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Kissinger Sommer 2026 eröffnet
Budapest Festival Orchestra: Zwei mitreißende Konzerte
Budapest Festival Orchestra
Elisabeth Leonskaja und das Budapest Festival Orchestra auf der Bühne des Max-Littmann-Saals beim Eröffnungskonzert des Kissinger Sommers. // Julia Milberger
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Großer Applaus für Elisabeth Leonskaja und das Budapest Festival Orchestra. // Julia Milberger
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Das Budapest Festival Orchestra hat den Kissinger Sommer eröffnet. // Julia Milberger
Bad Kissingen – Mit zwei Konzerten eröffnet das Budapest Festival Orchestra den 40. Kissinger Sommer. Es war bereits bei der Festivalpremiere mit von der Partie – ebenso wie Pianistin Elisabeth Leonskaja.

Dass das Budapest Festival Orchestra mit zwei Konzerten die fünfeinhalbwöchige Jubiläumsfeier zum 40. Geburtstag des Kissinger Sommers eröffnet hat, macht durchaus Sinn. Denn 1986, als das Festival seine Premiere erlebte, war Ungarn das erste Gastland, das in der Programmzusammenstellung die Führung übernahm.

Damals war auch das nur drei Jahre ältere Orchester – es wurde 1983 von Iván Fischer und Zoltán Kocsis gegründet – mit von der Partie. Seitdem hat es das eine oder andere Jahr wieder im Regentenbau vorbeigeschaut – nicht oft, aber oft genug, um sich beim Festival in guter Erinnerung zu halten.  

Mit Dirigent Iván Fischer

Natürlich stand auch dieses Mal der Chef am Pult: Iván Fischer. Aber zuallererst musste natürlich eröffnet werden. Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel, Kuratoriumsvorsitzende Dorothee Bär und Intendant Alexander Steinbeis taten das mit sichtlich guter Laune und Vorfreude auf das Kommende. Aber auch mit einem Wermutstropfen: Steinbeis würdigte kurz den Ehren-Schirmherrn Prof. Dr. Hans Maier, der zwei Tage zuvor und kurz vor seinem 95. Geburtstag in München gestorben war.  

Dann kam noch der Überraschungsgast: Schirmherr und Ministerpräsident Markus Söder, der in launigen Worten den Kissinger Sommer als internationalen kulturellen Leuchtturm lobte und erklärte, dass der Freistaat Bayern dem Festival auch weiterhin zur Seite stehen werde.  

 Ouvertüre über hebräische Themen

Das erste Stück des ersten Konzerts war tatsächlich eine Ouvertüre, die dem Motto des Festivals, „Mazel Tov“, Rechnung trug: die Ouvertüre über hebräische Themen op. 34, ein verkapptes Klarinettenkonzert (der Soloklarinettist spielte sogar vorne an der Rampe) und eine spannende Begegnung von westeuropäischer Moderne und traditioneller Klezmermusik – eine höchst spannende Synthese, die viel Frische in die Musik brachte. Freilich nutzte der Solist auch die agogischen Freiheiten, die Klezmer tatsächlich erwartet, und er konnte sie an das Orchester weitergeben. Das Ergebnis war äußerst lebendig.  

Und dann kam Elisabeth Leonskaja. Auch sie war 1986 bei der Festivalpremiere dabei gewesen. Dieses Mal spielte sie das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 24 c-Moll KV 491 von Wolfgang Amadeus Mozart. Sie scheint ein Alter erreicht zu haben, in dem sie niemandem mehr etwas beweisen muss, in dem sie auch spielerisch sie selbst sein kann. Und so musizierte sie den Mozart nicht als Konfrontation mit dem Orchester, sondern als ganz persönliche Äußerung, ohne jede agogische oder gestische Übertreibung, aber mit viel Gespür für die Sanglichkeit. Aber auch mit ständigem Kontakt mit dem Orchester, das Iván Fischer sehr gut eingestellt hatte.  

In den Tutti-Passagen machte das Orchester durchaus Druck, und da hatte Elisabeth Leonskaja auch keine Not, sich als Orchesterfarbe ein bisschen zurückfallen zu lassen. Aber in den solistischen Dialogen spürte man die gegenseitige Aufmerksamkeit, was zu einer emotionalen Homogenität führte.  

Spannende und schöne Themen ziemlich ausgereizt

Das große Finale lieferte Robert Schumann mit seiner 3. Sinfonie, der „Rheinischen“. Und die bekam mit den Budapestern ein Problem. Denn die spielten, trotz allen Getöses, kammermusikalisch intensiv, denn jeder fühlte sich für das Ganze verantwortlich. Sie spielten so genau und analytisch, dass man zwar zu Beginn Schumanns Motivation verstand, der erleichtert war, in Düsseldorf einen Neuanfang machen zu können. Aber auch so, dass man durch die Klarheit des Orchesterklangs plötzlich die Einzelteile und strukturellen Verläufe sehr gut hören konnte. Und dabei feststellen konnte, dass in der Verarbeitung die durchaus spannenden und schönen Themen ziemlich ausgereizt wurden, sodass Überraschungen ausblieben.  

Als Zugabe wurde gesungen: Clara Schumanns „Gondoliera“ aus den „Drei gemischten Chören“. Das war eine nette Idee, aber ehrlich gesagt wäre ein achtköpfiger Profichor wirkungsvoller gewesen.  

Auftakt mit Gesang beim zweiten Konzert

Das zweite Konzert begannen die Budapester sogar mit Gesang. Mit Fanny Hensels „Morgengruß“ aus „Gartenlieder“ für Chor a cappella. Gut, der „Morgengruß“ am Abend war eine nicht uninteressante Erfahrung. Aber man ertappte sich beim Zuhören auch dabei, die Sache nicht ernst zu nehmen, weil man von einem Orchester eigentlich andere Klänge erwartet, unter anderem deshalb, weil in einem Chor die einzelnen Register konzentriert beieinanderstehen. Aber schmunzeln konnte man schon.  

Aber dann: das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven in einer zugegebenermaßen sensationellen Aufführung. Schon der erstaunlich lyrische Einstieg mit den weichen Paukenschlägen weckte große Erwartungen, denn er ließ viel Raum für starke Kontraste. Und die kamen dann auch.  

Staunen über Solistin Julia Fischer

Aber das erste Staunen galt der Solistin: Julia Fischer. Sie spielte mit einem unglaublichen Zugriff, als hätte dieses Konzert keine technischen Herausforderungen für sie. Sie spielte wirklich jeden Ton, was keineswegs selbstverständlich ist, und nahm ihn ernst, gestaltete ihn. Sie fegte durch die schwierigsten Akkordpassagen, ohne die Töne in die Hässlichkeit zu treiben oder auf Sicherheitstempo zu schalten.

Sie spielte die sanglichen Passagen mit einem schmalen Vibrato, das den Ton zwar intensivierte, aber nicht unscharf machte. Technisch besser geht nicht.  
Aber auch interpretatorisch hatte sie spannende Ideen, die die Logik des Fortschreitens der Musik deutlich machten, spielte mit einer individuellen Agogik, die genau in die Zusammenhänge passte.  

Schön war, dass das Orchester dabei wunderbar mitmachte, dass es sich auf Julia Fischers Vorstellungen einließ, sie aber durchaus auch provozieren konnte. Und dass es trotz aller technischen Herausforderungen – das Konzert ist keineswegs so einfach, wie es manchmal klingt – nie seine Fähigkeiten für einen runden, weichen, bewusst gestalteten substanziellen Klang den virtuosen Anforderungen opfern musste. Ein großartiges Zusammenspiel.  

Und noch ein kurioses Ereignis: die Kadenz des dritten Satzes spielte Julia Fischer so intensiv, dass Iván Fischer, der gebannt lauschend neben ihr stand, fast vergessen hätte, dem Orchester seinen Einsatz zu geben. Als er es merkte, hatte er genau noch zwei Sekunden Zeit.  

Wechsel von der Klassik zur Romantik – ein Einschnitt

Als Zugabe gab es Paganinis 24. Caprice. Da blieben manche Münder offenstehen.  
Durch die Intensität wurde die 2. Sinfonie von Johannes Brahms in den Schatten gedrängt – natürlich zu Unrecht. Denn wer sich darauf einließ, konnte einmal erfahren und erleben, welchen Einschnitt der Wechsel von der Klassik zur Romantik bedeutete, dass es jetzt um Wirkungsmächtigkeit ging, und zwar nicht nur in der Dynamik, sondern auch in der Konstruktion.

Iván Fischer und seine Leute konnten deutlich machen, wie viel mehr Brahms aus verhältnismäßig schmalem Material machen konnte als, am Vorabend, sein Entdecker Robert Schumann. Dass das mit vollem Einsatz herausmusiziert war, machte den Abend endgültig zu einem Traumstart des 40. Festivals (gesungen wurde dieses Mal nicht mehr).

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