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Wirtschaft
Bad Kissingen: Fokus auf Büros und Labore
In Verlängerung der Kasernenstraße am Einkaufszentrum vorbei soll das künftige Gewerbegebiet in Bad Kissingen entstehen.
In Verlängerung der Kasernenstraße am Einkaufszentrum vorbei soll das künftige Gewerbegebiet in Bad Kissingen entstehen. // Wolfgang Dünnebier
Bad Kissingen – Das geplante Gewerbegebiet Kaserne Nord soll ein großer Wurf für die Ansiedlung von Betrieben werden. Doch über die Ausrichtung gibt es Diskussionen.

Noch ist das Gewerbe- und Wohngebiet Bad Kissingen Kaserne Nord Zukunftsmusik. Oberbürgermeister Dirk Vogel geht für den Gewerbebereich von einem „mittelfristigen Projekt“ aus und damit von einer Verwirklichung in frühestens drei bis fünf Jahren.

Aus Rücksicht auf seltene Tierarten ist die Ausdehnung der Gewerbeflächen von zunächst erhofften 7,5 Hektar auf nun 3,6 Hektar geschrumpft. Nun beschäftigte sich der Stadtrat mit dem städtebaulichen Entwurf, der eine mögliche Bebauung auf dem ehemaligen Kasernengelände definiert. Sobald die Stadt über die Flächen samt der erforderlichen Ausgleichsflächen verfügt, soll mit der Bauleitplanung begonnen werden.

Vier bis fünf Geschosse

Jonas Wiengarn vom Planungsbüro „scheuvens + wachten“ (Dortmund) präsentierte Ansichten seines städtebaulichen Konzepts. Demnach könnten auf dem Gelände nach und nach großzügige Baukörper mit einer Gebäudetiefe um die 20 Meter und überwiegend vier bis fünf Geschossen entstehen.

Dadurch werde eine optimale Flächenausnutzung in gehobener Bauausführung möglich. Das noch variable Konzept sehe Baugrundstücke von insgesamt 36.000 Quadratmetern und einer Bruttogeschossfläche von 75.000 Quadratmetern vor. Stellplätze sollen in Tiefgaragen unterkommen.

 // Grafik: Quelle Planungsbüro scheuvens+ wachten.

Attraktive Außenbereiche

Gedacht ist bei der Ansiedlung an Betriebe in den Bereichen Labore und Verwaltung. Die Anordnung der Baukörper ermöglicht attraktive Außenbereiche mit Cafeterien und Bereichen für Homeworking. Erschlossen werden soll das Gelände über die Kasernenstraße. Außerdem soll es einen Fußweg in das in der Nachbarschaft geplante Wohngebiet geben. Der städtebauliche Entwurf dafür war bereits im Juni 2022 vorgestellt worden.

„Das Ganze birgt noch gewisse Risiken“, sagte Bauamtsleiterin Christine Schwind und meinte damit mögliche Altlasten auf dem ehemaligen Kasernengelände sowie die Kostenexplosion im Baugewerbe. Auch verfüge die Stadt noch nicht über alle erforderlichen Grundstücke und insbesondere nicht alle Ausgleichsflächen. Alleine drei Jahre werde es brauchen, um im Rahmen des Artenschutzes Zauneidechsen und Haselmäuse zu vergrämen.

Noch einiges offen

Dennoch solle man nun den Rahmenplan beschließen, „um weiterzukommen“, riet Schwind. Unklar sind folglich auch noch die zu erwartenden Grundstückpreise. Auch wer Interesse an dem Gelände habe, ließ Oberbürgermeister Vogel offen.

Allen voran hinterfragte der Zweite Bürgermeister Anton Schick (DBK), dass produzierendes Gewerbe auch wegen der Dichte der Bebauung nicht zulässig sein wird. Für die kommenden fünf bis acht Jahre werde die Stadt Handwerksbetrieben mit Ausbildungsplätzen keine Flächen anbieten können, fürchtet Schick. Und: „Die ganzen Fußfesseln mit Natur- und Artenschutz werden uns im Wettlauf um Investoren sehr weh tun“, kritisiert er.

Vorwurf: zu zaghaft

OB Vogel wandte sich gegen den Vorwurf von Andreas Kaiser (Freie Wähler), dass die Stadtverwaltung die Erschließung zu zaghaft angehe. Seit 2020 arbeite man an dem Projekt. Für die bisherigen Verzögerungen könne man nichts.

Auch verteidigte Vogel die Ausrichtung des Gewerbegebiets. Er plädierte dafür, Büroflächen vorzuhalten und überregional zu bewerben. „Wir brauchen fünf bis sechs Player“, sieht er gute Chancen, zumal er Signale aus Ballungsräumen wie Erlangen kenne, dass dort die Gewerbeflächen ausgingen. Für kleinere Handwerksbetriebe werde man nach Randflächen Ausschau halten.

Steffen Hörtler (CSU) bedauerte, dass das Gewerbegebiet Bad Kissingen Nord viel kleiner ausfalle, als anfänglich vorgestellt. Zudem berge das alleinige Setzen auf Büros und Labore Risiken.

„Was ist schon sicher im Leben?“, hielt der Oberbürgermeister dagegen. Die Stadt müsse die angepeilten Flächen vorhalten, um schnell zu reagieren. So sei es ein „historischer Fehler“ gewesen, dass man L&S nichts habe anbieten können. „Ihr Mut gefällt mir“, bescheinigte Hörtler dem OB schließlich.

Reicht die Kasernenstraße als Zufahrt?

Schwind erinnerte an das städtische Gewerbeentwicklungskonzept 2019, das auch von Flächenbedarf für Büros und Unternehmen in der Gesundheitsbranche ausgehe. Einstimmig stimmt der Stadtrat für das städtebauliche Entwicklungskonzept. Nicht aber, ohne bereits jetzt die Frage zu stellen, ob für die 1500 Arbeits- und 1500 Autostellplätze die Kasernenstraße als Zufahrt ausreiche, zumal diese verstärkt als Schulweg diene.

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