Er löst gleichzeitig den von ihm im Jahr 1987 gegründeten gemeinnützigen „Verein zur Förderung der Musikerziehung“ auf. Damit endet nach fast 40 Jahren ein wichtiges Kapitel Kissinger Musikgeschichte.
Im Pressegespräch erzählte er aus seinem Leben, von den Anfangsjahren der Musikwerkstatt, dem bald einsetzenden Konkurrenzkampf mit der städtischen Musikschule und dem vergeblichen Neustart nach der Pandemie.
Lehrer für musikalische Früherziehung
„Musik war mein Leben. Deshalb wollte ich unbedingt Musik studieren“, erzählt Werner Rieck aus seiner Jugendzeit in Glückstadt an der Elbe. Doch sein Vater war damals strikt gegen diese „brotlose Kunst“. Der Junge sollte Medizin studieren.
Für den notwendigen Numerus clausus reichten Werners Zeugnisnoten allerdings nicht aus. Erst durch die im Sanitätsbereich bei den Panzergrenadieren erreichten Pluspunkte reichte es für die Zulassung an der Uni Würzburg. Dort schaffte Rieck zwar sein Physikum, arbeitete aber lieber als Kleindarsteller am Mainfrankentheater.
Erst nach dem Tod seines Vaters begann er an der Würzburger Musikhochschule Klavier und Schlagzeug zu studieren. Zu jener Zeit begann dort in Zusammenarbeit mit der Hamburger Hochschule ein neuer Studiengang zum Lehrer für musikalische Früherziehung, den Werner Rieck erfolgreich abschloss.
1987 Gründung eines gemeinnützigen Vereins
Im Rahmen des ersten Kissinger Sommers (1986) hielt ein Professor der Hamburger Musikhochschule einen Vortrag über musikalische Früherziehung. Unter den Zuhörern war auch Rieck, der dem Auditorium durch seine fachspezifischen Fragen auffiel.
„Anschließend kamen Eltern zu mir und fragten, ob ich nicht Unterricht geben wolle.“ Damit war die Idee für Riecks künftigen Berufsweg geboren. „Damals gab es in Bad Kissingen keine musikalische Früherziehung.“
Am 18. Juni 1987 gründete er den gemeinnützigen „Verein zur Förderung der Musikerziehung“. Mitglieder wurden Förderer, Eltern und – dies war Voraussetzung – alle Schülerinnen und Schüler, die in Riecks Kissinger Musikwerkstatt Unterricht nehmen wollten.
Bis zu 250 Schülerinnen und Schüler
Zunächst fand Riecks musikalische Früherziehung in der Gaststätte „Eintracht“ in Reiterswiesen statt. „Doch dann kamen erste Anfragen nach Klavierunterricht. Damit nahm die Schülerzahl zu.“ Zwei Jahre später konnte die Kissinger Musikwerkstatt größere Räume im Autohaus Georgi in der Salinenstraße beziehen.
„Dort hatten wir gute Jahre“, erinnert sich auch Ehefrau Helga. „Wir hatten bis zu 250 Schülerinnen und Schüler jeden Alters. Morgens kamen die Hausfrauen, nachmittags die Schulkinder und abends die Berufstätigen.“ Fast alle Ärzte und Apotheker hätten bei ihnen ein Instrument gelernt, erzählt Helga Rieck.
Bis zu elf Lehrkräfte gaben in der Musikwerkstatt Unterricht in Klavier, Schlagzeug, Gitarre, Geige, Flöte, Cello und Gesang. Zusätzlich gab Helga Rieck als ausgebildete Rhythmiklehrerin ein paar Jahre lang Unterricht in rhythmischer Gymnastik.
Stadt legt Steine in den Weg
Nachdem die Stadt das Autohaus Georgi an der Salinenstraße übernommen hatte und abreißen wollte, bekam die Musikwerkstatt im Jahr 1995 von der Stadt Ersatzräume im Haus an der Steinstraße (Ecke Nordring). Doch unerwartet war es gerade die Stadt in Person von Oberbürgermeister Christian Zoll, die Rieck und seiner Musikwerkstatt ständig Steine in den Weg legte.
„Zoll wollte eine städtische Musikschule gründen und hatte große Pläne, weshalb ihn meine Musikschule störte“, erinnert sich Rieck nur ungern an diese Zeit. Zoll ging sogar so weit, Rieck dessen Lehrerlaubnis für Musikunterricht abzusprechen.
Konkurrenzkampf und die Pandemie
Nach Gründung der städtischen Musikschule im Jahr 1997 offenbarte sich der Konkurrenzkampf beider Schulen bald in der Statistik: Die Zahl der Werkstatt-Schülerinnen und -schüler halbierte sich auf 120, die Zahl der Lehrer sank auf acht. Auf diesem Niveau blieb der Lehrbetrieb zwar in den Folgejahren, doch dann kam die Pandemie.
Der Unterricht musste ausfallen, die Lehrkräfte der Musikwerkstatt suchten sich andere Betätigungsfelder. Nach zwei Jahren musste Werner Rieck ganz allein auf sich gestellt wieder von vorn beginnen. Doch der erhoffte Erfolg blieb aus. Am Ende waren es nur noch fünf Musikschüler, weshalb sich der Weiterbetrieb der Musikwerkstatt nicht lohnte.
Hinzu kam das fortgeschrittene Alter des heute 80-jährigen Werkstattleiters und Vereinsvorsitzenden. „Wir haben deshalb entschieden, die Werkstatt zu schließen und den Verein aufzulösen.“
Verkauf des Inventars
Momentan sind Helga und Werner Rieck mit dem Verkauf des umfangreichen Inventars beschäftigt. Zum Verkauf stehen unter anderem ein Flügel, zwei Klaviere, Keyboards, zwei Schlagzeug-Sets, Schlitztrommeln, eine Trompete, zwei Gitarren und jede Menge Orff-Instrumente sowie Notenmaterial und Fachzeitschriften.
Außerdem steht eine Vielzahl von Tischen, Biertischen, Stühlen und Geschirr zum Verkauf ebenso wie vielfältige Bühnentechnik, „wofür sich Vereine oder Amateurbands interessieren könnten“ (Rieck).
Kontakt für Kaufinteressenten: Werner Rieck, Telefon: 0971/669 94.













