Wenn Thomas Betz, Inhaber von Georg Herl - Das Haus der Geschenke, über den seit Mitte Oktober laufenden Räumungsverkauf des Geschäfts und das geplante Ende des Traditionsladens in der Kissinger Innenstadt spricht, liegt nur wenig Wehmut in seiner Stimme. Er sieht die Firmenaufgabe nüchtern. "Die Entwicklung, die es seit Jahrzehnten gibt, ist eben so", sagt Betz, der das Geschäft in vierter Generation mit seiner Frau Claudia führt. "Ich bin eigentlich nicht traurig, weil es abzusehen war."
Umsätze kontinuierlich zurückgegangen
Seit spätestens Mitte der 1990er-Jahre, so Betz, seien die Umsätze kontinuierlich zurückgegangen. "Vieles hat sich einfach geändert, die Einkaufswege der Menschen haben sich geändert. In den 90ern haben Discounter damit angefangen, Waren anzubieten, die es auch bei uns gibt, und seit den 2000ern hat uns das Internet zugesetzt. Die Kuchenstücke wurden immer kleiner." Auch die Energie- und Fixkosten seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Hinzu kam, wie der 60-Jährige erzählt, der Arbeitsaufwand für den Laden. "60- und 65-Stunden-Wochen sind normal. Also: viel Arbeit für immer geringere Umsätze."
Aus Betz' Sicht hat auch ein Hersteller den stationären Handel bei Haushaltswaren in den vergangenen Jahrzehnten geschwächt. So habe er über die Jahre öfter investiert, um den Bereich, in dem Produkte von WMF präsentiert wurden, zu gestalten. Über die Jahre habe das Unternehmen aber immer mehr auf eigene Shops gesetzt, in denen die Produkte günstiger angeboten worden seien. "Das hat uns nicht geholfen", sagt er.
Ein weiteres Standbein aufgebaut
Seit einigen Jahren sei es immer schwerer geworden, sich selbst ein Gehalt aus dem Geschäft zu bezahlen. Betz: "Deshalb habe ich 2008 bei der LBS angefangen und den Immobilienfinanzierer und -makler gemacht." Mittlerweile ist Thomas Betz hauptberuflich bei der LBS, seit Kurzem in der Theresienstraße, tätig. Das Haus der Geschenke läuft im Nebenerwerb. "Irgendwann kam die Frage auf: 'Für was machen wir das eigentlich?'" Im Jahr 2022 dann der endgültige Entschluss: "Wir haben gesagt, dass es reicht."
Selbst Betz' 90-jährige Mutter, die ebenfalls viele Jahrzehnte im Geschäft mitgearbeitet hatte, habe die Entscheidung gut aufgenommen. "Sie sagte: 'Recht hast du!'"
Erleichtert ist Thomas Betz indes, weil die beiden Teilzeitangestellten des Geschäfts mittlerweile neue Jobs haben. "Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, jetzt kann ich ruhigen Gewissens sagen, dass Schluss ist", betont er.
Seit 14. Oktober läuft der Räumungsverkauf
"Alles muss raus", sagt Thomas Betz. Beim Räumungsverkauf gibt es teils hohe Rabatte auf die Waren. Betz betont aber: "Wir können nichts dazu bestellen."
Wie es nach der Schließung in dem Ladengeschäft weitergeht, lässt Thomas Betz noch offen. "Wenn es passt, werden wir das Geschäft neu vermieten oder das Gebäude verkaufen. Wir wollen auf jeden Fall etwas Langfristiges." Auch mit der Wirtschaftsförderung der Stadt sei er im Austausch, von dort gebe es Ideen, aber eben nichts Konkretes. Betz sieht das gelassen: "Wir schauen, was die Zeit bringt und reagieren flexibel."
Probleme in den Innenstädten
Thomas und Claudia Betz sind bei weitem nicht die Einzigen, die ihr Geschäft aufgeben. Immer wieder, auch in Bad Kissingen, kommt es dazu, dass alteingesessene und inhabergeführte Geschäfte schließen. Dazu sagt Thomas Betz: "In der Werbegemeinschaft, in der ich 20 Jahre im Vorstand war, war die Innenstadt immer Thema. Mit verschiedenen Ideen wird versucht, dem Trend entgegenzuwirken. Aber auf die Gesamtentwicklung hat man doch wenig Einfluss."
Die Stadt versuche ebenfalls dem Ladensterben etwas entgegenzusetzen, sagt Betz. Er nennt Pop-up-Stores und Co-Working-Spaces als Beispiele. "Man muss einiges probieren", betont er. Letztlich glaubt er aber nicht daran, dass der Handel in Innenstädte wieder so wird wie vor zwei, drei Jahrzehnten: "Ich will keine schlechte Laune verbreiten, aber ich glaube, die Situation wird nicht besser."
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr; Samstag, 10 bis 14 Uhr


















