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Buch von Sebastian Fickert
Quer durchs australische Outback
Sebastian Fickert
Sebastian Fickert mit Tochter Naomi in der Abendsonne vor dem heiligen Berg Uluru (früher Ayers Rock). // Sebastian Fickert
Sebastian Fickert
Autor Sebastian Fickert (50) mit seinem Australien-Buch. // Sigismund von Dobschütz
Bad Kissingen – Sebastian Fickert ist Richter mit zwei besonderen Hobbys. Über sein Buch „Australien. Eine Reise zu zweit“ erzählt er im persönlichen Gespräch sowie bald in Hammelburg und Bad Kissingen.

Sigismund von Dobschütz Seit über 20 Jahren ist der in Würzburg lebende Sebastian Fickert (50) als Richter tätig, seit November 2023 als Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Bamberg. Doch neben Beruf und Familie widmet er sich zwei anderen Leidenschaften – der Belletristik und dem Reisen durch exotische Länder. Beide Hobbys verbindet er als Autor von zwei Romanen und bereits sieben Reiseberichten. Im Mai erschien sein neues Buch „Australien. Eine Reise zu zweit“.

Seine Liebe für ferne Länder erwachte 2003 in Tokio, als er als Referendar an der deutschen Botschaft tätig war. Zwei Jahre später veröffentlichte er sein erstes Buch „14 Wochen Japan“. Seitdem nimmt sich Fickert alle paar Jahre ein anderes Land für eine individuelle Entdeckertour vor. So folgten bald Bücher über Kasachstan, den Berg Ararat, Ecuador, Namibia und Vietnam.

Persönliche Erzählungen

Fickert schreibt keine Reiseführer, sondern literarische Reiseerzählungen. Es sind persönliche Reflexionen seiner Erlebnisse und Erfahrungen im Abgleich mit Geschichte und Kultur des bereisten Landes. Seine Bücher zeigen ein vielschichtiges Bild des Landes, das nicht nur Reisefreunde, sondern auch kulturgeschichtlich Interessierte anspricht.

Auch der neue Australien-Band ist wieder ein atmosphärisch dichtes und informatives Reisebuch, in dem er seine persönlichen Eindrücke während der dreiwöchigen Tour mit eindrucksvollen Naturbeschreibungen und den vorab durch intensive Lektüre von historischen Romanen und Sachbüchern gewonnenen Kenntnissen über die einstige englische Sträflingskolonie und die langsame Eroberung des Kontinents durch Siedler verbindet.

Eindrucksvolle Begegnungen

Auf seiner Reise von Sydney durch die Mitte des Kontinents, über Cairns und Brisbane zur Gold Coast wandert der Autor in den Blue Mountains, lässt sich einfangen vom farbenprächtigen Sonnenuntergang am heiligen Berg Uluru (früher: Ayers Rock), staunt über den klaren Sternenhimmel im Outback, schnorchelt im Great Barrier Reef – „Eine ganz andere Welt.“ – und surft im Pazifik.

Er muss bissigen Salzwasserkrokodilen ausweichen, trifft auf müde Koalas, springende Buckelwale und elegant gleitende Riffhaie. Er begegnet hilfsbereiten Aborigines und interessierten Aussies, die dem Deutschen vor allem durch ihren „optimistischen Pragmatismus“ positiv in Erinnerung blieben: „Jammern und Klagen steht bei den Aussies nicht hoch im Kurs.“ Die Entwicklung des Landes, seine endlose Weite und Natur mögen die Einwohner geprägt haben, das Leben trotz mancher Widrigkeiten positiv zu sehen, meint Fickert.

„Die Einheimischen haben uns die Kontaktaufnahme leicht gemacht.“ Mit „uns“ meint er sich selbst und seine damals 16-jährige Tochter Naomi, die ihren Vater begleitete. Dies war für den 50-Jährigen eine neue Erfahrung: Während er auf seinen früheren Reisen immer allein und nur mit dem Nötigsten im Rucksack unterwegs war, meistens außer dem Hin- und Rückflug keinen festen Zeit- und Routenplan hatte, sich vielmehr von den Erlebnissen und Begegnungen vor Ort lenken ließ, hatte die Tour diesmal eine gewisse Struktur aus Fixpunkten: „Wir hatten unsere Unterkünfte zu festen Terminen gebucht.“

Aber trotzdem blieb ein Hauch von Abenteuer. Denn wie Vater und Tochter von einem Standort zum nächsten Ziel kommen, war ungeplant und sollte ebenso wie das Besichtigungsprogramm jeweils erst vor Ort geklärt werden. Fickert: „So mussten wir manchmal doch improvisieren.“

So unterschiedlich das Gespann von Vater und Tochter, so verschiedenartig hatten sie sich auf ihren Entdecker-Trip vorbereitet: Während Fickert sich wieder durch Bücher über Geschichte und Kultur des Landes kundig gemacht hatte, hatte Naomi sich im Vorfeld mittels Social Media umfassend informiert. „Nachdem wir im Outback einen Australier getroffen hatten, der kleine Känguru-Waisen aufzieht und wieder auswildert, erzählte sie mir, dass sie schon zu Hause Filme von ihm gesehen hatte.“

Nachhaltige Erinnerungen

Überrascht musste Fickert auch feststellen, dass die 16-Jährige, „statt sich am reiseerfahrenen Vater zu orientieren“, durchaus eigene Ideen hatte. So musste sich der Vater fügen, als sich Naomi in den Kopf gesetzt hatte, nach dem ungewöhnlichen Segway-Trip zum Berg Uluru unbedingt den 20 Kilometer langen Rückweg in die Unterkunft bei Sonnenuntergang quer durchs Outback zu wandern. „Ich wäre mit dem Bus gefahren. Die Australier, die an uns vorbeifuhren, müssen uns für verrückt gehalten haben.“ Doch diese Farbenpracht, die Weite und Stille hautnah erlebt zu haben, hinterließ bei beiden ein Gefühl der Dankbarkeit. Es sind diese kleinen, aber doch nachhaltig in Erinnerung gebliebenen Situationen, deren Schilderung – in Verbindung mit des Autors Rückblick auf Geschichte und Kultur – seine Erzählung so interessant und lesenswert macht.

Zu Gast im Kissinger Gymnasium

In den Genuss seiner neuen Reiseerzählung werden demnächst auch die Oberstufenschüler des Jack-Steinberger-Gymnasiums in Bad Kissingen kommen: Seit drei Jahren spricht Fickert auf Einladung von Schulleiter Markus Arneth einmal pro Jahr zwei Doppelstunden über Literatur, die Bedeutung des Lesens und das Handwerk des Schreibens.

Australien. Eine Reise zu zweit
Titelbild des Reiseberichts „Australien. Eine Reise zu zweit“ von Sebastian Fickert // Königshausen & Neumann

Lesung in Hammelburg: Sebastian Fickert: Australien. Eine Reise zu zweit“, Freitag, 16. Oktober, um 19:30 Uhr, Bürgerhaus, Hammelburg, Tickets im Vorverkauf bei der Volkshochschule.

 

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