Das Ehepaar Morper wohnt idyllisch in einem Einfamilienhaus in Kleinbrach. Nur selten tuckern Autos durch die Kleinbracher Straße und stören die Ruhe im Saaletal. Doch das ändert sich mit den Bauarbeiten bald. Zwischen 2028 und 2029 soll eine Umleitung durch die Kleinbracher Straße führen. Susanne und Volker Morper befürchten viel Verkehr – und damit auch viel Lärm und Abgase. Andere Anwohner sehen das ähnlich.
Die Bauarbeiten
Die Straßen um Kleinbrach verwandeln sich in den nächsten drei Jahren in eine Baustelle. Vergleichsweise wenige Auswirkungen auf die Kleinbracher hat die Sanierung der Straße In der Au zwischen der Kreuzung an der Nordbrücke und dem Feuerwehrhaus Kleinbrach. Die Bauarbeiter fräsen die löchrige Fahrbahndecke ab, asphaltieren neu, stabilisieren den Straßenrand und errichten Ausweichstellen.
Darüber hinaus wird der Geh- und Radweg zwischen Sportplatz Hausen und Feuerwehrhaus Kleinbrach neugebaut. Die Strecke soll weiter entfernt von der Saale führen, weil immer wieder Überschwemmungen den Weg beschädigt haben, und von zwei auf 2,5 Meter verbreitert werden. Durch Durchlässe soll das Hochwasser abfließen können.
Das Ehepaar Morper ist besonders wegen Sanierung der drei Brücken um Kleinbrach besorgt, die im Spätsommer 2027 beginnt. Der Freistaat Bayern reißt zuerst die kurze Saalebrücke zwischen Großenbrach und Kleinbrach ab und baut sie neu. Zeitgleich errichtet er eine Behelfsumfahrung für die Saaleflutbrücke zwischen Großenbrach und Kleinbrach. Anschließend werden die zwei Saaleflutbrücken zwischen Großenbrach und Kleinbrach sowie Kleinbrach und Hausen instandgesetzt.
Kritik an den Bauarbeiten
Auch an der Straßensanierung und dem Neubau des Weges finden die Morpers nicht alles gut. Zum Beispiel, dass die 90-Grad-Kurve nahe des Ortseingangs näher an die Wohnhäuser verlegt wird. Die Stadt Bad Kissingen sieht die Verlegung als notwendig an, weil sich so der neue Geh- und Radweg sicher und sinnvoll an die Straße anbinden lasse. „Gleichzeitig wird die Kurve entschärft und damit verkehrssicherer“, heißt es aus der Pressestelle.
Ein weiterer Kritikpunkt: Die Senke des Geh- und Radwegs zwischen Gasthaus Adler und Nepomuksteg soll um 30 Zentimeter angehoben werden. Durch den Rückstau befürchtet Susanne Morper schwere Konsequenzen für die Kleinbracher: „Wir werden mehr Hochwasser haben als früher.“ Hier betont die Stadt: „Die Baumaßnahme wurde in enger Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt und dem Staatlichen Bauamt geplant. Aufgrund der Berechnungen schließen wir eine Verschlechterung der Hochwassersituation aus.“
Kritik an der Umleitung
„Die Brückensanierungen sind notwendig“, sagt Volker Morper. Allerdings ärgert er sich über die geplante Umleitung über die Kleinbracher Straße. Andreas Bröll, der ebenfalls dort wohnt, sieht das ähnlich: „Die Kleinbracher Straße ist sehr eng – es wird zu Konflikten zwischen Dorfbewohnern und Autofahrern kommen.“ Auch die denkmalgeschützten Häuser werde der Verkehr belasten.
Andreas Bröll schlägt vor: Entweder soll der Verkehr während der ganzen Bauzeit großräumig umgeleitet werden oder mit einer Einbahnstraßen-Regelung über zwei Strecken führen – zum Beispiel über die Kleinbracher Straße und den Linsenrain.
Das Staatliche Bauamt Schweinfurt teilt dazu mit: Die großräumige Umleitung über Steinach und Burkardroth ist während der gesamten Bauzeit ausgeschildert. Wenn die neue Saalebrücke und die Behelfsumfahrung ab Mitte 2028 fertiggestellt sind, können Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen sowie Linienbusse über die Kleinbracher Straße und In der Au fahren. „Diese nahräumige Lösung stellt sicher, dass die Ortsteile erreichbar bleiben und Wege für Anwohner nicht unnötig verlängert werden“, stellt die Pressestelle klar.
Schwere Lastwagen dürfen nicht durch Kleinbrach verkehren. „Zudem gehen wir davon aus, dass ein nicht unwesentlicher Teil des überörtlichen Verkehrs auch in diesen Phasen die ausgeschilderte Umleitung über Steinach und Burkardroth nutzen wird.“ Das Bauamt sagt aber auch: „Die Staatsstraße 2292 ist eine wichtige regionale Verbindung im Landkreis, sodass während der Bauzeit mit einer Zusatzbelastung zu rechnen ist.“
In Kleinbrach soll Einbahnstraßenverkehr gelten, der über mehrere Ampeln gesteuert wird. Eine Ampel, das haben die Morpers gehört, soll in der Nähe ihres Hauses stehen. Sie rechnen damit, dass sich der Verkehr vor ihrer Haustür staut. Das Staatliche Bauamt teilt dazu mit: Es stehe noch gar nicht fest, wo sich die Ampel befinden soll. Klar ist: „Bei der Wahl des Ampelstandorts müssen unter anderem ausreichende Sichtweiten und die Linienführung der Straße beachtet werden. Dadurch ist die Zahl möglicher Standorte begrenzt.“
Für den Fall, dass die Straße In der Au überschwemmt ist, soll es eine Notumleitung zwischen Altenburger Haus, Klaushof und Friedhof Kleinbrach geben. Andreas Bröll befürchtet, dass Rettungsdienst und Feuerwehr über diese provisorische Straße deutlich länger nach Kleinbrach benötigen werden. Er arbeitet selbst im Rettungswesen. „Alle Rettungskräfte gaben ihr Einverständnis zu der geplanten Umleitung“, heißt es aus dem Bauamt. „Damit ist sichergestellt, dass Kleinbrach auch bei Hochwasser und während der Bauzeit für Feuerwehr und Rettungsdienste erreichbar bleibt.“
Hinweis: Die Bauarbeiten an der Straße In der Au und am Fuß- und Radweg kosten 1,8 Millionen Euro und werden vor allem von Bund und Staatlichem Bauamt Schweinfurt, aber auch von Stadt, Stadtwerken und Telekom finanziert. Bauende ist voraussichtlich im Frühjahr 2027. Die Brückensanierungen kosten 20 Millionen Euro und werden vom Freistaat Bayern bezahlt.
















