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Verkehr
Kissinger Stadtrat: Parkplätze vor Radwegen
Die Erhardstraße mit dem bestehenden Schutzstreifen wird im Radwege-Netz Teil der neuen Hauptverbindung von Ost nach West durch die Stadt.
Die Erhardstraße mit dem bestehenden Schutzstreifen wird im Radwege-Netz Teil der neuen Hauptverbindung von Ost nach West durch die Stadt. // Siegfried Farkas/Archiv
Bad Kissingen – Das Gremium trifft eine Grundsatzentscheidung zum Radverkehr und legt eine Ost-West-Achse fest. Hitzigen Streit gibt es um Schönborn- und Maxstraße.

Eine Grundsatzentscheidung: Sollen in der Stadt Parkplätze zugunsten von Radwegen wegfallen? Wird die Fußgängerzone für Radfahrer geöffnet? Der Stadtrat hat entscheidende Weichen für den Radverkehr in der Kurstadt gestellt. Davor war eine lange, hitzige und emotional geführte Diskussion.

Im Zentrum: die Frage, auf welcher Route die Radler von West nach Ost, von Garitz Richtung Sinnberg, geführt werden. Im September hatte der Bauausschuss ein Radwegenetz für Bad Kissingen in Grundzügen beschlossen, zur strittigen Frage nach der West-Ost-Achse gab es damals keine Einigung.

Auf dem Tisch lagen zwei Vorschläge: Die Arbeitsgruppe Mobilität favorisiert als Ost-West-Route die Schönbornstraße und die Maxstraße. Die Stadtverwaltung und externe Verkehrsplaner sehen diese Verbindung kritisch und wollen den Radverkehr von Garitz aus entlang des Marbachs und durch die Schützenstraße bis in die Innenstadt führen. Stadtauswärts zum Sinnberg soll es dann über die Erhardstraße gehen.

Bauamt sieht Schönborn- und Maxstraße kritisch

Bauamtsleiterin Christine Schwind erläuterte, warum sie die Schönbornstraße und die Maxstraße für problematisch hält. Zum einen sind beide Hauptverkehrsadern und viel befahren. Für die Schönbornstraße nennt sie 10.000 Fahrzeuge täglich, für die Maxstraße 5000. In der Erhard- und Schützenstraße liegt das Verkehrsaufkommen bei 3500 beziehungsweise 1000 Fahrzeugen am Tag.

Zum anderen sind die Schönborn- und die Maxstraße so eng, dass dort Schutzstreifen für Radfahrer nur angebracht werden können, wenn alle Parkplätze entfallen. 74 davon wären in der Schönborn- und 36 in der Maxstraße betroffen. In der Erhardstraße hingegen gibt es bergauf einen Schutzstreifen. In der Schützenstraße müsste nur ein Teil der Parkplätze entfallen, damit Radlern sicher fahren können.

Gleichzeitiges Parken und Radwege hält Schwind in der Schönborn- und der Maxstraße angesichts des Verkehrsaufkommens für ausgeschlossen. Auch die Polizei rate davon ab. Mit Schutzstreifen und Parken reiche die Straße nach geltenden Standards nicht mehr für den Fahrzeugverkehr aus. Dadurch würden die Schutzstreifen zwecklos, weil regelmäßig Autos auf ihnen fahren würden. „Eine Straße muss funktionieren, auch ohne, dass der Schutzstreifen befahren wird. Das ist […] nicht der Fall“, betonte die Bauamtsleiterin.

Kritik am Vorschlag der Verwaltung

Deutliche Kritik am Vorschlag der Verwaltung kam von Richard Fix (Grüne) und Martina Greubel (DBK). Beide sprachen sich für die Variante der Arbeitsgruppe Mobilität aus. Es gehe darum, Radlern einen eigenen Raum im Verkehr zu schaffen, betonte Fix. Den haben sie bisher nicht. Er erinnerte an die Bürgerbefragung der Stadt, in der sich der Mehrheit der Teilnehmer eine bessere Radinfrastruktur und sichtbare Radwege gewünscht hatten. Das Radwegenetz müsse durchgängig, sicher und als solches optisch erkennbar sein.

„Ein Radwegenetz, das nur auf dem Stadtplan verzeichnet ist, reicht dafür nicht aus“, sagte Fix. Er forderte, den Parkraum neu zu regeln, um Platz für die Radfahrer auf den Hauptrouten zu schaffen. „Straßen werden für Fahrzeuge, nicht für Stehzeuge gebaut“, kritisierte der Grünen-Fraktionssprecher.

Bei der Schönbornstraße hält er die Alternative über die Schützenstraße für vertretbar, die Maxstraße sei aber unerlässlich, weil sie viele Schulen und Kindergärten direkt anbindet.

Streit um die Ost-West-Achse

Mit seinen Argumenten stieß er im Gremium auf viel Gegenwind. „Warum muss ich Radfahrer in starken Verkehr zwingen, den sie auf der anderen Route gar nicht haben“, entgegnete etwa Thomas Menz (SPD). Ein Schutzstreifen in der Maxstraße gaukle nur falsche Sicherheit vor. Zudem seien Anwohner, Gäste und Berufstätige auf die Parkplätze angewiesen.

Zweiter Bürgermeister Anton Schick (DBK) sagte, Bad Kissingen brauche ein „leistungsfähiges und sicheres Radwegenetz“ sowie eine „vernünftige Ost-West-Verbindung". Die sieht er in der Schützen- und Erhardstraße. Es sei nicht möglich, jedem Klientel einen Radweg bis vor die Türe zu bauen, meinte er mit Blick auf die Schulen. Es gebe andere Möglichkeiten, mit dem Rad sicher zu den Schulen zu gelangen, etwa über den Radweg am Ostring.

„Schlag ins Gesicht“

Martina Greubel (DBK) ärgerte sich über die Kritik der Kollegen. Sie betonte, dass die Arbeitsgruppe mit viel Zeitaufwand die Vorschläge erarbeitet und diskutiert hatte. „Das wird hier niedergebügelt. Ich sehe das als Schlag ins Gesicht der Arbeitsgruppe“, sagte sie.

Durchsetzen konnten sich die Befürworter der Route Schönborn- und Maxstraße nicht. Eine deutliche Mehrheit des Gremiums stimmte für die Schützen- und Erhardstraße als Hauptradweg-Verbindung und damit pro Parkplätze.

Fußgängerzone wird für Radfahrer geöffnet

Größeren Konsens gab es bei der Frage, ob die Fußgängerzone für den Radverkehr geöffnet werden soll. Hier hat die Diskussion bereits vorab in der Arbeitsgruppe Mobilität stattgefunden, berichtet Hermann-Josef Dresbach, der für den Seniorenbeirat in der AG mitgearbeitet hat. „Wir haben aus Seniorensicht schon dafür plädiert, dass die Fußgängerzone fahrradfrei bleibt“, sagt er.

Gut ein Drittel der Bad Kissinger Bevölkerung wird von Senioren gestellt, in der Fußgängerzone sei der Anteil noch höher, hinzu kommen Rehagäste mit körperlichen Einschränkungen. Um die Sicherheit dieser Personengruppen in den engen Straßen und Gassen zu gewährleisten, sollte der Radverkehr außen herumfahren. „Sie sollten sich darauf verlassen können, dass die Fußgängerzone eine Fußgängerzone ist“, sagt Dresbach.

Radeln von 18 bis 10 Uhr

Die AG hat als Kompromiss erarbeitet, die gesamte Fußgängerzone ab 18 Uhr abends bis 10 Uhr am nächsten Vormittag für den Radverkehr zu öffnen. „Der Kompromiss berücksichtigt breite Interessen. Wir stehen voll dahinter“, sagt Dresbach. Auch der Stadtrat schloss sich dem Vorschlag einstimmig an.

„Ich freue mich sehr, dass es einen Konsens gegeben hat. Wir lassen 7,5 Tonner in die Fußgängerzone rein, aber keine Fahrräder. Wir haben damit eine deutliche Verbesserung hinbekommen“, kommentierte Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) das Ergebnis. Mit Blick auf den Streit um die Anbindung der Schulen über die Maxstraße sagte er: „Dass die Fußgängerzone offen ist, bringt Entlastung für die Radfahrer am Morgen.“ Die Radfahrer müssen in der Fußgängerzone ihre Geschwindigkeit anpassen und auf die Fußgänger Rücksicht nehmen, betonte er.

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