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Besondere Lehre
Sie ist die einzige Auszubildende zur Goldschmiedin im Kreis
Romy Parente ist die einzige Auszubildende Goldschmiedin im Landkreis Bad Kissingen.
Romy Parente ist die einzige Auszubildende Goldschmiedin im Landkreis Bad Kissingen. // Simon Snaschel
Bad Kissingen – Die 19-Jährige aus Bad Kissingen ist ein Unikat im Landkreis. Warum sie sich in ihrem Beruf dafür umso wohler fühlt und welche Anforderungen sie erfüllen muss.

So alt das Goldschmiede-Handwerk ist, so selten ist der Beruf heute: Die 19-jährige Romy Parente aus Bad Kissingen ist die derzeit einzige Auszubildende zur Goldschmiedin im Landkreis. In ganz Unterfranken gibt es nach Angaben der Handwerkskammer aktuell sechs Lehrlinge für diesen Beruf.

Parente fühlt sich pudelwohl in ihrem Berufsfeld. Am 1. September 2025 hat sie ihre Ausbildung in Bad Kissingen begonnen. „Die Arbeit ist vielseitig und abwechslungsreich“, so die 19-Jährige. Im Goldschmiede-Handwerk ist sie über Umwege gelandet. „Ich hatte eine Ausbildung zur Automobilkauffrau angefangen, die aber abgebrochen. Das war zu bürokratisch für mich und einfach nicht meines.“

Goldschmiede-Auszubildende Romy Parente hat Kreativität im Blut

In ihrer jetzigen Lehrwerkstatt absolvierte Parente als Goldschmiedin später zunächst ein Praktikum und fand dabei großen Gefallen an der Arbeit: „Ich bin schon immer ein kreativer Mensch, das liegt in unserer Familie“, sagt die 19-Jährige, deren Mutter in Bad Kissingen einst als Künstlerin aktiv war und in der Stadt ein Fotostudio betrieb.

Romy Parente (vorne) und Dorothee Riechardt bei der Arbeit in ihrer Goldschmiede-Werkstatt.
Romy Parente (vorne) und Dorothee Riechardt bei der Arbeit in ihrer Goldschmiede-Werkstatt. // Simon Snaschel

Romy Parente ist nicht nur die einzige Auszubildende im Landkreis, sondern auch die erste, die Malte Meinck in seiner Goldschmiede-Werkstatt in Bad Kissingen anlernt. „Wir wollen künftig noch mehr auf unsere Werkstatt und auf eigene Kollektionen bauen“, sagt der 61-Jährige.

Vielseitige Ausbildung mit kreativen, aber auch wirtschaftlichen Anforderungen

„Romys Ausbildung ist ein wichtiger Schritt für uns“, so Meinck. Während er den Blick vor allem auf den gestalterischen Teil der Inhalte richtet, ist Goldschmiede-Meisterin Dorothee Riechardt für den handwerklichen Part zuständig.

Dorothee Riechardt arbeitet in Bad Kissingen als Goldschmiede-Meisterin.
Dorothee Riechardt arbeitet in Bad Kissingen als Goldschmiede-Meisterin. // Simon Snaschel

Die 57-Jährige ist seit Jahrzehnten in ihrem Beruf tätig und weiß, worauf es im Handwerk ankommt: „Es braucht einen gewissen Blick, um zu sehen, ob etwas exakt und stimmig ist oder eben nicht. Dazu natürlich Kreativität und Gefühl in den Fingern. Die Arbeit ist schon sehr filigran.“ Dazu kommen betriebswirtschaftliche Fähigkeiten: „Man muss wirtschaftlich arbeiten, sich mit dem Material auskennen und natürlich auf Menschen zugehen können. Es bringt uns ja nichts, etwas anzufertigen, was wir dann nicht verkauft bekommen“, so Riechardt. „Obwohl ich am liebsten den ganzen Tag in der Werkstatt aktiv wäre“, fügt sie lachend hinzu.

Über die Jahre habe der Beruf sich vor allem aufgrund neuer Techniken immer wieder verändert. „Mit modernen Lasern und Schweißgeräten sind heute Dinge möglich, die früher aufgrund von Präzision und Tempo nicht machbar waren“, sagt sie. Auch der immer stärker zum Einsatz kommende 3D-Druck sei vor allem im Hinblick auf Entwürfe ein „Gamechanger“.

Kaum Auszubildende in Unterfranken: Sorgen um die Zukunft der Zunft?

Team Design oder Team Handwerk? „Ich nehme beides“, sagt Romy Parente lachend. Ohnehin gehen beide Teile der Ausbildung Hand in Hand. „Ein Ring beispielsweise entsteht ja nicht einfach so“, erklärt Malte Meinck. Es brauche zunächst eine Idee, aus der später ein Konzept entsteht. Danach wird ein Modell gebildet, erst dann geht es in die konkrete Umsetzung, bis einmal ein fertiges Schmuckstück oder gar eine Kollektion entsteht.

Malte Meinck in seinem Atelier in Bad Kissingen.
Malte Meinck in seinem Atelier in Bad Kissingen. // Simon Snaschel

Blockweise besucht Parente die Berufsschule in Würzburg – mit nur acht weiteren Schülerinnen. Muss die Zunft sich Sorgen um ihre Zukunft machen? „Nein“, sagt Meinck. „Weil es schon immer ein sehr individueller Bereich war, auch wenn es sicherlich auch schonmal ein paar Azubis mehr gab. Wichtig ist, dass wir die Qualität der Ausbildung hochhalten, die jungen Leute also in vielen verschiedenen Bereichen und Techniken geschult werden.“

Handwerkskammer weist auf Struktur vieler Goldschmiede-Betriebe hin

Die Handwerkskammer Unterfranken schätzt die Situation auf dem Ausbildungsmarkt auf Anfrage der Redaktion so ein, dass es mehr am Angebot als an der Nachfrage hapert. „Der Ausbildungsberuf ist vor allem bei Bewerberinnen und Bewerbern beliebt, die Kreativität und handwerkliches Arbeiten verbinden möchten. Trotz der Nachfrage auf Bewerberseite gibt es eine relativ geringe Zahl an verfügbaren Ausbildungsplätzen“, so Pressesprecherin Nadine Heß.

Der Grund findet sich aus ihrer Sicht hauptsächlich in der Struktur vieler Goldschmiede-Betriebe. „Es handelt sich dabei in vielen Fällen um von Einzelpersonen geführte Unternehmen oder Kleinstunternehmen, die nur begrenzte Kapazitäten für eine Ausbildung haben. Denn Ausbildung erfordert intensive personelle Begleitung und damit verbunden auch einen hohen Zeitaufwand, was insbesondere für Einzelpersonen nur schwer realisierbar ist.“ Auch der finanzielle Aspekt - „mit einer Ausbildung sind auch Ausgaben verbunden“ – könnte nach ihrer Einschätzung oft ein Hemmfaktor sein.

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