Eine wunderbar unterhaltsame Mischung aus Kabarett und Chanson-Soirée erlebten die begeisterten Gäste im Staatlichen Kurtheater mit der mehrfach ausgezeichneten Künstlerin Tina Teubner. Ihre poetisch-melancholische Kleinkunst mit humoristischem Tiefgang präsentierte sie zusammen mit ihrem kongenialen Partner Ben Süverkrüp am Piano, wobei sie den selbstgemachten Untiefen des Lebens immer die positiven Seiten des Menschseins gegenüberstellte. „Alles was nach der Geburt kommt, ist eine Zugabe des Lebens“, so ihre Botschaft.
Mit Tina Teubner hatte der Kissinger Kabarettherbst die Trägerin des „Bayrischen Kabarettpreises 2026“ zu Gast, der ihr im November in der Kategorie Musik verliehen wird – Begründung: „Singend und sprechend seziert sie unsere Gesellschaft – mit ungeheurem Wortwitz, manchmal melancholisch, doch nie ohne Hoffnung.“ Eine Wertung, die sich auf rund drei Jahrzehnte Bühnenpräsenz ebenso beziehen lässt wie auf ihr aktuelles Programm „Ohne dich war es immer so schön“.
Gemütlich und kurzweilig
Dass diese Auszeichnung zu Recht die bereits erhaltenen ergänzt, erlebten die rund 300 Gäste im Kurtheater, das durch Teubner und Süverkrüp mit einer „Wohnzimmer-Atmosphäre“ verzauberte. Gemütlich und behaglich war dieser kurzweilige Abend aber nur an der Oberfläche – und zwar immer dann, wenn Teubner im Plauderton von den Untiefen einer Zweisamkeit erzählte und Süverkrüp mal mit feinem Klavierspiel Gesagtes untermalte oder mit flapsigen Äußerungen ergänzte. Der Widerspruch kam prompt und so entwickelten sich gegenseitige Sticheleien, die den Alltag des überwiegend älteren, im Beziehungsstress gestählten Publikums bildhaft widerspiegelten.
Sockenfarbe ausdiskutiert
Dieses perfekt abgestimmte Spiel der Zweisamkeit auf der Bühne überträgt das Duo auch auf ihr Publikum, wenn es um die Kinder als Projektionsfläche der Eltern geht und selbst die Sockenfarbe basisdemokratisch ausdiskutiert wird oder familiärer Stress bei der kinder-typischen Trennkost entsteht, „weil die Nudeln das Gemüse berührt haben“.
Natürlich darf die Schule als verantwortliche Institution für die Misserfolge des Nachwuchses nicht fehlen, denn der Zappel-Philipp von einst ist der Intellektuelle von heute - was notfalls mit Hilfe eines Gerichtsurteil durch die Eltern erstritten wird. Doch nicht das Pessimistische bleibt beim Publikum hängen, auch wenn es Ausgangspunkt für die herzlichen Lacher mit Potential zur Selbsterkenntnis ist, sondern die freudige Erwartung darauf, was in den Kindern steckt: „Eine Raupe verpuppt sich und wir warten gespannt auf den Schmetterling. Warum warten wir nicht auf das gleiche Wunder bei den Kindern?“
Doch auch die Erwachsenen bekommen im Laufes des Abends die feine Ironie abseits eines erhobenen Zeigefingers zu spüren, wenn Teubner „die kommende Apokalypse als derzeit vorherrschende Denkrichtung“ analysiert und daraus die Schlussfolgerung zieht: „Das macht uns handlungsunfähig.“ Ursache hierfür sei eine „hohe Arschloch-Dichte“, deren VertreterInnen mit Minderwertigkeitskomplex und Minus-Blick die Welt nach unten ziehen und an deren Spitze die Narzissten und Psychopathen stehen. „Deren Empathie-Zentrum ist mit Bauschaum ausgefüllt“, so ihre Diagnose zu den Strippenziehern dieser Welt, „und es ist bedenklich, dass das Schicksal der Welt von zwei Prozent der Menschheit abhängt.“ Da helfe auch nicht Rosamunde Pilcher als „TV-Zapp-Ziel gegen das Alltagsgreuel“. Ein Leben, das sich Lochen und Abheften lässt - lohnt sich das? – so ihre musikalische Frage, die durch erlebte Sonnenuntergänge oder Liebevoll-Zwischenmenschliches eine positive Antwort erhält.
Augenzwinkern und Ironie
Doch neben dem Blick auf das Große und Ganze erzählte die Künstlerin aus Witzenhausen (kein Witz! Dort geboren und in Köln lebend) viele kleine Geschichten zum Nachfühlen und zum Nachdenken, mal mit einem Augenzwinkern serviert, mal mit einem kräftigem Schuss Ironie garniert. Für sie sind Männer die „Welten-Erklärer mit dem souveränen Blick“, wobei das Miteinander nicht immer einfach sei. Dagegen sieht sie in ihren Geschlechtsgenossinnen einen Jugendwahn, der mit Hilfe von „Botox das Leben glättet“ und Einheitsgesichter entstehen lässt. „Schade“, so ihr Fazit, „denn Falten erzählen die Geschichte eines Lebens.“ Mal philosophierte sie über die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns, das die Speicherkapazität des neuesten Iphones übertreffe und selbst Künstlicher Intelligenz überlegen sei, mal ist es der Optimierungswahn, der als gesellschaftliche Spaßbremse fungiere. Doch nicht nur die mit Leichtigkeit formulierten, sehr präzisen Texte begeisterten das aufmerksame Publikum, sondern auch die musikalische Vielfalt des Duos.
Ben Süverkrüp war dabei mehr als nur ein treuer Begleiter am Klavier, der unter anderem mit einem 20-Stücke-Medley von ABBA über Helene Fischer bis Mozart begeisterte oder das virtuose Geigenspiel von Tina Teubner untermalte. Kongenial wurden Stichwörter hin- und hergeworfen, die Geschichten wurden musikalisch untermalt oder thematisch passende Lieder der verschiedensten Stilrichtungen in den Abend integriert. Alles war stimmig, alles passte zusammen und den Gästen gefiel dieser heitere, nachdenkliche und sehr unterhaltsame Abend, der mit dem Wunsch endete: „Merkt euch die schönen Seiten des Lebens.“











