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Seelsorge unter freiem Himmel
Auszeit in Bad Kissingen: Geistliche Impulse in der Natur
„Macken gehören zum Leben dazu": Petra Müller an der Skulptur im Luitpoldpark „Im Lot".
„Macken gehören zum Leben dazu": Petra Müller an der Skulptur im Luitpoldpark „Im Lot". // Marion Eckert
Bad Kissingen – Von Mai bis Oktober bietet die ökumenische Seelsorge in Bad Kissingen Spaziergänge, Abendsegen und meditative Impulse. Wie auch Einheimische davon profitieren.

Wer in Bad Kissingen zur Kur ist, Urlaub macht oder aus dem Alltag heraustreten möchte, findet von Mai bis Oktober ein breites Angebot der ökumenischen Kur- und Rehaseelsorge. Gemeindereferentin Petra Müller führt es in dieser Saison zum größten Teil allein weiter.

Ihr evangelischer Kollege Diakon Maik Richter, der die Kur- und Gästeseelsorge viele Jahre geprägt hat, ist in einen neuen Abschnitt seines Lebensweges aufgebrochen.

Niedrigschwellig, offen für alle Altersgruppen und ohne Anmeldung zugänglich: So beschreibt Müller das Konzept. „Jeder, der ein Interesse an einer Auszeit im Alltag hat, der Impulse und Anregungen sucht, ist willkommen“, sagt sie. Die Angebote richten sich nicht nur an Kurgäste, sondern auch an Berufstätige und Einheimische. 

Alte Tradition: Wort in den Tag

Jeden Freitag vor dem Kurkonzert der Staatsbad Philharmonie Kissingen gibt es in der Wandelhalle einen geistlichen Impuls: das „Wort in den Tag“. Die Musikerinnen und Musiker spielen dazu einen Choral, passend zum Kirchenjahr. „Alte Bad Kissinger kennen noch die Tradition und stehen zum Choral auf“, erzählt Müller.

Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk spricht in der Wandelhalle den geistlichen Impuls vor dem Kurkonzert der Staatsbad Philharmonie Kissingen.
Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk spricht in der Wandelhalle den geistlichen Impuls vor dem Kurkonzert der Staatsbad Philharmonie Kissingen. // Marion Eckert

Den Auftakt zur Sommersaison bildet wie jedes Jahr der ökumenische Festgottesdienst zu Christi Himmelfahrt. In diesem Jahr feiern ihn Petra Müller und der evangelische Pfarrer Steffen Lübke gemeinsam am Donnerstag, 14. Mai, um 9:15 Uhr in der Wandelhalle. Das Salonorchester spielt.

Vom Trost der Bäume

Das Herzstück der Angebote sind die Spaziergänge im Luitpoldpark. Jeweils mittwochs um 19:30 Uhr, Treffpunkt ist an der Touristinformation. Eine Stunde dauern sie in der Regel.

Die Formate wechseln: Beim Abendspaziergang „Vom Trost der Bäume“ durch den Luitpoldpark können Teilnehmer Kraft und Trost der Bäume entdecken. Beim „spirituellen Spaziergang“ steht die Verbundenheit im Mittelpunkt. Zu jedem Format gibt es geistliche Impulse. „Die ins Leben hineinsprechen“, sagt Müller.

Auf diesen Wegen entstehen Gespräche, manchmal überraschend tiefgründig. „Erst in der Zeit des Innehaltens kann bewusst werden, was möglicherweise gesehen werden möchte. Was wichtig ist, auszusprechen.“ Für 2026 hat Müller neue Impulse ausgewählt.

Treffpunkt für den Abendsegen: Petra Müller vor dem Pavillon der Religionen im Luitpoldpark.
Treffpunkt für den Abendsegen: Petra Müller vor dem Pavillon der Religionen im Luitpoldpark. // Marion Eckert

Segen zum Abend

Wer den Abend ruhig ausklingen lassen möchte, findet beim „Abendsegen im Pavillon der Religionen“ einen Ort dafür: Im sechseckigen Pavillon im Herzen des Luitpoldparks, der Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus symbolisch einen Platz gibt, kann innegehalten werden, um Kraft, Ruhe und Segen mitzunehmen. 

Die christliche Station im Pavillon der Religionen: Petra Müller am Holzkreuz, das zur Einkehr einlädt.
Die christliche Station im Pavillon der Religionen: Petra Müller am Holzkreuz, das zur Einkehr einlädt. // Marion Eckert

Ein anderes Format: Der meditative Tanz führt zur inneren Mitte und lädt ein zum Sein im Hier und Jetzt. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Treffpunkt ist das Lichtforum, Haus der Evangelischen Kirche, Von-Hessing-Straße 4. 

Einmal monatlich führt ein Bus zum Heiligenhof: Der „Weg der Besinnung“ ist ein rund zwei Kilometer langer, meditativer Spazierweg am Waldrand bis nach Garitz. Zwölf Skulpturen und Bilder des Euerdorfer Künstlers Helmut Droll begleiten den Weg. 2026 wird der Weg 20 Jahre alt. Deshalb ist am 11. Juli eine besondere Führung geplant.

Macken gehören dazu

Was Müller in ihrer Arbeit als Seelsorgerin bewegt, fasst sie in einem Bild zusammen. Eine Skulptur im Park bringt es für sie auf den Punkt: „Im Lot, nicht im Lot“. Die größte Kugel liegt oben und sie hat sichtbare Macken. „Macken gehören zum Leben dazu“, sagt sie. „Es geht darum, auch mit Macken im Lot zu sein.“

Ihre Arbeit sieht sie als Begleitung auf einer Etappe des Lebenswegs, mit Impulsen, die stärken und ermutigen. Das gelte besonders für Menschen, die mit Krankheit, Einschränkungen oder Überforderung zu kämpfen haben. „Die Kunst, zu akzeptieren, dass es nicht mehr so wird, wie es war, und dass das Neue auch gut sein kann.“

Alle Termine finden sich auf der ökumenischen Webseite und im Veranstaltungskalender der Touristinformation.

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