Schon beim Betreten des Hinterhofes duftet es nach Vanille und Nüssen. Versteckt zwischen Änderungsschneiderei und Modeladen in der Theresienstraße, liegt die Backstube von Gabriele Zintl. Hier backt sie mit ihren Angestellten etwa 1000 Waffeln an einem Produktionstag. Wie oft gebacken wird, ist saisonabhängig: „Zurzeit ist zwei- bis viermal pro Woche Betrieb in der Backstube. Zur Hochsaison im Sommer glühen die Waffeleisen dann fünfmal wöchentlich“, erzählt Gabriele Zintl.
Unverändertes Rezept
Die Anfänge der Kissinger Oblaten gehen auf 1928 zurück. Laut einer Gewerbeurkunde kam ein Franz Hauer zu dieser Zeit in die Kurstadt. Er stammte aus Marienbad und backte in einem Hinterhof Oblaten nach dem bekannten Rezept aus Karlsbad. Schon ein Jahr später wird Franz Freiberg als Hersteller genannt, bis 1937 Konditormeister Alois Zintl den Betrieb übernahm. „Mein Großvater hat damals ein neues Rezept entwickelt: die Kissinger Oblaten. Wir backen es heute noch fast unverändert“, sagt Zintl.
So funktioniert's:
Die Zutaten für den Teig gibt Gabriele Zintl in eine große Schüssel. Die Arbeit übernimmt dann ein Rührgerät.
In der Rührmaschine wird der Teig der Kissinger Oblaten geknetet.
Die Maschine zum Backen der Waffel mit dem bekannten Logo ist eine Spezialanfertigung. Sie ist fast dreißig Jahren alt und sie sorgt für die charakteristische Waffelprägung mit dem Motiv des Rakoczy-Brunnens. Es ist noch zu Zeiten Alois Zintls entstanden.
Der Waffelautomat backt die Oblaten mit dem typischen Design.
„So wie der Brunnen auf der Oblate abgedruckt ist, steht er auch in der Kissinger Wandelhalle“, erklärt Zintl. Wer genau das Motiv entworfen hat, wisse sie aber nicht mehr. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Großvater es selbst gezeichnet hat“, meint Gabriele Zintl und fügt schmunzelnd an: „Vielleicht wurde es auch einfach genommen, weil es rund ist und gut auf die Oblate passt.“
Die Oblaten werden befüllt, auch die Füllung produziert Gabriele Zintl selbst. Nuss- oder Vanillefüllung stehen zur Auswahl. „Ich mag die Nussvariante lieber. Die ist herzhafter und nicht so süß wie Vanille“, verrät Chefin ihre Oblatenpräferenz.
Die Kissinger Oblaten werden gefüllt.
Für die Waffeln geht es danach in ein sogenanntes Dubliereisen. Wenn der Zucker in der Füllung schmilzt, kleben beide Waffelhälften zusammen und ergeben die fertige Kissinger Oblate.
In der Dubliermaschine werden die Oblaten fertig gebacken
Auch das Design der Verpackungen hat Wiedererkennungswert. Seit den 1970ern schmückt die Verpackung ein Entwurf eines Schweinfurter Grafikers.
Gabriele Zintl verpackt die Oblaten. Das Design der Verpackung stammt aus den 70er Jahren.
Frisch auf dem Markt
Wer in den Genuss besonders frischer Waffeln kommen will, kann samstags an Stand der Zintls auf dem Marktplatz beim Machen der Kissinger Oblaten zuschauen und die noch warmen Waffeln gleich genießen.
Zintl meint: „Mein Tipp für alle Besucher ist, die gekauften Waffel während einer Wanderung entlang der Wichtelhöhlen zu probieren.“ Die geheimnisvollen Steinformationen liegen hinter dem Heiligenhof in Richtung Euerdorf.
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