Am Ende ist es dieser eine Satz von Andreas Borst, der die Situation für viele mittelständische Betriebe auf den Punkt bringt und der ihn gleichzeitig von vielen unterscheidet. „Ich habe mich bewusst jetzt dazu entschlossen. Ich bin zwar noch nicht zu alt, aber wenn ich noch ein paar Jahre gewartet hätte, ware Max am Ende fort und ich hätte niemanden. Ich finde, es gehört dazu, die Verantwortung rechtzeitig in junge Hände zu geben, damit es weitergeht“, sagt er.
Im Gegensatz zu tausenden anderen Handwerksbetrieben in Deutschland ist es dem 60-jährigen Malermeister aus Arnshausen gelungen, erfolgreich eine Nachfolgelösung für seine Firma zu finden. Er hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt und die Firma mit den neun Beschäftigten an seinen ehemaligen Azubi Max Atzler übergeben.
Warum ist das etwas Besonderes? Laut aktuellem KfW-Nachfolgemonitor suchen 215.000 mittelständische Betriebe in Deutschland bis Ende des Jahres einen Nachfolger. Das Durchschnittsalter der übergebenden Unternehmer liegt bei 65,4 Jahren. Nur 28 Prozent, also nicht einmal jedes dritte Unternehmen, das kurz vor der Übergabe steht, hat die Nachfolgefrage geregelt. 44 Prozent suchen laut KfW-Studie noch oder haben mit der Suche noch gar nicht begonnen.
In Unterfranken ist das Thema Unternehmensnachfolge für jeden dritten Handwerksbetrieb relevant, informiert Nadine Heß, Pressesprecherin bei der Handwerkskammer von Unterfranken. In rund 6000 Betrieben steht eine Betriebsübergabe in den nächsten Jahren an. Grundproblem dabei ist, dass die geburtenstarken Baby-Boomer-Jahrgänge aus dem Berufsleben ausscheiden und ihnen gleichzeitig weniger junge Fachkräfte gegenüberstehen. Da sind Schließungen vorprogrammiert. „Das Thema Unternehmensnachfolge ist damit eines der wichtigsten Themen für das unterfränkische Handwerk und damit auch für Wirtschaft und Gesellschaft in der Region“, sagt Heß. Betriebsübergaben sichern Jobs, Ausbildungsplätze, Wertschöpfung vor Ort und Wohlstand.
Andreas Borst hat sich 1992 selbstständig gemacht und seinen Maler- und Tapezierbetrieb gegründet. „Ich war erst allein und das ist dann langsam gewachsen“, erzählt er. Inzwischen kümmert sich die Firma auch um Fassaden, Trockenbau, Böden und Umbauarbeiten, macht Altbausanierungen und arbeitet im Neubaubereich für private und gewerbliche Kunden, aber auch die öffentliche Hand. „Ich wollte nie einen riesigen Betrieb. Es sollte immer familiär geführt sein“, sagt Borst.
Max Atzler kam 2009 als Auszubildender in die Firma. Nach der Lehre war er einige Jahre fort und bildete sich zum Meister weiter. 2016 dann die Rückkehr. Schon damals war beiden als Option klar, dass Atzler einmal den Betrieb übernimmt. „Damals gab es schon die ersten Gespräche“, sagt Borst. Wichtig war, neben der grundsätzlichen Bereitschaft, Atzler Stück für Stück an die Aufgabe heranzuführen: Er leitete eigene Baustellen, lernte zur Personalführung und Projektbearbeitung.
„Der ganze Prozess ging über sechs Jahre. Für mich war immer klar, dass ich einmal selbstständig arbeiten möchte. Das war mein Ziel“, erzählt Atzler. Mit Unterstützung von einem Betriebsberater der Handwerkskammer Unterfranken haben sie die Unternehmensübergabe umgesetzt: Seit 1. März ist Atzler der Firmenchef und Borst noch für drei Jahre sein Angestellter. Atzler führt den Betrieb nahtlos weiter, hat alle Mitarbeiter übernommen und ist jetzt für die Abwicklung der rund 180 Baustellen pro Jahr verantwortlich. „Ich will es familiär weiterführen. Ich will es so weitermachen, dass Mitarbeiter und Kunden wissen, man kann sich aufeinander verlassen“, betont der Neu-Chef.
Aus Sicht der Handwerkskammer ist die Übergabe des Arnshäuser Malerbetriebs ein Idealbeispiel dafür, wie es gut laufen kann. Die Beratung von der ersten Planung bis zur Übergabe ist unentgeltlich, betont Pressesprecherin Heß. Der Prozess ist komplex und sollte nicht unterschätzt werden. „Die Handwerkskammer rät Betrieben generell für eine erfolgreiche Gestaltung der Betriebsübergabe, eine langfristige Vorbereitungsphase einzuplanen“, sagt sie.
Während in der Frühphase ein Zeitplan und konkreter Schritte im Fokus stehen, helfen die Betriebsberater im weiteren Übergabeprozess mit Unternehmensbewertungen, die als Verhandlungsgrundlage dienen. Auch Betriebsanalysen, die für den Übernahmeinteressenten eine Planungsgrundlage darstellen, seien möglich. Die Berater fungieren als neutrale Moderatoren im Verhandlungsprozess und vermitteln zwischen Übergeber und Übernehmer. Nachfolger unterstützen sie bei der Erstellung eines Businessplans für anstehende Bankgespräche.









