den hektischen Tagen und Wochen vor Weihnachten, die schon lange nicht mehr die „stade Zeit“ genannt werden können: die Chorkonzerte der „Europäischen Weihnacht“ in der Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche im Rahmen des „Kissinger Winterzaubers“.

Mit großer Präzision

Die Kantorei Bad Kissingen und der Julifa-Chor unter der Leitung von Stadtkantor Burkhard Ascherl und der Jugendchor Herz-Jesu/Musikschule Bad Kissingen, der von Brigitte Ascherl geführt wird, zeigen Präsenz mit einem Programm, das alte, vertraute Weihnachtslieder mit neueren Arrangements verbindet. Es vermittelt nicht nur Besinnlichkeit, sondern feiert Weihnachten als Freudenfest über die Geburt Christi.

Die Kantorei eröffnete traditionsgemäß das Konzert „Ex Sion species“ und „Rorate coeli desuper“ von Joseph Gabriel Rheinberger, „Machet die Tore weit“ von Andreas Hammerschmidt und „Und unser lieben Frauen Traum“ von Max Reger. Der Chor wirkte sehr gut vorbereitet und sang mit engagierter Gelassenheit, dynamisch gut ausbalanciert und mit großer Präzision und guter Textverständlichkeit auch in dichteren, schwierigeren Passagen.

Oratorium erst vor kurzem aufgeführt

Ein besonderer Genuss war natürlich „Aber einer erwacht von Mitternacht“ aus Felix Mendelssohn-Bartholdys „Der Elias“. Das gesamte Oratorium hatte der Chor erst vor wenigen Wochen im Regentenbau aufgeführt. Das hatte jeder noch im Ohr und im Gedächtnis. Da konnte sich Burkard Ascherl, der am Keyboard den arrangierten Orchesterpart mitspielte, auf ein stark ausgedünntes Dirigat beschränken. Es wurde aber auch deutlich, wie gut dieser Chorsatz ist: Mendelssohn hätte ihn durchaus als A-Capella-Version veröffentlichen können.

Dann hatte der Julifa-Chor seinen ersten Auftritt. Seine 16 Mitglieder sind Leute, die gerne in einem Chor singen möchten (und es auch können), aber die hohen Ansprüche, die die Kantorei über das Singen hinaus stellt, vermeiden wollen. Da sind die ausgewählten Lieder in ihren Strukturen natürlich etwas einfacher und übersichtlicher, aber genauso anregend.

Von Schlesien über Slowenien nach Oberfranken

Und sie brachten Europa ins Spiel: Schlesien mit „O Freude über Freude“, England mit „Wer ist das Kind“ und „Zu Bethlehem der Engel sprach“, Slowenien mit „Es blinken die Sterne“ und Oberfranken (jawohl, auch das gehört zu Europa!) mit „Stehet still und lauscht in wenig“. Das waren alles sehr schön flüssig gesungene Strophenlieder mit schön ausklingenden Schlüssen. Wobei der heiter-schwungvoll-tänzerische 6/8-Takt in „Wer ist das Kind“ nicht nur den Singenden Vergnügen bereitete.

Brigitte Ascherl hatte mit ihrem (an diesem Nachmittag elfköpfigen) Jugendchor sechs Lieder vorbereitet, die schon deshalb neugierig machen konnten, weil sie alle im 20. Jahrhundert und im englischsprachigen Raum angesiedelt waren. Und man irrte sich nicht, wenn man raffinierte Rhythmen und harmonische Strukturen erwartete. Es war schon erstaunlich, wie viel Talent in dieser Gruppe steckt, die Lieder wie „Sing unto God“, das Gospel „The Voice of Heaven“, „Winter Wonderland“ oder „Plaudite, plaudite“ mit erfrischender Selbstsicherheit gesungen waren.

Sehr gute Nachwuchsarbeit

Da musste sich niemand hinter dem anderen verstecken – was auch wer möglich ist, wen man in einer Reihe steht. Das musste aber auch wirklich niemand. Da wird eine sehr gute Nachwuchsarbeit geleistet. Denn wer in diesem Alter selbstbewusstes Singen lernt, kehrt spätestens nach seinen wilden Jahren in einen Chor zurück.

Noch einmal trat der Julifa-Chor auf mit fünf Liedern, darunter das schwungvolle „Ding, dong, fröhlich alle Zeit“ von Charles Wood, das schwedische „Weihnacht, strahlende Zeit“ von Gustav Nordqvist, dem der Chor viel Zeit zur Entfaltung des Strahlens ließ, ohne die Spannung dafür zu opfern, oder das bekannte, sehr sensibel gesungene „Die wunderbare Zeit“ von John Rutter.

Die Kantorei darf nochmal

Und dann noch einmal die Kantorei, jetzt mit ebenso bekannten wie beliebten Liedern wie Johann Sebastian Bachs „Brich an, die schönes Morgenlicht“, „Vom Himmel hoch o Englein kommt“ in einem Satz von Erhard Mauersberger, natürlich „Adeste fideles“ und „In dulci jubilo“ oder „Marias Wiegenlied“ (zum zweiten John Rutter); und schließlich Mendelssohns „Frohlocket, ihr Völker auf Erden“. Die Intensität des Vortrags und die Leichtigkeit des Gesangs waren genau das Material, aus dem die Weihnachtsstimmung erwächst.

Mit einem theologischen Impuls über die Frage: „Bist du happy?“, übernahm Klinikseelsorgerin Gabriela Amon die Verabschiedung – eine Frage, die in der Weihnachtszeit an Bedeutung gewinnt und die jeder für sich anders beantwortet. Die musikalische Verabschiedung besorgten die drei Chöre gemeinsam mit „Engel auf den Feldern singen“in einem Satz von Adolf Lohmann und John Rutters „Der Stern zu Bethlehem“. Ein Finale, das lange nachwirkte.

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