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Von wegen verstaubtes Hobby
Vier Teilnehmerinnen erzählen, was am Stricktreff begeistert
Stricktreff
Anamaria Gatu (links oben), Iris Scheit (daneben), die Freundinnen Tania Pacurar und Kristina Wirch (unten links) sowie Christa Büttner sind von Anfang an beim Stricktreff dabei. // Benedikt Borst (3), Kristina Wirch
Signet des Fränkischen Tags von Benedikt Borst
Bad Kissingen – Bei einer Strickgruppe im Mehrgenerationenhaus Bad Kissingen entstehen neue Freundschaften zwischen Jungen und Alt.

Stricken ist kein verstaubtes Hobby mehr, sondern ein Trend, für den sich auch junge Menschen begeistern. Seit Jahren treffen sich Menschen in Großstädten zum „World Wide Knit in Public Day“ und Strick-Influencer verbreiten auf Social Media moderne Designs. Weil es sich in Gesellschaft viel schöner stricken lässt, als allein zu Hause auf der Couch, hat sich im Mehrgenerationenhaus in Bad Kissingen Anfang des Jahres ein Stricktreff gegründet.

Den Stein ins Rollen gebracht hat Anamaria Gatu, 18 Jahre jung. Und warum? Weil sie gerade ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Einrichtung absolviert. Teil des FSJ ist es, ein Projekt umzusetzen. „Ich wollte das Stricken immer selbst lernen, weil ich Wert darauf lege, dass meine Kleidung nachhaltig ist, Secondhand oder selbstgemacht“, sagt sie.

Stricktreff
Anamaria Gatu hat den Stricktreff im Mehrgenerationenhaus ins Leben gerufen. Sie zeigt die Patchworkdecke der Gruppe, die zugunsten von Safe Lane, der Jugendsuchtberatung von Caritas und KiDro versteigert wurde. // Benedikt Borst

Die Idee stößt auf große Resonanz. Zu dem Stricktreff (montags um 17 Uhr) kommen in der Regel zwischen 15 und 20 Teilnehmer und Teilnehmerinnen – überwiegend Frauen, von der Schülerin bis zur Rentnerin. Gestrickt wird sowohl an eigenen Sachen, als auch an einem Gemeinschaftsprojekt: eine große Patchworkdecke, die zugunsten der Kissinger Jugendsuchtberatung Safe Lane versteigert wurde. „Wir haben eine tolle Gemeinschaft. Die Senioren helfen den Jungen mit ihrer Erfahrung, nicht nur beim Stricken, sondern auch bei anderen Sachen. Und die Jungen helfen zum Beispiel, wenn es um Smartphones geht“, sagt Gatu.

Vier Teilnehmerinnen erzählen ein halbes Jahr nach dem Start, was sie am Stricken und am Treff in Bad Kissingen begeistert.

Iris Scheit (71) aus Bad Kissingen: Stricken für sich und die Familie

Stricktreff
Iris Scheit aus Bad Kissingen versorgt normalerweise die Familie mit selbstgestrickten Mützen und Schals. // Benedikt Borst

„Ich bin schon lange eine große Strickerin. Stricken macht mir Spaß, ich finde es einfach ein schönes Hobby. Ich stricke eigentlich alles, Pullover, Schals, Mützen, für mich, für die Familie und die Enkelkinder. Zu dem Treff bin ich gekommen, weil es mich interessiert hat, in einer Gruppe zu stricken. Ich finde es toll, weil sich alle gegenseitig helfen.“

Tania Pacurar (15) und Kristina Wirch (17) aus Bad Kissingen: Begeisterung für selbstgestrickte Klamotten

Stricktreff
Die Schülerinnen und Freundinnen Tania Pacurar (links) und Kristina Wirch haben ihre ersten Strickversuche beim Stricktreff im Mehrgenerationenhaus gemacht. // Kristina Wirch

Kristina Wirch: „Ich bin von Anfang an bei der Gruppe dabei und habe sehr viel an der Patchworkdecke mit gestrickt. Tania und ich sind beide gut mit Ana befreundet, deshalb machen wir mit. Ich konnte vorher überhaupt nicht stricken, aber wollte es dann lernen. Ich finde es cool, wenn man etwas trägt, das man selbst gestrickt hat.“

Tania Pacurar: „Seine Klamotten selbst zu stricken, hat mir schon immer gefallen. Cardigans zum Beispiel, Schals und Mützen. Das wäre auch ein Projekt für den Sommer. In der Schule haben wir das einmal gemacht, aber ich musste es jetzt wieder lernen. In der Gruppe mit den Senioren hat es mir sehr gut gefallen. Wir verstehen uns und tauschen uns aus.“

Christa Büttner (76) aus Haard: Strickzeug ist immer dabei

Stricktreff
Christa Büttner hat Stricknadel und Wolle immer dabei, zum Beispiel um längere Wartepausen zu überbrücken. // Benedikt Borst

„Ich habe zufällig auf einer Veranstaltung Anamaria getroffen. Sie hat mich auf meine selbstgemachten Stulpen angesprochen und ich habe ihr dann etwas das Stricken beigebracht. So ging es mit dem Treff los. Ich stricke schon mein Leben lang und habe immer meine Stricksachen dabei. Wenn ich einmal länger warten muss, hole ich sie raus. Stricken ist gut für die Konzentration und macht Spaß. Zu Hause habe ich 30 Jahre alte Pullover, die ich immer noch anziehe. Es ist schön, etwas zu haben, das man selbst hergestellt hat. Die Gruppe funktioniert gut. Ich finde es schön, dass die Jungen das annehmen, was wir Älteren ihnen sagen.“

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