Die tägliche Gassirunde führt Tobias Schäfer regelmäßig am Holzplatz westlich von Garitz und an der 2004 stillgelegten Deponie Katzengrund vorbei. Der 37-jährige Rettungssanitäter ist gern in der Natur unterwegs, er kennt die Stelle gut. Auf seinen Spaziergängen sind ihm früher oft Tiere begegnet. „Man hat dort alles Mögliche gesehen: Rehe, Wildschweine, Dachse, Blindschleichen, Waldameisein“, erzählt er. Die Natur habe sich den Deponiehügel in den vergangenen 20 Jahren Stück für Stück zurückerobert.
An Altdeponie Katzengrund entsteht ein Baumgarten
Seit dem Frühjahr hat sich das Bild am Katzengrund deutlich verändert. Alte Büsche und Bäume wurden gefällt, in den vergangenen Wochen wurden neue Wege angelegt und Bäume in großem Stil neu gepflanzt. Seitdem die Arbeiten laufen, ließen sich die Tiere kaum noch blicken. „Ich finde es schade, dass man so mit einem natürlichen Lebensraum von Tieren umgeht und ihn kaputt macht“, kritisiert er.
Bei den Arbeiten am Katzengrund handelt es sich um ein städtisches und privatwirtschaftliches Umweltprojekt. Im Rathaus kam schon vor Jahren - unter Oberbürgermeister Karlheinz Laudenbach (2002 bis 2008) – die Idee auf, den Katzengrund zu rekultivieren und zu einem Baumgarten umzubauen.
Wesentliche Geldgeber sind die Unternehmer Niko Rotschedl, Nicole Felser sowie zweiter Bürgermeister Anton Schick, die als Investoren den Prinzregentenpark realisieren wollen. Dabei handelt es sich um ein großes Wohnungsbauprojekt am Bahnhof, bei dem zehn neue Gebäude mit hochpreisigen Wohnungen geplant sind. Das Pflanzen der Bäume am Katzengrund ist der Ausgleich für die Natur, die am Bahnhof für den Prinzregentenpark zerstört wird.
Kritik: Wieso wird Natur im Namen des Naturschutzes abgeholzt?
„Grundsätzlich finde ich die Idee natürlich gut, Bäume zu pflanzen und einen Baumgarten anzulegen. Es ist schön, dass so etwas angeboten wird“, meint Schäfer. Dass allerdings Bäume und Sträucher im Namen des Naturschutzes abgeholzt werden, um sie dann aufwendig wieder aufzuforsten, „macht für mich keinen Sinn“.
Unsere Redaktion hat beim Landratsamt und der Stadt Bad Kissingen nachgefragt. Die frühere Deponie war nach Ansicht der Unteren Naturschutzbehörde kein artenreicher Lebensraum. „Die Altdeponie war stark zugewuchert. Aus naturschutzfachlicher Sicht war die Fläche weniger wertvoll“, erklärt Nathalie Bachmann, Pressesprecherin beim Landratsamt. Das Gelände war stark verbuscht und hatte artenreiches Grünland verdrängt. „Viele Arten hatten ihren Lebensraum verloren“, sagt sie.
Landratsamt: Größerer Artenreichtum mit Arboretum
Bei den Arbeiten für das Arboretum wurde die Deponie freigeschnitten und neu bepflanzt. „Dadurch wird zahlreichen Arten neuer Lebensraum angeboten“, so Bachmann. Ziel ist es, Lebensraum für wärmeliebende Offenlandarten zu schaffen. Das sind Pflanzen und Tiere, die in warmen, offenen Lebensräumen wie Magerrasen und lichten Waldrändern vorkommen. „Außerdem wird mit dem Arboretum eine Umweltbildungsstätte geschaffen, in der die Bevölkerung heimische und nicht heimische Baumarten kennenlernen kann.“
Nach Auskunft der Stadt kamen hauptsächlich Brombeersträucher, Weiden und Pappeln weg. „Zukunftsträchtiger Baumbestand wie Wildbirne, Wildapfel, Ahorn, vereinzelt auch Eiche und Buche wurde erhalten“, heißt es aus der Pressestelle des Rathauses. Insgesamt werden 151 Bäume in 31 verschiedenen Arten neu gepflanzt. Es entstehe ein klimafester Baumgarten mit vielen fruchttragenden Arten. Diese bieten Tieren eine breite Nahrungspalette.
Während die Investoren des Prinzregentenparks die Pflanzungen finanziell tragen, hat die Stadt die Planung übernommen. Sie finanziert Infotafeln und Bänke und zahlt die Kosten für den Wegebau. Der Baumlehrpfad wird im Frühjahr realisiert.















