Lisa Batiashvili wurde 1979 in der georgischen Hauptstadt Tiflis als Kind zweier Musiker geboren. 1991 zog ihre Familie nach Deutschland, wo Lisa in Hamburg und München studierte. Sie hat ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland und wird bei ihren Auftritten in aller Welt und mit allen wesentlichen Orchestern in ihren internationalen Biografien als deutsche Violinistin georgischer Abstammung geführt.
Gern gesehener Gast
Beim Kissinger Sommer ist sie mit ihren abwechslungreichen, oft auch humorvollen Konzerten schon seit Jahren ein häufiger, gern gesehener Gast. Seit seiner Gründung 1986 hat sich das Festival „Kissinger Sommer“ in den Dienst der Förderung junger Talente gestellt. Insofern ist es nur konsequent, dass Intendant Alexander Steinbeis das Konzert Lisa Batishvilis beim diesjährigen Kissinger Sommer nicht lediglich als Solorecital der weltberühmten Geigerin konzipierte, sondern unter dem Motto „Lisa Batiashvili and Friends“, das im Rahmen ihrer „Lisa Batiashvili Foundation“ auch jungen Interpreten aus ihrem Heimatland Georgien eine Plattform bot.
Aus der Talentschmiede des Klavier-Olymp
So konnte ihr Landsmann, der 23-jährige Giorgi Gigashvili mit Auszügen aus Gioachino Rossinis „Péchés de vieillesses“ den Anfang machen. Er ist in Bad Kissingen kein Unbekannter, sondern kommt aus der Talentschmiede des Kissinger Sommers, dem jährlich im Herbst stattfindenden „Klavier-Olymp“, aus dem schon einige der heutigen Berühmtheiten am Flügel wie etwa Igor Levit hervorgingen. Giorgi Gigashvili war 2021 Preisträger des 1. Preises. Ihn hat Lisa Batishvili als Duopartner mit auf ihr im letzten Jahr erschienenes Album „Secret Love Letters“ eingeladen.
Mit verschmitztem Lächeln
Das Konzert beim Kissinger Sommer begann er mit zwei Sätzen aus Gioachino Rossinis „Péchés de vieillesse“ für Klavier solo. „Une caresse a ma femme“ recht zart und mit verschmitztem Lächeln und deutlicher Betonung der Endnote, wobei der Zuhörer selbst überlegen kann, was das in diesem Zusammenhang bedeutet. „Un sauté“ interpretierte er sehr kurzweilig und nutzte die Laut-Leise-Gestaltung zu einer sehr witzigen Interpretation.
Erst 13 Jahre alt
Der zweite „Freund“, den Batishvili mitbrachte, wäre früher sicher unter der Kategorie „Wunderkind“ geführt worden, denn Tsotne Zedginize ist erst 13 Jahre alt und legt großen Wert darauf, dass er nicht nur Interpret ist, sondern auch Komponist. Bei der Interpretation von „Ondine“ aus Maurice Ravels „Gaspard de la nuit“ versuchte er, durch eine durchdachte, deutlich strukturierte Spielweise der Komposition gerecht zu werden. Seine Interpretationen zeugten durchgehend von der Absicht des jungen Pianisten, nicht durch plakative Ausstellung großer Schwierigkeiten und effektvoller Interpretation Eindruck zu machen.
Das Publikum war ratlos
Seine Eigenkomposition „Chimes“ klang eher impressionistisch-verhalten und machte es dem Publikum schwer, eine Struktur zu entdecken. Einige der Zuhörer brachten ihre Ratlosigkeit zum Ausdruck, obwohl sie sowohl pianistisches Können als auch Ideenreichtum durchaus anerkannten. Sie glaubten auch die Zitate aus Ravels „Gaspard de la nuit“ zu entdecken, der im Programm angekündigt worden war.
Schließlich doch Bravos vom Publikum
Nach jeder Sequenz, die er gespielt hatte, schaute der noch so junge Pianist zu seinen Betreuern. Im Gegensatz bewies er sich bei der Gestaltung seiner eigenen Violinsonate im Duett mit Lisa Batishvili als schon recht souverän. Hier war er ein gleichwertiger nuancenreicher Duopartner mit schöner Gestaltung und reifem Ton. Die vorher recht flache Dynamik schien überwunden, hier spielte er spannend seinen Part. Und dafür gab es dann auch Bravos vom Publikum.
Sie zupackend, er leise
Zum Abschluss des Programms übernahmen wieder Lisa Batiashvili und ihr älterer und reiferer Landsmann Giorgi Gigashvili center stage mit Cesar Francks berühmter Violinsonate in A-Dur. Seinen Einstieg gestaltete er eher suchend und leise, sie begann dagegen recht bestimmt. Wie in einem angeregten Gespräch spielten sie dann ausgesprochen fröhlich miteinander und schienen an ihrer zupackenden Spielweise und dem Kontrast zwischen fast verinnerlichter und extrovertierter Interpretation ihre Freude zu haben. Das machte ihr Spiel lebendig, mitreißend und ausgesprochen spannend.
Mitreißender Tanz
Den zweiten Satz begannen sie sehr prononciert, die Geige fast ruppig, wodurch ein wilder und mitreißender Tanz entstand. Nach dem zweiten Satz, an dessen Ende sich die Spannung entlud, applaudierten einige Zuhörer nicht wirklich deplatziert.
Die zarten Anfangstakte im 3. Satz, die wirklich in eine zarte Fantasia führten und das Allegretto poco mosso des 4. zeigten das großartige Einverständnis und die Virtuosität der beiden Interpreten wie auch ihre Freude am Zusammenspiel.
Eine der besten Geigerinnen der Welt hatte ihr immenses Können und ihr mitreißendes Spiel mal wieder in Bad Kisssingen gezeigt und junge Talente aus ihrem Land vorgestellt – zur Begeisterung des Publikums. Am Ende dankte es dafür mit heftigem Applaus und vielen Bravos.
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