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Bewegte Lebensgeschichte
Café Roch: Wie sich Sara und Ali neu erfunden haben
Sara Amirmoez-Kutlay und ihr Ehemann Mehmet Ali Kutlay kamen im Sommer aus der Türkei nach Deutschland
Sara Amirmoez-Kutlay und ihr Ehemann Mehmet Ali Kutlay kamen im Sommer aus der Türkei nach Deutschland // Simon Snaschel
Bad Kissingen – Ein Paar mit bewegter Lebensgeschichte: Sara Amirmoez-Kutlay und ihr Ehemann Mehmet Ali Kutlay wagen nach Jahren in der Türkei in Bad Kissingen einen Neuanfang.

Seit Sommer 2025 betreiben Sara Amirmoez-Kutlay und ihr Mann Mehmet Ali Kutlay das Café Roch in Bad Kissingen. Hinter den beiden Gastronomen verbirgt sich eine außergewöhnliche Lebensgeschichte. Das Paar hat nämlich einen anderen Beruf gelernt: Bis es sie nach Deutschland zog, haben die beiden in der Türkei eine Zahnarztpraxis betrieben. Mehmet Ali, den alle nur Ali nennen, will in Bad Kissingen bald zurück in seinen alten Job, muss dafür aber noch eine große Hürde nehmen.

Sara, 38, stammt aus dem Iran. Nachdem ihre Eltern sich getrennt hatten, floh ihre Mutter mit der damals Fünfjährigen aus dem Land am Persischen Golf. „Dort ist es üblich, dass die Kinder bei den Vätern bleiben. Meine Mutter wollte das nicht“, erinnert sie sich. „Wir waren in Afrika und Pakistan und wollten eigentlich in die USA, sind aber in den Niederlanden gelandet“, sagt sie mit einem Lächeln.

„Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Sara über ihren Mann Ali

Wirklich heimisch wurde sie im deutschen Nachbarland jedoch nie, obwohl sie dort auch beruflich Fuß fasste und zur Zahnärztin für Kinder wurde. „Ich war dort nicht so glücklich. Irgendwie blieb ich immer eine Immigrantin. Und wenn ich im Iran war, war ich auch nicht zu Hause. Dort kam ich für die Leute ja aus den Niederlanden.“ Also wollte Amirmoez-Kutlay ihr eigenes Buch schreiben und die Welt erkunden.

Sie landete nach 30 Jahren in den Niederlanden in der Türkei. In Alanya, einer Stadt mit rund 360.000 Einwohnern an der Mittelmeerküste, begann sie in einer Zahnarztpraxis zu arbeiten. Und traf dort den Implantologen Mehmet Ali Kutlay. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Sara. „Drei Monate später haben wir geheiratet und haben einen kleinen Sohn.“ Sechs Jahre ist Yahya inzwischen alt, seit zehn Jahren sind Sara und Ali verheiratet.

In Deutschland will Mehmet Ali Kutlay wieder als Zahnarzt arbeiten

Als Paar betrieben die beiden später für acht Jahre eine Praxis im türkischen Kaş. Bis es die Weltenbummler wieder in die Ferne zog. „Wir waren im Urlaub bei meiner Cousine in Bad Kissingen. Es hat uns einfach sehr gefallen. Also haben wir gesagt, warum nicht hier her?“ Saras Traum war es, ein Café mit Boutique zu eröffnen. „Wir haben überlegt, die Praxis zu behalten. Aber für unseren Sohn ist es besser, wenn wir an einem Ort sind. Also haben wir in der Türkei alles verkauft und sind nach Bad Kissingen gekommen.“

Das Prinzip, eine Boutique in ein Café zu integrieren, kennt sie aus den Niederlanden. „Dort gibt es das häufig“, so die 38-Jährige. Sie fühlt sich wohl in ihrem neuen Job. Auch Ehemann Ali ist gerne im Café. „Wir haben hier jeden Tag viele tolle Gespräche und die Menschen sind sehr besonders“, sagt er. Ergänzt aber: „Ich würde gerne wieder als Zahnarzt arbeiten.“ Er könne sich eine Kombination aus beidem gut vorstellen.

Auf die deutsche Bürokratie war das Paar schon eingestellt

Der 40-Jährige spricht wesentlich besser Englisch als Deutsch. Um als Zahnarzt arbeiten zu dürfen, muss er die Landessprache beherrschen. Daran arbeitet er mit Privatunterricht und macht gute Fortschritte. Vielleicht in einem Jahr, so die Hoffnung, könnte es mit einer Rückkehr in den alten Beruf klappen.

Ein Wort kennt der Türke schon bestens: Als der Begriff Bürokratie fällt, muss er lachen. „Es könnte schon etwas einfacher sein in Deutschland. Für eine Praxis, aber auch für ein Café“, sagt Sara. Es habe sehr lange gedauert, bis alle Genehmigungen vorlagen.

Wobei sie auch große Offenheit und Unterstützung in der Stadt erfahren habe. „Deutschland ist für seine Bürokratie ja weltweit bekannt“, sagt ihr Mann und lächelt milde. „Deshalb wussten wir, was uns erwartet, und haben das akzeptiert.“

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