0
Kissinger Winterzauber
Stefanie Heinzmann: „Ich möchte euch mit Liebe überhäufen“
Stefanie Heinzmann
Stefanie Heinzmann steuerte sehr persönliche Geschichten zu den Arrangements bei. // Klaus Werner
Bad Kissingen – Musikerin Stefanie Heinzmann und das „MIKIS Takeover!-Ensemble verbanden das Beste aus der Welt der Klassik und des Pop. Dabei entstanden Stücke für die Seele.

Der Regentenbau ist für viele Formate geeignet, aber für Konzerte wie das von Stefanie Heinzmann mit dem „MIKIS Takeover!-Ensemble“ wurde der Max-Littmann-Saal vor mehr als 100 Jahren gebaut.

Was die sechs klassischen Instrumentalisten unter der Leitung von Mikis Kekenj und die beiden Sängerinnen –  neben Heinzmann war es Leslie Jost – dargeboten haben, war nicht nur musikalisch vom Allerfeinsten, sondern von den menschlichen Botschaften her das Passende zur Weihnachtszeit.

Ein Konzert voller Intimität

Die besondere Intimität des Konzerts zeigte sich schon durch den Bühnenaufbau: Nur im Zentrum der großen Bühne gruppierten sich Violine, Bratsche, Kontrabass, Cello und Klarinette im Halbkreis um den gesanglichen Mittelpunkt Heinzmann & Jost – perfekt in Szene gesetzt durch außergewöhnliche, bestens abgestimmte Lichtarrangements während des zweistündigen Abends.

Wie viele andere Künstler zeigten sich Heinzmann & Co. begeistert vom Max-Littmann-Saal und versprachen ein „Comeback“ – aber nicht in der aktuellen Kombination, denn nach zweieinhalb Jahren und rund 50 gemeinsamen Auftritten sei dies die „vorerst letzte Show“.

Stefanie Heinzmann
Stefanie Heinzmann gemeinsam mit Gesangspartnerin Leslie Jost auf der Bühne des Max-Littmann-Saals. // Klaus Werner

Humorvolles Geplänkel

Während dieser Zeit – so die Schweizer Soulsängerin – sei die klassische Bühne für sie ein Zuhause geworden und die Wertschätzung für die Arrangements ihrer Lieder durch Mikis Kekenj sowie für die weiteren fünf Musiker spürten die Gäste bei jeder Ansage, bei jedem Stück. Intimität also auch auf dieser Ebene. Sichtbar wurde dies einerseits durch das humorvolle Geplänkel mit Kekenj, wobei man vieles zur Entstehungsgeschichte des Projekts und zu den Liedern erfuhr, und andererseits durch den liebevollen Blickkontakt mit allen Instrumentalisten.

Diese erwiderten die offensichtliche Zuneigung auf ihre Art – mit perfektem Zusammenspiel und mit anerkennendem Applaus beziehungsweise Klopfen des Geigenbogens auf den Notenständern.
Auch wenn die 36-jährige Sängerin mit ihrer außergewöhnlichen Soul-Stimme und ihrer ausdrucksstarken Persönlichkeit der Glanzpunkt des Abends war, so waren es die Arrangements von Mikis Kekenj, die mit dem Konzert eine Welt voller neuer Klangfarben erschloss.

Klassik und Pop miteinander verbinden

Kekenj interpretierte die Stücke von Stefanie Heinzmann auf seine Weise und verband dabei das Beste aus der Welt der Klassik und des Pop. Das Ergebnis waren klassische Grundtöne von Rachmaninoff oder Beethoven, über die moderne Rhythmen gelegt wurden, und die zusammen mit den beiden Stimmen perfekt harmonierten.

Entstanden sind so Musikstücke für die Seele.  „Ich bin in alle Arrangements verliebt“, bekannte auch die Künstlerin und steuerte sehr persönliche Geschichten bei.

Originale bleiben erkennbar

Spürbar war die klassische Ausrichtung bei den Stücken „Best Life“ oder „Colors“ oder „Shadows“, wobei Kekenj das klassische Instrumentarium ausreizt, ohne dessen musikalische Grenzen zu überschreiten und kitschig zu werden. Er lässt den Liedern ihre einprägsame Intention, sodass sie auch von Fans der Originale wiedererkannt werden.

Heinzmann bedankte sich dafür mit ihrer dynamischen, variantenreichen Stimme, die dankenswerterweise immer etwas über den Instrumenten lag, ohne deren Qualitäten zu erdrücken. Hier ein Lob an die Technik, die mit der Aussteuerung und den Lichtarrangements einen grandiosen Abend ermöglicht haben. 

Stefanie Heinzmann
Stefanie Heinzmann beim Kissinger Winterzauber. // Klaus Werner

Doch nicht nur die Klassik inspirierte Kekenj zu seinen Arrangements. So verwendete er Grundmelodien von Star Wars, die aus dem Stück „Powers“ ein feingliedriges, aber dennoch kraftvolles Arrangement formten, oder nutzte den David-Hasselhoff-Hit aus „Knight Rider“ für „Labyrinth“ – und entstanden ist ein vielfarbiges Klangbild, bei dem Leslie Jost ihre gesanglichen Stärken beweisen konnte.

 „In the End“ oder „You Get Me“ oder „My Man is a Mean Man“ zeigten sich ebenfalls im Gewand der klassischen Musik, die selten so modern geklungen hat, wie bei den Arrangements von Mikis Kekenj und der emotionalen Präsentation einer strahlenden Stefanie Heinzmann.

Einmal Platz tauschen mit der Künstlerin

Ihren intensiven Bezug zum Publikum zeigte sich nicht nur beim Intro, als sie das erste Stück im Saal begann, sondern auch bei einem Suchspiel: Wer unter dem Sitz DIE Banane fand, der durfte mit ihr den Platz tauschen – das Stück „Do Your Thing“ erklang aus der Reihe 9 für Marlene auf der Bühne.

Die rund 600 Gäste spendeten frenetischen Beifall, nicht nur für diese beiden Gimmicks, sondern für jedes Stück, für jede Geschichte der sympathischen Schweizerin. Der Dank aller acht Akteure war die Zugabe „All we need is love“ und dem Heinzmanns emotionalen Abschied: „Ich möchte euch mit Liebe überhäufen. Ihr dürft sie mit nach Hause nehmen und bei Bedarf weitergeben.“

Inhalt teilen
  • kopiert!