Über Jahrzehnte hinweg war die Kirchenverwaltung in Reiterswiesen Trägerin des örtlichen Kindergartens. Doch bereits vor rund anderthalb Jahren zeichnete sich ab, dass diese Aufgabe für die verbliebenen Ehrenamtlichen nicht mehr tragbar war.
Auf der Suche nach einer Lösung fand die Kirchengemeinde schließlich im Caritasverband Bad Kissingen einen erfahrenen Partner, der die Betriebsträgerschaft für den Kindergarten St. Laurentius übernehmen konnte.
Caritas übernimmt
„Für Ehrenamtliche ist diese Aufgabe einfach nicht mehr leistbar“, erklärt Diakon Christoph Glaser. Die Situation verschärfte sich zudem durch den Verlust zweier langjähriger Mitglieder der Kirchenverwaltung, sodass nur noch Glaser und ein weiterer Ehrenamtlicher verblieben.
Bei der Kirchenverwaltungswahl Ende November 2024 stellte sich niemand mehr zur Verfügung, sodass Reiterswiesen künftig über die Pfarrei Herz Jesu in Bad Kissingen mitverwaltet werden muss. Dies betrifft sowohl das Kindergartengebäude als auch die Kirche und das Pfarrheim.
Das Eigentum an den Gebäuden bleibt weiterhin bei der Kirchenstiftung, jedoch wurde nun die Betriebsträgerschaft des Kindergartens an die Caritas übergeben. „Ich bin sehr froh, dass wir diesen Schritt gehen können“, betont Glaser
Eltern frühzeitig informiert
Die Eltern und Mitarbeitenden beider Kindergärten wurden bereits im Frühjahr über die Pläne informiert. „Durch die Übernahme durch die Caritas ändert sich für Eltern und Personal nichts“, ergänzt Glaser. Ein Betriebsübergangsvertrag zwischen der Kirchenstiftung und der Caritas regelt die Details dieser Übergabe.
Eine ähnliche Lösung wurde auch für den Kindergarten in Arnshausen gefunden, da dort die Kirchenverwaltung nur noch mit einer reduzierten Mitgliederzahl arbeitet. Zudem stehen im Kindergarten Arnshausen einige Sanierungen an, wie etwa der Austausch der Fenster, was nach 40 Jahren notwendig werde.
Im Gegensatz dazu wurde der Kindergarten in Reiterswiesen in den Jahren 2014 und 2015 generalsaniert.
Seelsorge bleibt bei der Kirche
Wichtig ist Glaser jedoch, dass die katholische Kirche und er als Diakon auch künftig als Seelsorger für die Kindergärten zuständig bleiben – sei es für Andachten, Gottesdienste oder religiöse Arbeit. „Nur die Verwaltungsarbeit geben wir ab“, unterstreicht Glaser.
Stadt übernimmt das Defizit
Die Stadt Bad Kissingen erklärt sich bereit, auch künftig das Betriebskostendefizit zu übernehmen. Hierfür musste eigens ein Vertrag zwischen der Stadt und dem Caritasverband geschlossen werden. „Es ist wichtig, dass der Kindergarten in Reiterswiesen erhalten bleibt“, betont Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD).
Die Einrichtung mit zwei Kindergartengruppen und einer Krippengruppe sei ein fester Bestandteil des Betreuungskonzepts der Stadt. Vogel bezeichnet es als „wichtigen Schritt“, dass die Kirchenverwaltung rechtzeitig die Weichen für die Übergabe der Betriebsträgerschaft an die Caritas gestellt habe.
Lobend hebt der Oberbürgermeister das Zusammenspiel zwischen der Kirchenstiftung, der Caritas und der Stadt hervor. „Es ist schön, wenn alle an einem Strang ziehen und tragbare Lösungen finden.“
Dass sich die Kirchenstiftungen mit ihren Kirchenverwaltungen nicht mehr in der Lage sehen, die Kindergärten eigenverantwortlich zu betreiben, spiegle die gesellschaftliche Veränderung wider, dass immer weniger Menschen bereit sind, Ehrenämter zu übernehmen. In diesem Kontext erscheine der Wechsel der Verantwortlichkeiten nachvollziehbar. „In der neuen Konstellation wird es gut weitergehen“, ist der Oberbürgermeister überzeugt.
Caritas bringt Erfahrung mit
David Hettiger, Vorstand des Caritasverbandes Bad Kissingen, betont, dass es der Satzung des Caritasverbandes entspreche, auch Kindergärten zu übernehmen. Neben Reiterswiesen und Arnshausen sei beispielsweise Aura in diesem Jahr bereits dazugekommen. „Wir bringen die notwendige Erfahrung und den Verwaltungsapparat mit“, erklärt Hettiger.
Auch in pädagogischer Hinsicht könne der Caritasverband die Leitungen der Kindergärten vor Ort unterstützen. „Das machen wir gerne.“ Hettiger bezeichnet die Lösung als fair und praktikabel und dankt der Stadt für die Bereitschaft, das Betriebskostendefizit zu tragen. Dies gebe dem Caritasverband Planungssicherheit.













