An der Unteren Saline wird wieder gesägt, gehämmert und gebohrt, denn: Seit Kurzem laufen die Arbeiten für den Wiederaufbau des Gradierwerks. Seit gut einem Jahr ist das beliebte Ausflugsziel eine Baustelle. Der Nordflügel wurde seitdem vollständig abgerissen, einzig der Wasserturm ist stehen geblieben.
Eröffnung des Gradierbaus verzögert sich
Der Gradierbau hatte massive statische Probleme. Der hohe Solegehalt des Heilwassers, das über die Reisigbündel aus Schwarzdorn rieselte, hatte die Stahlverbindungen des Freiluftinhalatoriums angegriffen. Vor der vorübergehenden Schließung im September 2024 waren Notsicherungsmaßnahmen gegen einen Einsturz nötig.
Das Staatliche Bauamt Schweinfurt suchte bereits länger nach einer Lösung und entschied letztlich, das Gradierwerk abzureißen und innerhalb von zwei Jahren neu aufzubauen. Der Wiederaufbau hat mit ein paar Wochen Verzögerung begonnen. Die Arbeiten liegen etwas im Zeitplan zurück. Bis Herbst 2026 sollen die Arbeiten fertig sein. Die Kosten für den Neubau belaufen sich auf voraussichtlich drei Millionen Euro.
Traditionelle Holzverbindungen für längere Lebensdauer
„Damit kehrt eines der Wahrzeichen Bad Kissingens zurück in die Kurstadt und wird mit seiner neuen Optik stark an die historischen Vorgängerbauten erinnern“, betont Nina Marder, Pressesprecherin beim Staatlichen Bauamt. Seit September 2024 laufen die Arbeiten für den Ersatzneubau. Stück für Stück wurde der Nordflügel abgerissen. Anschließend wurde der Zustand der Fundamente untersucht, die Sanierung geplant und vor Kurzem der Kran für den Wiederaufbau gestellt.
„Beim Neubau kommen weitgehend traditionelle Holzverbindungen zum Einsatz“, erklärt Marder. Das Bauamt verspricht sich davon eine größere Lebensdauer des Gebäudes zu haben.
Der Gradierbau in seiner heutigen Form war erst 1993 errichtet worden, war also nach bereits knapp 30 Jahren wieder abrissreif. Durch die Verwendung von Außenstreben werde der neue Gradierbau im Aussehen stark seinen historischen Vorgängerbauten ähneln und den Flair einer längst vergangenen Zeit zurück in die Kurstadt bringen, so die Pressesprecherin.
Neuer Gradierbau: Niedriger, aber mehr Sitzgelegenheiten
Im Vergleich zum Nordflügel aus dem Jahr 1993 werde es einige Veränderungen geben. „Ein Ziel bei der Planung des Neubaus war es, die Nutzbarkeit für die Besucherinnen und Besucher zu verbessern und insgesamt mehr Aufenthaltsflächen in und an dem geschichtsträchtigen Gebäude zu bieten“, erklärt sie. So wird zukünftig ein barrierefreier Zugang über eine Rampe möglich sein.
Außerdem laden deutlich mehr Sitzgelegenheiten zum Verweilen und damit zum Inhalieren der salzhaltigen Luft ein. Auch zwischen den neuen Außenstützen außerhalb des Gradierbaus entstehen Sitz- und Liegeflächen. Marder kündigt an: „Durch die Freistellung des nördlichen Giebels erhalten die Besucher einen Einblick in die Funktionsweise des Bauwerks.“ Ferner wird im Foyer des Turms künftig Heilwasser aus dem Luitpoldsprudel zu zapfen sein. Im Turm sind ein Ausstellungsraum und Führungen vorgesehen. Bisher war der Turm nicht öffentlich zugänglich.
Geschichte und Veränderungen des Gradierbaus
Der Gradierbau hat eine lange Geschichte in der Kurstadt und liegt mitten in der Welterbe-Kernzone. Unter Denkmalschutz steht er allerdings nicht. Historisch diente er der Salzgewinnung und war bis zu 2,2 Kilometer lang. Bis Anfang der 1990er-Jahre bestand er aus einem Nord- sowie einem Südflügel und dem Wasserturm.
Aufgrund schwerer Schäden durch den Orkan Wiebke wurde das Gradierwerk abgerissen, wobei 1993 beim Wiederaufbau auf den Südflügel verzichtet wurde. Dass der Nordflügel beim aktuellen Neubau um ein Geschoss an Höhe verlieren wird, hatte in der Stadt für Kritik gesorgt.














