Hoffnungen auf günstigere Verbrauchsgebühren bei Strom und Gas haben die Stadtwerke Mitte Juli geweckt. Unter die Freude darüber mischt sich bei manchen Stromabnehmern Enttäuschung. Es handelt sich um jenen Kundenkreis, der nicht im Kerngebiet der Stadtwerke angesiedelt ist, sondern den von den Stadtwerken angebotenen Strom über einen anderen Netzbetreiber bezieht. Diese freie Wahl des Netzes hat die Liberalisierung des Strommarktes mit sich gebracht.
Jetzt sorgt das für Verstimmung. So wandte sich einer dieser Kunden jetzt an die Redaktion. Ihm sei es verwehrt worden, im Online-Portal der Stadtwerke auf einen neuen, günstigeren Tarif der Stadtwerke zu wechseln, sagte der Mann aus der Verwaltungsgemeinschaft Euerdorf. Dieser gewünschte Tarif richtet sich „ausschließlich an Kunden in unserem Netzgebiet“, bekam er auf seine E-Mail-Anfrage an die Stadtwerke zur Antwort.
Neuer Tarif erst Ende November?
Enttäuschend waren für den Kunden, nach seinen Schilderungen, auch die weiteren Erläuterungen der Stadtwerke zu seinem Ende 2023 auslaufenden Vertrag, die der Redaktion vorliegen. „Leider können wir Ihnen noch keinen neuen Tarif anbieten. Spätestens im November 2023 werden wir Sie mit unseren neuen Preisen ab 1. Januar 2024 oder einem neuen Produkt anschreiben“, heißt es dort.
„Bin ich ein Kunde zweiter Klasse?“, fragt der Betroffene angesichts der ärgerlichen Geduldsprobe in Zusammenhang mit den Preissenkungen. Die vollmundige Ankündigung der Stadtwerke habe er so verstanden, dass sie für alle Kunden gelten, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. Seit zwölf Jahren sei er dort bereits Kunde und müsse nun mit anschauen, dass er bei den versprochenen Vergünstigungen außen vor bleibt.
Heimischen Stromversorger bevorzugt
Dabei habe er eigentlich aus Prinzip dem heimischen Stromversorger den Vorzug gegeben. Möglicherweise werde er bei den Ermäßigungen nicht berücksichtigt, weil die Stadtwerke an seinem Wohnort ein Netzentgelt an den Netzbetreiber entrichten müssen, vermutet er.
Wie viele betroffene Kunden die Stadtwerke in auswärtigen Versorgungsbezirken hat, möchte Prokuristin Susanne Schmelzeisen auf Nachfrage dieser Redaktion nicht verraten, „da es sich hier um wettbewerbliche Informationen handelt“, schreibt sie in ihrer Stellungnahme an diese Redaktion. Auf der Homepage der Stadtwerke verweist eine offenbar unvollständige Karte auf Strom- und Gaskunden in einem Versorgungsgebiet zwischen Hetzlos im Westen und Nickersfelden im Osten, ohne dabei nähere Zahlen zu nennen.
Viele dürften enttäuscht sein
Glaubt man den Stadtwerken, dürfte die Zahl der Enttäuschten nicht gering ausfallen. Denn: „Die Stadtwerke Bad Kissingen haben vor der Energiekrise mit großem Erfolg Kunden in anderen Netzen gewinnen können“, teilt Prokuristin Schmelzeisen weiter mit.
Die vertrieblichen Aktivitäten seien extrem erfolgreich gewesen. Aber, schränkt sie ein: „Mit der Energiekrise war es aus verschiedenen Umständen nicht mehr möglich, diese Aktivitäten fortzusetzen.“
Neue Angebote per Post
Wann genau die hinzugewonnen Kunden auch von Gebührensenkungen profitieren werden, lässt Schmelzeisen offen. Aktuell würden neue Tarif-Angebote vorbereitet, die den Bestandskunden in Kürze per Post zugestellt würden.
Man werde alles daran setzen, diesen Kundenkreis auch in Zukunft weiter zu versorgen, heißt es in der Pressemitteilung der Stadtwerke weiter. Außerdem sollen in den betreffenden Gebieten die Vertriebsaktivitäten mit attraktiven Tarifen wieder aufgenommen werden, um weitere Kunden zu gewinnen.
Mit der Geduld am Ende
Zu spät kommt das offenbar für den enttäuschten Kunden, der, wie er sagt, nicht länger mehr zahlen möchte als die Anschlussnehmer im Kerngebiet der Stadtwerke. Er ist nach seinen Worten mit der Geduld am Ende und möchte sich spätestens nach Ablauf seines Liefervertrages an einen anderen Versorger binden. Zumal die Stadtwerke auf den Wunsch nach einem Sonderkündigungsrecht abermals sperrig reagiert hätten.
Das haben wir bereits über die Stadtwerke berichtet:















