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Neues Buch über Bad Kissingen
Victoria May: Bilderreise in die 50er- und 60er-Jahre
Victoria May
Autorin und Hístorikerin Victoria May. // Rainer May
Bad Kissingen – Victoria May hat einen Bildband über Bad Kissingen herausgegeben und schließt damit eine Lücke.

Bücher und Broschüren über das bayerische Staatsbad Bad Kissingen gibt es viele. Doch widmen sich diese überwiegend dem 19. Jahrhundert und dem bis heute das Staatsbad prägenden architektonischen Erbe der Wittelsbacher. An die neu erstarkende und aufstrebende Kurstadt der Nachkriegszeit und Wirtschaftswunderjahre erinnert deshalb jetzt die Bad Kissinger Historikerin Victoria May (35) mit ihrem neuen Bildband „Bad Kissingen. Eine historische Bilderreise in die 50er- und 60er-Jahre“ in sieben jeweils mehrfach thematisch untergliederten Kapiteln, bebildert mit 150 zumeist bisher unveröffentlichten halb- und ganzseitigen Fotos aus dem Stadtarchiv.

Als ein Beispiel für die bisherigen Veröffentlichungen über die Weltbad-Zeit der bayerischen Könige sei hier nur der im Jahr 2020 veröffentlichte Band „Bad Kissingen. Fotografien um 1900“ von Stadtarchivar Peter Weidisch mit 160 historischen, ebenfalls bis dahin noch unveröffentlichten Fotos aus dem Stadtarchiv genannt.

Mitarbeiterin im Stadtarchiv

„Dabei sind die Nachkriegsjahrzehnte ebenfalls eine spannende Zeit für Bad Kissingen gewesen und haben auf ihre ganz eigene Art das Stadtbild und die Entwicklung unserer Kurstadt geprägt“, meint Historikerin May. „Wir leben heute ganz selbstverständlich mit unserem Terrassenschwimmbad, einem Prestige-Objekt aus den 50er-Jahren. Oder wir feiern das Rakoczyfest als einen der Höhepunkte im städtischen Kalenderjahr.“ Vieles hat sich in den vergangenen Jahrzehnten weiterentwickelt, was in den 50er- und 60er-Jahren seinen Ursprung hat. „Meinen Bildband kann man also, obwohl in sich thematisch eigenständig, zumindest hinsichtlich der historischen Stadtentwicklung durchaus als interessante Fortsetzung zum 1900er-Band von Peter Weidisch sehen.“

Gespräche mit Zeitzeugen

Bei der Fotoauswahl konnte die 1991 in Bad Kissingen geborene Historikerin und Lektorin als freiberufliche Mitarbeiterin des Stadtarchivs unbegrenzt aus dessen verschiedenen Sammlungen schöpfen. Zwar hat die 35-Jährige nicht auf eigene Eindrücke aus jener Zeit zurückgreifen können, wurde aber bei ihrer Recherche durch die langjährig erfahrene Archivmitarbeiterin Evelyn Bartetzko unterstützt und konnte dies um Fakten aus persönlichen Gespräche mit Zeitzeugen und teilweise sogar aus eigener Familiengeschichte ergänzen. „Heute lebe ich mitten in der Stadt über der ehemaligen Familienbäckerei. Ich bin täglich von der Geschichte meiner Heimatstadt umgeben.“

Die mitunter recht beeindruckenden Bilder aus der Nachkriegszeit ebenso wie jene aus den Wirtschaftswunderjahren wecken zweifellos bei älteren Einwohnern unzählige Erinnerungen und laden zum Wiederentdecken, jüngere Jahrgänge zum Neuentdecken ein. Anhand der Fotos erfährt man, wie aus der amerikanischen Besatzung die deutsch-amerikanische Freundschaft wurde. May: „Ohne die tatkräftige Unterstützung der US Army hätte das prestigeträchtige Bauvorhaben des Terrassenschwimmbads wohl nicht in dieser Form realisiert werden können.“

Im Kapitel „Altstadt in der Kernstadt“ erkennt man anhand einiger Momentaufnahmen die „Verschmelzung von Kleinstadt und Kurstadt“. Denn mit dem Wiedererstarken des Kurbetriebs in den 1950er-Jahren erhielt auch die städtische Wirtschaft neuen Aufschwung.

Auf Touristen ausgerichtet

„Von Gastronomiebetrieben bis zu Modehäusern – in Bad Kissingen stand dem kaufkräftigen Kurgast ein vielfältiges Angebot zur Verfügung. Souvenirgeschäfte und edle Warenhäuser rundeten das überwiegend auf Touristen ausgerichtete Sortiment ab.“

Manche historischen Gebäude aus der Zeit der bayerischen Könige fielen allerdings der Moderne zum Opfer wie das von Reichskanzler Fürst Bismarck geschätzte Salinenbad und das Salinencafé. Dort an der Unteren Saline wurde ab 1964 die damals „erste und einzige Leberspezialklinik weltweit“ errichtet, heute noch als Heinz-Kalk-Klinik in Erinnerung.

Gebaut wurde zu jener Zeit viel. Nicht nur, dass die in den letzten Kriegstagen von den Kissingern eigenhändig zerstörte Ludwigsbrücke von US-Baukolonnen wieder aufgebaut werden musste. Nach dem Neubau der Südbrücke – damals für viele Kissinger unnötig und „für die Katz“ – entstand der Ostring, um die Altstadt vor dem zunehmenden Autoverkehr zu entlasten.

Schnauferl-Rallye

Eindrucksvolle, lebendige Bilder zeugen in Victoria Mays Fotoband von unterschiedlichsten Veranstaltungen. Wer hätte als Fan unserer seit 2000 regelmäßig zu Pfingsten stattfindenden Franken-Classic-Oldtimerrallye gedacht, dass es schon 1962 in Bad Kissingen die 7. Internationale Schnauferl-Rallye gegeben hat oder vier Jahre zuvor das 2. Internationale Borgward-Isabella-Treffen?

Während im kommenden Jahr Münnerstadt das 100-jährige Bestehen seiner „Schutzfrau“ feiert, wissen wohl nur noch die Ältesten, dass auch Bad Kissingen ab 1951 im Rahmen des seit 1950 gefeierten Rakoczyfestes sein Heimatspiel „Die Quelle“ hatte.

Royale Gäste

„Der Ruf der Kurstadt erholte sich in den 50er- und 60er-Jahren allmählich wieder“, stellt die Autorin fest. „Auch royale Gäste aus aller Welt – wie 1966 der thailändische König Bhumibol und Königin Sirikit – besuchten wieder Bad Kissingen.“

Hintergrund

  • Veranstaltung: „Bad Kissingen. Eine historische Bilderreise in die 50er- und 60er-Jahre“, Vortrag mit Buchvorstellung von Victoria May,  am Dienstag, 6. Oktober, ab 18 Uhr im Museum Obere Saline (Gewölbekeller); freier Eintritt.
  • Zum Buch: Victoria May: „Bad Kissingen. Eine historische Bilderreise in die 50er- und 60er-Jahre“, Sutton Verlag, gebunden, 128 Seiten mit 150 Fotos, Preis: 24,99 Euro, ISBN 978-3963036897; erhältlich im lokalen Buchhandel und im Museumsshop des Museums Obere Saline.
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