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Bundestagswahl 2021
Lippold Eggen: Lieber Höcke als Meuthen
Die Kandidatin der AfD, Freia Lippold-Eggen,im Bad Kissinger Kurgarten.
Die Kandidatin der AfD, Freia Lippold-Eggen,im Bad Kissinger Kurgarten. // Susanne Will
Bad Kissingen – Die Bad Kissingerin Freia Lippold-Eggen (AfD) steht ihrer Partei auch kritisch gegenüber. Welche Flüchtlinge sie aufnehmen würde, lesen Sie hier.

„Deutschland. Aber normal.“ – mit dem Wahlkampfslogan ihrer Partei, der AfD, kann Freia Lippold-Eggen nichts anfangen. Sie winkt ab. „Was heißt denn schon ,normal’? Und wer bestimmt das denn?“ Auch andere Antworten lassen darauf schließen, dass mit dieser Kandidatin eine Frau in den Bundestag einziehen möchte, die ihrer Partei nicht unkritisch gegenübersteht.

„Aber ich glaube nicht, dass ich es schaffen werde, in den Bundestag einzuziehen“, konstatiert sie ehrlich. Dennoch engagiere sie sich, „weil ich mich den Wählern verpflichtet fühle, die uns in Bayern knapp 11 Prozent bei der Landtagswahl beschert haben“.

Mitglied in Stadt- und Kreisrat

66 Jahre alt ist die schlanke, sportliche Frau, mit ihrem Mann Peter Eggen sitzt sie im Bad Kissinger Stadtrat und im Kreisrat für die AfD. „Anfangs waren die Kollegen freundlich, skeptisch, zurückhalten, mittlerweile arbeiten wir bis auf wenige Ausnahmen gut zusammen“, so beschreibt sie die Situation für sich im Stadtrat als Mitglied einer umstrittenen Partei.

Eine Partei, die sie differenziert sieht. Stichwort Klimawandel: Während die Spitze der AfD entgegen aller Wissenschaftler behauptet, der Klimawandel sei nicht menschengemacht, spricht sie davon, dass sich das Klima „seit der Industrialisierung stark verändert hat“.

Stichwort Flüchtlingspolitik: Aus ihrer Haltung zum Klimawandel ist für Freia Lippold-Eggen offensichtlich, dass es in Zukunft mehr Klimaflüchtlinge geben wird: „Sollen wir die verdursten, verhungern, ersaufen lassen? Es wird Landstriche geben, auf denen nichts mehr wachsen wird – da muss das Weltforum eine Lösung finden.“

Pro Grenzkontrollen

Für sie habe jeder das Recht, dort leben zu können, wo er möchte, „jeder, der sich gesellschaftskonform verhält – allerdings muss es sozialverträglich für die Einwohner des Landes sein.“ An der Wiedereinrichtung von Landesgrenzen hält sie fest: „Ich muss doch wissen, wer ins Land kommt – allein schon wegen Corona.“

„Ich teile einige Ansätze des AfD-Parteiprogramms wie eine reglementierte Einwanderung. Aber dass Innenminister Horst Seehofer jetzt einen Abschiebestopp nach Afghanistan verfügt hat, ist ein Akt der Menschlichkeit. Ebenso können wir die Afghanen, die unser Heer beim Einsatz dort unterstützt haben, nicht alleine lassen – diese Menschen sind verbrannt, die Taliban hat sie im Visier – da sind wir verantwortlich.“ (Das Portrait wurde am 11. August erstellt, red.)

Dass ihr Parteikollege Björn Höcke – zentrale Figur des als rechtsextremistisch eingestuften „Flügels“ der AfD – öffentlich als Rechtsextremist bezeichnet werden darf, heißt sie nicht gut: „Ich habe ihn so nie erlebt.“ Er liebe sein Land „und will nicht, dass es sich verändert – das ist jedermanns Recht. Das heißt aber nicht, dass ich persönlich mich nicht öffnen kann.“ Vor die Wahl gestellt, würde sie sich für Höcke und nicht für den als gemäßigt geltenden Parteivorsitzenden Jörg Meuthen aussprechen.

Kritik an Beatrix von Storch

Trotz ihres Bekenntnisses für Höcke, der bei Corona-Demos mit Mitgliedern von Neo-Nazi-Parteien wie der NPD oder dem „Dritten Weg“ auftritt, sieht sie die Außendarstellung ihrer Partei oft kritisch. Frage: Schämen Sie sich manchmal, wenn Sie Ihre Spitzenkandidatin Alice Weidel oder die Vize-Bundessprecherin Beatrix von Storch im Bundestag beobachten? „Bei Frau Weidel nicht, bei Frau von Storch ja. Aber es gibt andere, die sehr gut vorbereitet zur Sitzung kommen und einen guten, ehrlichen Ton pflegen.“

Raus aus der EU

Im 270 Seiten umfassenden Parteiprogramm ist auch zu lesen, dass die AfD raus aus der EU möchte. Wie soll das funktionieren? Sie zuckt mit den Schultern, „in England hat es auch geklappt“. Die AfD will rund 150 Milliarden Steuern einsparen – wie finanziert sich dann der Staat? Lippold-Eggen: „Unnötige Subventionen müssen dafür wegfallen“, allerdings, räumt sie ein, kenne sie das Programm nicht so gut, als dass sie hier adäquat antworten könne.

Auch in Bad Kissingen war Freia Lippold-Eggen Gast bei Querdenker-Demonstrationen. „Ich war auch in Berlin und Leipzig“, allerdings als „Beobachterin“, wie sie sagt. Sie fühle sich als Bürgerin nach zwei Lockdowns, Maskenaffaire und „unlogischen Maßnahmen wie die Schließung der Gastronomie und der Friseure trotz Hygienekonzept verunsichert“. „Der schwedische Weg hätte mir gefallen, der auf Freiwilligkeit und Rücksichtnahme ausgerichtet ist.“

Für was sie sich einsetzen würde: eine sichere und ausreichende Rente „für die, die 45 Jahre eingezahlt haben – es kann nicht sein, dass es Menschen gibt, die von der Rente nicht leben können“, daneben für Bildungspolitik und mehr Lehrer, für mehr Polizisten. „Und ich glaube“, fügt sie an, „wenn die AfD die Kurve kriegt, können wir in der Opposition gut auf andere Parteien einwirken.“

Der FT fragt: Freia Lippold-Eggen

 

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