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Wohnungslosigkeit in Kissingen
Eine Adresse für Jugendliche ohne zu Hause
Laura Kramer ist Streetworkerin und arbeitet in der Beratungsstelle SafeLane. Diese entstand im Juli 2024 in Kooperation zwischen der KIDRO und dem Caritasverband. // Jürgen Wittrin
Bad Kissingen – Ein Sofa bei Freunden oder die Notfallstelle - das sind mitunter die Optionen vieler wohnungsloser Jugendlichen. Bad Kissingens Streetworker geben alles, um den jungen Menschen Perspektiven zu geben.

Wohnungslosigkeit ist ein weitverbreitetes Problem in Deutschland – auch unter Jugendlichen. Damit einher gehen oft Suchtprobleme. Der Landkreis Bad Kissingen bildet dabei keine Ausnahme. Trotz der Dunkelziffer halten sich die Zahlen jedoch in Grenzen.

Laura Kramer ist Streetworkerin bei dem in Bad Kissingen ansässigen Projekt Safe Lane. Die kostenfreie Sucht- und Drogenberatung richtet sich an Jugendliche im Alter von zwölf bis 18 Jahren aus dem gesamten Landkreis. Das Angebot entstand im Juli 2024 aus einer Kooperation zwischen dem Verein Kidro und der Caritas.

Sucht- und Drogenberatung für Jugendliche

„Vor Jahren ist aufgefallen, dass junge Konsumenten immer früher anfangen“, sagt Laura Kramer. Aus diesem Grund sei Safe Lane ins Leben gerufen worden. Das Projekt zeichnet sich auch dadurch aus, dass die Streetworkerinnen auf die Jugendlichen zugehen – ein Grund, warum sie an Schulen im Landkreis unterwegs sind.

Insgesamt arbeiten bei Safe Lane zwei Sozialarbeiterinnen. Während Kramer bei Kidro angegliedert ist, findet man ihre Kollegin Vanessa Bartzsch bei der Caritas. Kramer:„Der Landkreis investiert einiges in Soziales. Zwei Vollzeitstellen sind schon viel. Andere Landkreise haben nur eine halbe Stelle.“

Der gemeinnützige Verein Kidro engagiert sich in Bad Kissingen für Bedürftige.
Der gemeinnützige Verein Kidro engagiert sich in Bad Kissingen für Bedürftige. // Simon Snaschel

Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Kissingen, dem Landratsamt und dem Jugendamt liefe sehr gut. „Der Leiter vom Jugendamt, Manfred Kutz, engagiert sich stark. Generell ist das Jugendamt immer erreichbar – das gilt auch für jeden anderen Kooperationspartner”, sagt Kramer.

Momentan betreut sie fünf wohnungslose Jugendliche. Die Zahlen schwanken jedoch durch die sich verändernden Lebensverhältnisse der Betroffenen. So kommen zwar viele aus dem Landkreis, manche sind aber auch immer wieder in anderen Teilen Deutschlands unterwegs.

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Streetworkerin: Menschen haben eigene Geschichte 

Als Streetworkerin trifft Laura Kramer auf viele Menschen – jeder mit seiner eigenen Geschichte. Das müsse man immer berücksichtigen, sagt sie. Sucht ist nur ein Problem. Auch häusliche Gewalt oder psychische Probleme sind mitverantwortlich dafür, dass Jugendliche in die Wohnungslosigkeit abgleiten.

So gäbe es beispielsweise Jugendliche, die anfangs gar nicht süchtig seien – sondern die Eltern. Es kommt vor, dass die Betroffenen die Betreuung der Geschwister oder gar der Eltern übernehmen. Das kann bis zu dem Punkt gehen, an dem die Jugendlichen es nicht mehr zu Hause aushalten.

Das Umfeld und auch Institutionen wie Schulen bekommen all das oft nicht mit. „Lange fällt nichts auf, weil die Jugendlichen weiter funktionieren. Es gibt welche, die beispielsweise weiterhin ganz normal in die Schule gehen und sich nichts anmerken lassen. In solchen Fällen wissen wir nur, was die Person nicht versteckt”, sagt Laura Kramer.

Die Streetworkerin versucht deswegen in den Schulen, den ersten Kontakt herzustellen und zu signalisieren, dass die Jugendlichen nicht auf sich allein gestellt sind. 

Unterbringungsmöglichkeiten

Theoretisch haben Jugendliche bis zum 18. Geburtstag die Möglichkeit, beim Jugendamt vorstellig zu werden und in einer Wohngruppe unterzukommen. Nach der Erfahrung der Streetworkerin wird diese Option allerdings nur selten wahrgenommen.

Die am häufigsten genutzten Schlafmöglichkeiten: Couchhopping bei Freunden, die Familie von Partnern oder die Notfallstelle in der Kidro. Letztere wurde vor drei bis vier Jahren für wohnungslose Menschen ins Leben gerufen und war ursprünglich nur für die Überbrückung im Winter gedacht. Mittlerweile ist sie mit vier Schlafplätzen jedoch fester Bestandteil des ganzjährigen Angebots. Seit August 2025 werden die Betten nur von Jugendlichen genutzt, denen die Kidro ein Vorrecht vor Erwachsenen gewährt. 

Bis vor ein paar Jahren mietete die Kidro Wohnungen, die sie dann an wohnungslose Menschen untervermietet hat. Damals trug der Verein immer Sorge für die pünktliche Zahlung der Miete, da dem Vermieter kein finanzieller Schaden entstehen sollte. Irgendwann wurde das Mietverhältnis jedoch aufgelöst.

Seitdem sucht der Verein nach neuen Wohnungen. Für Laura Kramer wären in der momentanen Situation zwei Wohnungen mit guter Anbindung an Bad Kissingen optimal. „Menschen, die mit 18 aus der Wohngruppe ausziehen müssen, könnten dann vorerst dort unterkommen“, sagt sie.

Gemeinsame Zeit

Von ihren jugendlichen Schützlingen weiß die Streetworkerin: Sie brauchen Zuneigung. „Wenn die Eltern das nicht leisten können, dann wird die Nähe woanders gesucht. Oder es wird gar nichts mehr an sich herangelassen. Aber alle sind unglaublich tolle Menschen und hilfsbereit.“ 

Oft ist das negative Selbstbild der Jugendlichen ein Problem, sagt Laura Kramer. Deswegen sei es für die Betroffenen wichtig, sich vor allem ihrer positiven Seiten bewusst zu werden. Ein Werkzeug dahin sieht Kramer in Hobbys – manchmal würden sich daraus sogar echte Leidenschaften entwickeln.

Momentan plant die Streetworkerin eine Bastelgruppe, denn: „Es ist schön, wie wertvoll etwas gemeinsame Zeit sein kann.“ Gruppenerfahrungen könnten ein positives Gegengewicht zu den vielen negativen Ereignissen im Leben der Jugendlichen sein.

Für Menschen, die sich fragen, wie sie helfen können, hat Laura Kramer einen einfachen, aber wichtigen Hinweis: „Nicht wegschauen, wenn man merkt, dass etwas nicht stimmt. Das Gefühl, gesehen zu werden, hilft schon.“ Menschen sollten aber keine Jugendlichen bei sich selbst aufnehmen, ergänzt sie. Das könne schnell überfordernd werden. Stattdessen sollen sie sich an die entsprechenden Hilfsstellen wie Safe Lane, Kidro oder Caritas wenden. Auch Lehrkräfte könnten hier eine vermittelnde Rolle einnehmen, sollte ihnen etwas auffallen. 

Hilfe und Kontaktdaten

SafeLane

Die Jugenddrogenberatung von Laura Kramer befindet sich in den Räumlichkeiten der KIDRO, Maxstraße 40, Bad Kissingen. Sie ist außerdem wie folgt zu erreichen:

Festnetznummer: 0971/6993805
Mobilfunknummer: 0171/7467500
E-Mail: laura.kramer@kidro.de

Die Jugendsuchtberatung von Vanessa Bartzsch ist beim Caritasverband, Hartmannstraße 2A, Bad Kissingen. Sie ist wie folgt zu erreichen:

Festnetznummer für Kinder und Jugendliche: 0971/72469203
Festnetznummer für Bezugspersonen und Fachkräfte: 0971/72469200
E-Mail: v.bartzsch@caritas-kissingen.de

Weitere Informationen zu Safe Lane gibt es auf safelane-kg.de und auf Instagram: safelane_kg.

Jugendamt

Das Jugendamt befindet sich im Landratsamt, Obere Marktstraße 6,97688 Bad Kissingen und ist per E-Mail jugendamt@kg.de zu erreichen. Eingehende Nachrichten werden so schnell wie möglich an die zuständigen Mitarbeiter weitergeleitet.

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