Nur den Weg in das Staatsbad hat der Monarch nicht oft gefunden. „Er war insgesamt sechs Stunden in Bad Kissingen. Aber er hat viel Geld nach Bad Kissingen gebracht. Sein Verdienst war es, mit viel Wohlwollen hier in das Weltbad zu investieren“, sagt Mirko Keß. Das unterscheide den Prinzregenten ein Stück weit von anderen historischen Figuren des Rakoczy-Festes wie Bismarck, Sisi und den Zaren von Russland. Diese weilten deutlich öfter und länger zur Kur in der Stadt.
Der 50 Jahre alte Garitzer Keß übernimmt 2025 zum ersten Mal die Rolle als Prinzregent Luitpold am Rakoczy-Fest. Er ist damit der Nachfolger von Peter Krug, der sie 37 Jahre lang innehatte. Keß arbeitet als Umweltingenieur in der Industrie in Schweinfurt, war 30 Jahre lang aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Garitz und engagiert sich seit zwölf Jahren in der dortigen Kirchenverwaltung. Privat ist er viel in der Natur unterwegs und kulturaffin. „Ich besuche zum Beispiel jedes Jahr Konzerte beim Kissinger Sommer“, sagt er.
Verheiratet mit einer Quellenkönigin
Seine eigenen Interessen entdeckt er auch beim Prinzregenten. „Was mir an ihm gefällt: Er war ein Freund von Kunst und Technik und er war sehr volksnah. Das spricht mich an“, erzählt Keß. Luitpold habe Bayern vom Agrarstaat zum Industriestandort modernisiert. Unter ihm erlebte München eine kulturelle Blüte und Bad Kissingen profitierte sehr von der Prinzregentenzeit.
Hintergrund
Prinzregent Luitpold von Bayern war ein besonders wichtiger Förderer von Bad Kissingen. Eine Büste im Weißen Saal des Regentenbaus erinnert an ihn, genauso wie die Prinzregentenstraße, und er ist Teil der historischen Persönlichkeiten während des Rakoczy-Festes. Als Herrscher (1886 bis 1912) baute er Bad Kissingen weiter aus und beauftragte Max Littmann damit, den Regentenbau zu errichten, die Wandel- und Brunnenhalle sowie das Kurtheater - alles Gebäude, die heute zentrale Bedeutung für Bad Kissingen als Welterbestätte haben.
Den Gedanken, dass er gern eine historische Figur am Rakoczy-Fest verkörpern möchte, trägt er schon eine Weile mit sich. Seine Frau Carolin war 2002 - damals noch unter ihrem Mädchennamen Söder - Quellenkönigin. „Wir waren damals noch nicht verheiratet, aber ich habe sie bei allen Terminen begleitet“, sagt er. Dabei habe er die damalige Darsteller-Riege kennen- und schätzengelernt. „Ich fand es sehr schön, wie miteinander umgegangen wurde. Familiär, locker, aber mit einem Anspruch von Würde, wenn man in seiner Rolle ist.“
Die erste Verwandlung in den Prinzregenten
Jetzt hat er sich diesen Wunsch erfüllt. „Rakoczy ist ein außergewöhnliches Fest. Es ist ein Stadtfest mit vielen Extras. Ich freue mich, ein Teil davon zu sein“, meint Keß. Die Reaktionen von Familie, Freunden und Bekannten seien durchweg positiv. Die ersten Proben für seine Auftritte, etwa bei der Illumination am Freitag und dem Festball mit Gläserpolonaise am Samstag, hat er bereits absolviert, genauso wie Fotoshootings und Video-Aufnahmen.
Der Vollbart, den ihm die Maskenbildnerin verpasst hat, hat besonders Eindruck gemacht. Er erklärt, warum: „Ich habe 50 Jahre lang keinen Bart getragen und bin aus dem Grinsen nicht mehr herausgekommen. Das verändert einen Menschen ganz schön heftig. Aber ich habe mir sehr gut gefallen.“
Rakoczy-Fest ein fester Termin im Kalender
Keß hat Bad Kissingen nach der Schulzeit verlassen, bei der Bundeswehr studiert und später in Bad Mergentheim gearbeitet. Zum Rakoczy-Fest kam er mit Frau Carolin jedoch jedes Jahr nach Hause, um Freunde und Familie zu treffen und zu feiern. „Das ist ein fester Termin im Kalender“, sagt er. In den vergangenen Jahren hat er als Feuerwehrler oft bei den Absperrungen für den Festzug mitgeholfen.
Jetzt freut er sich darauf, die Perspektive zu wechseln und das Fest mit seinen 70.000 bis 80.000 Besuchern als Akteur mitzuerleben. „Ich freue mich auf die Gespräche mit den Menschen und bin gespannt, was die Leute sagen und was sie wissen wollen.“
Neben den klassischen Höhepunkten wie Festball, Festzug und Autogrammstunde freut er sich besonders auf die Illumination am Freitagabend. Dann wird er zum ersten Mal als neuer Prinzregent im Rosengarten vor tausenden Besuchern zu sehen sein. Das Rakoczy-Fest findet statt von Freitag, 25 Juli, bis Sonntag, 27. Juli.













