Wie von einer unsichtbaren Schnur gezogen läuft Ginger vom Hundeplatz herunter, die Nase tief am Boden, an der langen Leine hinterher Hundeführerin Rebecca Schmitt. Das Publikum verfolgt das Team mit den Blicken. Flott läuft die kleine rumänische Mischlingshündin voran, dann um die Ecke und schließlich dreht sie sich freudig wie ein Kreisel immer wieder um die eigene Achse. Sie hat die versteckte Person gefunden, deren Geruch sie sich kurz zuvor anhand eines Handtuchs eingeprägt hat.
Für das Mantrailing-Team der Schweinfurter Johanniter war das eine leichte Übung, für die Gäste des Gebrauchs- und Schutzhundevereins (GSV) Bad Kissingen eine von vielen Demonstrationen davon, was Hund und Mensch gemeinsam leisten können.
Seit 1951 ist der GSV Bad Kissingen Treffpunkt für Menschen und Hunde, die miteinander trainieren und lernen wollen.Nun hatte der Verein anlässlich seines 75-jährigen Bestehens eine Feier organisiert.Der Verein war als klassischer Schutzhundeverein gegründet worden. Aktuell gehört diese Sparte des Hundesports hier jedoch nicht mehr zum Programm. Angeboten werden etwa die klassische Begleithundeausbildung, Fährtensuche und Rally Obedience.
Neben der Ausrichtung hat sich auch der Standort geändert. Vom ersten Gelände am E-Werk zogen die Hundesportler in die Nähe des Sportplatzes der Anton-Kliegl-Schule und dann an den heutigen Standort im Heiligenfeld – erst in Pacht, inzwischen ist das Gelände Eigentum des Vereins.
Übungen vorgeführt
Den Anfang machten aus den Reihen des GSV Trainerin Ulrike Höhn und die zehnjährige Yana Linkin. Mit den Border Collies Winnie und Fox zeigten sie das Laufschema der Begleithundeprüfungen FCI-BH/VT und FCI-IBGH 1, die in einigen Sparten Voraussetzung für die Teilnahme an Turnieren ist.
Dabei wird ein Hund am Rand des Platzes abgelegt, während das andere Hund-Mensch-Team seine Fußarbeit unter anderem mit Tempowechseln, Sitz, Platz und dem Laufen durch eine Menschengruppe zeigt. „Früher ging es um Details, heute steht die Zusammenarbeit von Mensch und Hund im Vordergrund“, erklärte Steffen Schubert.
Eine junge Sportart
Dann stellten die Helfer des Vereins zwei Schilderparcours für die Einsteiger-Klasse Beginner und die höchste Klasse 3 im Rally Obedience auf. Auch bei dieser recht jungen Hundesportart geht es um Fußarbeit und die Grundkommandos, zusätzlich aber auch um weitere Übungen wie Slaloms und das Überwinden von Hindernissen – und natürlich um den Spaß am Bewältigen des Parcours.
Heike Schubert mit Malinois Miley und Ulrike Höhn mit ihrer Winnie zeigten, wie man die Schilder richtig abläuft.
Viele Hundesportler kamen nur zur Vorführung selbst, um ihre Tiere nicht den ganzen Tag der Hitze während der Veranstaltung auszusetzen. So auch die Hundestaffel der Johanniter Schweinfurt. Sie zeigten die Arbeit an Geräten wie Steg, Wippe und Tunnel und ließen die Flächenhunde auf dem mit kleinen Zelten gespickten Hundeplatz nach versteckten Kindern suchen.
Im Einsatz durchsuchen sie große Waldgebiete in kürzester Zeit nach Vermissten. Um dasselbe Suchgebiet, das ein einziger Flächenhund abdecken kann, mit einer Menschenkette abzusuchen, bräuchte es 50 Personen. Zum Abschluss erlebten die Zuschauer Rebecca Schmitt mit Ginger beim Mantrailing.
Nasenarbeit stand auch bei der Vorführung des PSV Würzburg-Waldbüttelbrunn im Vordergrund. Der Verein stellte mehrere Formen der Objektsuche vor, abgeleitet aus der Spürhundearbeit zum Beispiel beim Zoll. Die Vierbeiner zeigten in den Disziplinen Trümmerfeld, Flächen- und Behältersuche, wie gut ihre Nasen funktionieren. Gesucht wurden kleinste Gegenstände, wie ein kleines Paracord-Schnürchen. Dieser individuelle Gegenstand wurde im Trümmerfeld zwischen Koffern, Kisten, Pylonen und ähnlichem versteckt, bei der Flächensuche auf einer abgesteckten freien Fläche und bei der Behältersuche in mit kleinen Löchern versehenen Eimern. Hat der Hund seinen Gegenstand erschnüffelt, legt er sich davor ab. GSV-Vorsitzender Steffen Schubert beobachtete das Gezeigte interessiert. „Das habe ich heute zum ersten Mal live gesehen, da wäre ich gerne mal bei einem Seminar dabei.“
Mit großer Spannung wurde der Schutzdienst erwartet. Da beim GSV diese Sparte seit einiger Zeit nicht mehr angeboten wird, zeigten die Kynologen Schweinfurt mit dem GSSV Hammelburg zunächst den Aufbau der in Verruf geratenen Sportart mit einem jungen Malinois. Den Vereinen ist es wichtig, den Gebrauchshundesport gesellschaftstauglich zu gestalten.
Relikt aus Diensthundezeit
„Kontrolle ist alles“, hieß es, als kurze Zeit später der erfahrene Belgische Schäferhund Ex die Teile der Prüfungsstufe 3 vorführte und auf Kommando sofort den Beißarm des Helfers losließ. Gezeigt wurden das Revieren um aufgestellte Verstecke herum, Stellen und Verbellen, Fluchtvereitelung und Rückentransport, ein Relikt aus der Diensthundezeit. „Das ist eine Sportart, die dem Hund Spaß macht und seine Triebe befriedigt“, lautete das abschließende Fazit.
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