Rechtsanwalt André Kiesel tritt bei der kommenden Wahl 2026 in Bad Kissingen als Oberbürgermeisterkandidat der CSU gegen Amtsinhaber Dirk Vogel (SPD) an. Am Dienstagabend hat ihn die Stadtversammlung der vier CSU-Ortsverbände nahezu einstimmig als Kandidaten nominiert.
96,7 Prozent aller Stimmen für Kiesel als Kandidat
61 Wahlberechtigte waren im Hotel Rhönkitz anwesend, 60 Stimmen wurden abgegeben, wobei zwei ungültig waren. 58 davon entfielen auf Kiesel als einzigen Bewerber: Das sind 96,7 Prozent aller abgegebenen Stimmen. „Ich freue mich auf die nächsten Monate. Das ist ein deutliches Zeichen nach außen“, sagte der 48-Jährige danach.
Das Interesse an der Nominierungsversammlung war groß: Rund 90 Parteimitglieder, deren Angehörige sowie Stadträte anderer Fraktionen und Bürger waren gekommen. Die Union stimmte sich auf den bevorstehenden Wahlkampf ein. „Die SPD stellt den Bürgermeister. Das ist nett, aber wir finden: Es geht auch besser“, stichelte Steffen Hörtler, Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und Chef der Kernstadt-CSU, in Richtung Vogel.
Der Partei sei es wichtig, einen eigenen OB-Kandidaten zu haben. „Wir wollen mit unserem Kandidaten Verantwortung übernehmen und unserer Stadt eine starke Alternative bieten“, betonte er. Eine Demokratie lebe vom politischen Wettbewerb.
Kiesel lebt mit seiner Familie in Nüdlingen, ist seit mehr als 20 Jahren Mitglied in der CSU und hat 2005 nach dem erfolgreichen Staatsexamen eine eigene Kanzlei in Bad Kissingen eröffnet, die er seitdem betreibt. Er stellte sich kurz vor, betonte seine Verbundenheit zu Bad Kissingen und seine Motivation für die Kandidatur. Anfangs sichtlich nervös, trat er zunehmend sicherer, wenn auch sehr sachlich und wenig emotional auf.
„In meinem Leben hat bisher alles funktioniert. Ich hatte Glück und will etwas zurückgeben. Ich habe Mut bewiesen, als ich meine Kanzlei aufgemacht habe und diesen Mut braucht es, Probleme in der Stadt anzupacken“, sagte er.
35 Jahre kein CSU-Oberbürgermeister in Bad Kissingen
Die CSU hat zum letzten Mal vor 35 Jahren mit Georg Straus (1984 bis 1990) einen Oberbürgermeister aus den eigenen Reihen in Bad Kissingen gestellt. Zudem habe die Unions-Fraktion im Stadtrat im Lauf der Jahre kontinuierlich Sitze verloren. „Das müssen wir ändern. Ich will auch, dass die Fraktion wieder stärker wird“, meinte Kiesel kämpferisch. Aufgabe für ihn sei es ab sofort, öffentlich in Erscheinung zu treten und die Bürgerinnen und Bürger kennenzulernen. Inhaltlich müsse die Stadt-CSU Themen identifizieren, „die uns wichtig sind, und mit denen wir uns von den anderen abheben.“
Themen für den anstehenden Wahlkampf
Kiesel nannte bereits einige Themen für den Wahlkampf: Von der Gleichbehandlung aller Ortsteile, über Lösungen für sanierungsbedürftige städtische Immobilien wie Tattersall und Ratskeller, bis zur Altstadtsanierung, der Gestaltung des Bahnhofs, Investitionen in die Straßen, dem Bau eines Glasfasernetzes bis zum neuen Hallenbad und dem Verschlanken der Verwaltung.
„Ich habe nicht den Eindruck, dass Vogel in der ganzen Stadt unumstritten ist“, sagte Kiesel mit Blick auf die jüngste Bürgerversammlung in Albertshausen. Einige Bürger monierten, die Stadtteile würden vernachlässigt, außerdem befürchteten sie Auswirkungen eines Gewerbegebiets, das südlich von Albertshausen entstehen könnte.
Erster Gegenkandidat für OB Dirk Vogel
Kiesel ist bislang der erste Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl 2026, der offiziell nominiert wurde. Oberbürgermeister Vogel hatte bereits angekündigt, erneut kandidieren zu wollen, die Nominierung durch die SPD steht allerdings noch aus. Andere Parteien haben bislang noch keine Kandidaten vorgestellt.












