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Stadtwerke Glasfaserprojekt
Von großen Ambitionen zu Verlusten
Das Betriebsgelände der Stadtwerke Bad Kissingen.
Das Betriebsgelände der Stadtwerke Bad Kissingen. // Wolfgang Dünnebier (Archiv)
Bad Kissingen – Die Stadtwerke Bad Kissingen wollten Glasfaser für die ganze Stadt, scheiterten aber an steigenden Kosten und Desinteresse. Fazit: Ernüchterung und viel Geld, das verpuffte.

Ein flächendeckendes Glasfasernetz für ganz Bad Kissingen: Im Herbst 2022 stellten die Stadtwerke die ambitionierte, aber im weiteren Verlauf gescheiterte Initiative „Kissconnect“ vor. Ziel war ein Glasfaserausbau im ganzen Stadtgebiet, auch in abgelegeneren und kleineren Stadtteilen. Eine Grundversorgung für alle Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen mit schnellem Internet, in der Hand der städtischen Tochter.

Nachgefragt: Was hat „Kissconnect“ gekostet?

Um das Projekt anzuschieben und zu realisieren, haben die Stadtwerke einigen Aufwand betrieben. Es gab große Vermarktungskampagnen, am Salinenparkplatz stand über Monate ein Beratungsbüro und das Unternehmen hielt Infoveranstaltungen ab: Alles, um möglichst viele Bad Kissinger von dem Projekt zu überzeugen. Was haben diese Bemühungen den Versorger gekostet? Die Redaktion hat nachgefragt.

Im Juni 2023 wurde das Projekt nach Auskunft von Geschäftsführerin Anja Binder offiziell beendet. Im Februar 2024 haben die Stadtwerke die interessierten Kunden per Anschreiben über das endgültige Aus des Glasfaserprojekts informiert. Rund 1350 Kundinnen und Kunden hatten einen Vorvertrag abgeschlossen.

Eine Million Euro für Planung und Vermarktung des Glasfaserausbaus

„Insgesamt entstanden Aufwendungen für die Anschubfinanzierung des gesamten neuen Geschäftsfelds in Höhe von rund einer Million Euro“, berichtet Binder. Das Geld wurde verwendet für die technische und betriebswirtschaftliche Planung, für das Marketing und dafür die Umsetzung zu planen. Wäre der Ausbau realisiert worden, hätten die Stadtwerke eine Summe in Höhe von 35 Millionen Euro investiert.

Zur grundsätzlichen Lage bei den Stadtwerken: Dass der Versorger durch Corona-Pandemie und Energiekrise wirtschaftlich schwere Zeiten erlebte, hatte sich länger abgezeichnet und entsprach der Lage, in der sich deutschlandweit viele kommunale Versorger befanden.

Krisenjahre bei den Stadtwerken Bad Kissingen

Im Dezember 2024 informierte Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) darüber, dass die Stadtwerke auch aufgrund von Fehlern in der Geschäftsführung 2021 ein Defizit von 2,6 Millionen Euro und 2022 ein Defizit in Höhe von 22,9 Millionen Euro geschrieben hatten. Der langjährige Geschäftsführer Manfred Zimmer war bereits zuvor abgesetzt worden. Seit Oktober 2023 führen Anja Binder und Ralf Merkl das Unternehmen. Gegen Zimmer steht in der Frage um ein mögliches Fehlverhalten in der Geschäftsführung ein Zivilprozess im Frühjahr an.

Der Start der Glasfaserinitiative fällt zeitlich zwar in das Krisenjahr 2022 hinein, steht aber aufgrund der langjährigen Vorlauf- und Planungszeiten nicht in Zusammenhang mit der finanziellen Misere. Der Projektbeginn war lange vorher, das Scheitern ist unternehmerisches Risiko.

OB Dirk Vogel: „Glasfaser-Stagnation“

„Wir wollten ganz Bad Kissingen mit Glasfaser versorgen. Das ist nicht gelungen, weil nicht genügend Menschen mitgemacht haben und gleichzeitig die Bau- und Finanzierungskosten gestiegen sind“, sagt Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD).

Bei dem geringen Interesse spiele mit hinein, dass die Stadt an sich gut mit schnellem Internet aus Kupferleitungen versorgt ist. Das Desinteresse lasse sich als „Glasfaser-Stagnation“ bezeichnen. Der OB betont: „Insofern war es richtig, dass wir uns damals die Signale nicht schöngeredet und stattdessen für ein Ende mit Schrecken und nicht ein Schrecken ohne Ende entschieden haben.“

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