Bad Kissingen verwandelte sich am Freitagabend in die „nördlichste Stadt Italiens“, so empfand es zumindest Dorothee Bär. Man kann ihr nicht widersprechen: Mit dem Auftakt des Kissinger Sommers 2023 gelang es Intendant Alexander Steinbeis – und vor allem den Musikerinnen und Musikern des Orchestra Sinfonica di Milano – , ein Gefühl von Süden, Leichtigkeit und Temperament nach Unterfranken zu transferieren.
Stimmung wie in Paris oder Mailand
„Dass sich das Publikum rhythmisch Zugaben erklatscht, erlebe ich sonst nur in Paris oder Mailand“, erzählte später, beim Empfang auf der Terrasse des Regentenbaus ein sichtlich gelöster Intendant. Über Monate wurde das Programm zusammengestellt, schon jetzt bastelt er an der Kissinger Sommer-Ausgabe 2024. Doch nun stehen Bad Kissingen erst einmal vier Wochen bevor, in denen ein pralles Programm viele Menschen aus ganz Deutschland in die Kurstadt locken wird.
Feuchte Augen
Die Eröffnung, die von der warmherzigen Sopranistin Carmela Remigio und dem mit „Bravo“-Rufen belohnten Tenor Freddie De Tommaso getragen wurde, war ein voller Erfolg.
Hingerissen war auch Sylvie Thormann, Kurdirektorin: „Ich konnte mich fallenlassen bei dieser Musik. Und muss gestehen, dass ich ab und an feuchte Augen hatte.
Beeindruckt von der umwerfenden Akustik des Littmann-Saals war der Physikprofessor und Bruder der Unternehmerin Dr. Elke Nuss, der mit seiner Frau – auch Doktorin – Helgard eigens aus Düsseldorf angereist war. Beeindruckt waren die Klassik-Fans vom ausgesuchten Repertoire, fragen aber, ob die Schwere der ersten, packenden Arie nicht besser in den Mittelteil gepasst hätte. Die Rezension des Konzertabends lesen Sie in Kürze auf Saale-Zeitung.de.
Dorothee Bär mit Tochter Charlotte
Erheblich den Altersschnitt drückte Charlotte Bär, die Tochter der CSU-Politikerin. Die Zwölfjährige sei „freiwillig und auf eigenen Wunsch“ mitgekommen, was die Mutter ausdrücklich hervorhob. Charlotte Bär: „Mir gefällt es sehr gut, die Musik ist toll.“ Sie spiele selbst Klavier und da nur Klassik, „außer an Weihnachten“, warf Dorothee Bär ein.
Kissinger Sommer 2023
„Schönster Termin im Jahr“
Die Eröffnung des Kissinger Sommers gehöre „zu den schönsten Termin im Jahr“, sagte Claus Niederalt, Präsident der Lotterie- und Spielbankenverwaltung. Seine Frau Carolin pflichtete ihm bei – die beiden hängten auch den nächsten Tag noch dran, um Bad Kissingen zu genießen.
Oberbürgermeister Dirk Vogel dankte vor allem dem Publikum. „Nach Corona ist es eine Freude, den Saal voll zu sehen.“
Und das Publikum war begeistert. Auffallend war, dass sich offensichtlich viele Frauen ein Beispiel am Motto „La Dolce Vita“ für diese Saison genommen haben: Große Roben waren selten, es dominierten leichte Sommerkleider mit witzigen Prints, riesige Limonen beispielsweise. Die Party auf dem Balkon des Regentenbaus ging bis nach Mitternacht, wer wollte, konnte im Schmuckhof mit jüngerem Publikum durch die Nacht tanzen.
„Besinnung, Aufbau, Trost“
Intendant Alexander Steinbeis ist es von der ersten Minute an gelungen, Italiens Leichtigkeit nach Bad Kissingen zu transportieren. „Wir werden in den nächsten vier Wochen viele Brücken nach Italien schlagen. Kultur ist wichtig, die ist Besinnung, Aufbau, Trost“, was wir alle in diesen Zeiten gut brauchen könnten.
Tassilo Forchheimer, Studio Franken-Leiter des Bayerischen Fernsehens, ist einer der großen Unterstützer des Festivals. Er verfolgte den Abend neben Sabine Dittmar, Gesundheitsstaatssekretärin der SPD, und Sandro Kirchner, Innenstaatssekretär (CSU) in der großen, prächtigen Loge. „Ein fantastischer Abend“, konstatierte er am Ende.
Alexander Steinbeis feierte die gelungene Premiere noch länger. "Ich bin selbst ganz überwältigt von diesem Auftakt! Wir hatten ein herrliches, sehr stimmiges Konzert, das die Note für den diesjährigen Kissinger Sommer gesetzt hat. Jetzt heißt es angeschnallt bleiben, den Fokus beibehalten und hoffnungsfroh in die nächsten Wochen zu schauen."
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