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Kaiserkur in Bad Kissingen
Sisi und Ludwig II. im Kurgarten zum zweiten Mal vereint
Konzeptkünstler und Bildhauer Prof. Ottmar Hörl (76) mit seinen Sisi- und Ludwig-Skulpturen. // Sigismund von Dobschütz
Signet des Fränkischen Tags von Sigismund von Dobschütz
Bad Kissingen – Im Kurgarten erstrahlt goldene Kunst im Gedenken an Sisi und Ludwig II. Konzeptkünstler und Bildhauer Ottmar Hörl (76) vereint die historischen Monarchen erneut.
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Im Juni des Jahres 1864, das als Jahr der „Kaiserkur“ in die Geschichte des Staatsbades Bad Kissingen einging, kam die aus dem bayerischen Haus Wittelsbach stammende österreichische Kaiserin Elisabeth erstmals mit ihrem Cousin, dem bayerischen König Ludwig II., im Kurgarten zusammen.

An dieses historische Treffen erinnert seit wenigen Tagen an genau derselben Stelle die Skulpturen-Installation des international bekannten und mehrfach ausgezeichneten Konzeptkünstlers und Bildhauers Ottmar Hörl (76). Etwa 200 goldene Figuren beider Monarchen, ergänzt durch wenige schwarze Sisi-Skulpturen, schmücken bis zum 5. Juli unter dem Motto „Sisi & Ludwig II. – Zwei Menschen, ein Schicksal“ die Rabatten rund um die beiden Springbrunnen vor dem Arkadenbau.

Über 200 Figuren umfasst die Skulpturen-Installation des Konzeptkünstlers und Bildhauers Ottmar Hörl im Kurgarten. // Sigismund von Dobschütz

Die reife Kaiserin statt Romy-Schneider-Klischee

„Es hätte auch Bismarck sein können“, erzählte Hörl. Er war bis 2018 Professor für Bildende Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und bis 2017 deren Präsident, bei der Vernissage von seinen Überlegungen für Bad Kissingen. „Der ruft aber nur wenig Freude auf.“ Deshalb habe er sich dann doch lieber für Sisi und Ludwig II. entschieden.

Bei der Figur des bayerischen Königs waren sich der in Frankfurt am Main lebende Künstler, Bad Kissingens Kulturreferent Peter Weidisch und Museumsleiterin Annette Späth schnell einig geworden. „Aber welches Alter, welchen Habitus würde Hörl für Kaiserin Elisabeth wählen?“, fragte sich Weidisch im Vorfeld und wurde erst vier Wochen vor der Vernissage vom Ergebnis überrascht: „Nicht die junge Kaiserin, auch kein Romy-Schneider-Abziehbild, sondern die reife Kaiserin wird gezeigt“, erklärte Weidisch den Vernissage-Gästen.

„Ottmar Hörl präsentiert die vom Tod ihres Sohnes getroffene, trauernd-traurige, aus dem üblichen Klischee fallende Frau.“ Die Figur wurde nicht nur in golden strahlender, sondern in einigen Exemplaren auch in schwarzer Ausfertigung geschaffen. Sie zeigt Sisi also nicht als verklärte junge Kaiserin. Stattdessen sieht man sie als vom Leben gezeichnete, schlicht gekleidete Privatperson mit Stirnfransen und hoher Haarkrone. Genau so kennt man sie auch von dem bekannten Foto des Kissinger Fotografen Johann Kolb bei ihrem Spaziergang durch den Kurpark während ihres letzten Aufenthalts im Jahr 1898.

Die von Bildhauer und Konzeptkünstler Ottmar Hörl geschaffenen 50 Zentimeter hohen Skulpturen von Ludwig II. und Kaiserin Sisi. // Sigismund von Dobschütz

Mit Ludwig II. als zweiter Figur seiner Skulpturen-Ausstellung habe der Künstler Ottmar Hörl genau 162 Jahre nach der ersten Zusammenkunft beider Monarchen nun ein zweites Treffen „in der Keimzelle des Weltbades mitten in der Welterbe-Stätte“ möglich gemacht, führte Weidisch weiter aus: „Sisi und Ludwig 2.0 – sie sind zurück.“

Zwei Monarchen, ein Schicksal

„Beide liebten die Einsamkeit und fühlten sich von ihrem Volk missverstanden“, ging Annette Späth, Leiterin des Museums Obere Saline, auf das Gemeinsame beider Monarchen ein, das mit dem Präsentationsmotto „Zwei Menschen, ein Schicksal“ zum Ausdruck kommen soll.

Gleichzeitig warb sie für die Ausstellung „König Ludwig II. und Bad Kissingen. Kaiserkur und Frankenfahrt“, die neue Informationen zur Freundschaft beider Herrscher liefert und die Beziehung beider aus historischer Sicht beleuchtet.

Im Unterschied zu Kaiserin Elisabeth konnte sich allerdings Ludwig II. „durch sein schöpferisches Wirken, den Bau visionärer Schlösser und der Förderung Richard Wagners eigene ästhetische Gegenwelten schaffen“, schreibt Kunsthistorikerin Eva Schickler im Begleittext zur Ausstellung.

Über 200 Figuren umfasst die Skulpturen-Installation des Konzeptkünstlers und Bildhauers Ottmar Hörl im Kurgarten. // Sigismund von Dobschütz

Kunst als Spiegel der Gesellschaft

„Durch die Vervielfältigung wird gleichsam eine Projektionsfläche für individuelle wie universelle Fragestellungen geschaffen“, ist in ihrem Text weiterzulesen. Wer war Sisi? Wer sind wir jenseits der Erwartungen anderer? Geschichte wird begreifbar und hinterfragt: Wie prägen digitale Medien das Selbstbild junger Menschen heute?

„Arbeiten im öffentlichen Raum heißt immer arbeiten mit der Gesellschaft“, erklärte Konzeptkünstler Hörl bei der Vernissage seine Absicht. „Man muss sich mit dem Werk auseinandersetzen.“ So ist auch seine Skulpturen-Installation „Sisi & Ludwig II.“ als ein Spiegel der menschlichen Suche nach Identität, Freiheit und Selbstbestimmung zu verstehen.

Skulpturen für das eigene Zuhause

Die von Ottmar Hörl aus PVC-Kunststoff geschaffenen, etwa ein Kilogramm schweren und wetterfest UV-lackierten Figuren können bis Ende der Ausstellung am 5. Juli zum reduzierten Vorzugspreis von jeweils 100 Euro erworben werden. Verkaufsstellen sind die Tourist-Information im Arkadenbau, das Museum Obere Saline, das Modehaus Ludewig (Brunnengasse 1) und die Buchhandlung Schöningh (Brunnengasse 6).

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