Nach drei Thrillern hatte der Bad Kissinger Schriftsteller Matthias Soeder (64) das literarische Genre und deshalb auch den Verlag im vergangenen Jahr gewechselt und mit „Verwandlung“ den Auftakt zu seiner historischen Romantrilogie „Tinte und Schwert“ veröffentlicht. Darin erzählt er von den Abenteuern des 18-jährigen Priesteranwärters Jacob Wolffen aus Unterfranken und der gleichaltrigen Heilerin Anna Dillenberger aus Hanau in den Wirren zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges im frühen 17. Jahrhundert. Jetzt erschien pünktlich zur Frankfurter Buchmesse der zweite Band dieser Trilogie mit dem Titel „Verzweiflung“.
Hoffnung zunichte gemacht
Dieser zweite Band des „fesselnden Rachedramas über die moralischen Kosten des Krieges“, wie der Feuertanz Verlag Soeders Trilogie bewirbt, schließt unmittelbar an Band 1 an und beginnt im Juni 1619 nach der Schlacht bei Sablat in Böhmen, in der General Ernst von Mansfeld (1580 bis 1626), der bekannte Söldnerführer im Kampf gegen den habsburgischen Kaiser und dessen Verbündete, eine Niederlage erlitten hatte. Jacob und Anna glauben, nun ihre gefährlichsten Feinde überwunden zu haben, und hoffen auf ein Leben in Sicherheit und Frieden. Doch marodierende Söldner und religiöse Willkür machen diese Hoffnung zunichte. Zudem wecken sie das Interesse des böhmischen Feldherrn Albrecht von Wallenstein (1583 bis 1634), der erkannt hat, wie nützlich beide ihm sein können. Aus ihrem persönlichen Kampf um Gerechtigkeit wird ein gefährliches Spiel um Spionage und Täuschung. Schließlich müssen sie sich erneut einem alten Feind stellen.
Darf man töten?
„Im Kern geht es in meinem Roman um Menschen, die nur in Freiheit und Sicherheit leben wollen. Doch Jacob und Anna erleben, dass weder Recht noch Religion sie vor Gewalt und Willkür schützen“, sagt Autor Soeder im Interview mit der Redaktion. Aus diesem Dilemma entsteht Verzweiflung – der Titel dieses zweiten Bandes – und die daraus sich ergebende Bereitschaft der beiden, immer noch weiter zu gehen. „Die entscheidende Frage lautet: Darf man töten, wenn das Gesetz schweigt, das Gewissen aber schreit?“
Wallenstein als Obrists
Im zweiten Band erscheint als neue Hauptfigur der wegen Mordes gesuchte Büchsenmacher Georg Sintum. „Jacob und Anna müssen nun herausfinden, wie weit sie ihm trauen können“, macht es Matthias Soeder spannend. „Zudem treffen sie auf Menschen, die längst tot geglaubt waren.“ Auch lernen sie Wallenstein als aufstrebenden Obristen kennen, dessen strategischer Weitblick sich bereits abzeichnet. Soeder: „Historische Wirklichkeit und Fiktion greifen auch hier wie schon im ersten Band eng ineinander.“
Hörbuch unter den Top 10
Vom Erfolg seines ersten Bandes „Verwandlung“, dessen Hörbuch-Version beim größten Online-Händler unter die Top 10 in der Kategorie „Historische Thriller“ kam, ist der Bad Kissinger Autor nach eigener Aussage „überwältigt“, war dieses Buch doch nach seinem Genre-Wechsel sein erster historischer Roman. „Besonders häufig werden in den vielen positiven Rückmeldungen die Spannung und die historische Tiefe hervorgehoben. Genau diese Verbindung war mein Ziel: Der Dreißigjährige Krieg ist in meiner Trilogie kein dekorativer Hintergrund, sondern er greift unmittelbar in das Leben meiner Figuren ein und verändert ihr Denken und Handeln.“
Beim Schreiben seines Romans legt der Autor tatsächlich besonderen Wert auf bestmögliche Authentizität der Handlung, weshalb bei ihm die Recherche weit über seinen Schreibtisch hinausgeht. Als aktives Mitglied des im Jahr 2012 gegründeten Vereins Kurbairisches Dragonerregiment Johann Wolf beschäftigt er sich intensiv mit dem Alltag und der Ausrüstung kämpfender Soldaten im frühen 17. Jahrhundert.
Wissen über Alltagsleben
Soeder: „Das Herzklopfen bei einer Schlachtnachstellung, der beißende Geruch von Pulverdampf oder eine kalte Nacht im historischen Zelt vermitteln mir Erfahrungen, die sich allein aus Büchern nicht gewinnen lassen.“ Dieses Wissen über Alltagsleben, Waffen, Lagerwesen und Kampftechniken des Dreißigjährigen Krieges sowie Soeders umfassendes Quellenstudium in der Fachliteratur und seine Gespräche mit Medizinern, Historikern und anderen Fachleuten „helfen mir, diese Welt vor über 400 Jahren glaubwürdig zu erzählen“.
Längst schreibt er an seinem dritten Band „Vergeltung“, dessen Handlungsentwurf bereits festgelegt ist. Soeder: „Die ersten Kapitel sind als Rohfassung schon geschrieben. Zur Zeit arbeite ich daran, die Handlung eng mit den historischen Ereignissen zu verknüpfen.“ Er will zeigen, wie sich der Konflikt über Böhmen hinaus ausweitet und zu einem europäischen Krieg wird. Das Erscheinen dieses Abschlussbandes seiner Trilogie ist im Sommer 2027 geplant.
Infos zum Buch
Matthias Soeder:
„Tinte und Schwert. Verzweiflung“,
Feuertanz Verlag,
Taschenbuch, 400 Seiten, Preis: 20 Euro,
ISBN 978-3910619319











