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Schmuckstück in Bad Kissingen
Einblicke: So sieht es im Café Schweizerhaus aus
Das Café Schweizerhaus in Bad Kissingen ist verkauft und steht nach jahrzehntelangem Leerstand vor einer Wiederbelebung.
Das Café Schweizerhaus in Bad Kissingen ist verkauft und steht nach jahrzehntelangem Leerstand vor einer Wiederbelebung. // Johannes Nöth
Bad Kissingen – Mit viel Einsatz und Leidenschaft renovieren die neuen Besitzer des Schweizerhauses. Ideen, wie es künftig genutzt werden könnte, gibt es viele. Oberstes Ziel ist ein Café.

Es ist so ein Familiending, bei dem jeder anpackt. Thorsten (53), Felix (25) und Julius (20) Blaßdörfer heißen die neuen Besitzer vom Café Schweizerhaus. Wenn die drei Männer gerade einmal nicht damit beschäftigt sind, den Familienbetrieb zu führen – das Therapiezentrum Blaßdörfer umfasst immerhin 290 Mitarbeiter an elf Standorten – verbringen sie aktuell jede freie Minute in dem 185 Jahre alten Gemäuer.

Gesundheitsunternehmer erwerben historisches Café

Sie arbeiten die Fenster auf, bessern die Terrasse aus, schleifen Balkongeländer ab, tauschen Lampen, schrubben Schmierereien von Lost-Place-Touristen von den Wänden und entfernen Efeuranken, die durch die Fenster ins Innere gewachsen sind. „Wir sind aus Bad Kissingen und machen das als Familie. Es ist ein Herzblutprojekt“, meint Felix Blaßdörfer.

Thorsten Blaßdörfer (Mitte) und seine Söhne Julius (links) und Felix haben das Café Schweizerhaus gekauft. Nach der Renovierung wollen sie es verpachten, im Idealfall an einen Betreiber, der es wieder als Café führt.
Thorsten Blaßdörfer (Mitte) und seine Söhne Julius (links) und Felix haben das Café Schweizerhaus gekauft. Nach der Renovierung wollen sie es verpachten, im Idealfall an einen Betreiber, der es wieder als Café führt. // Anand Anders

Das Schweizerhaus mit seiner Historie, seinem Charme und der tollen Lage direkt an der Saale und dem Rosengarten hat es ihnen angetan. Die Familie ist beruflich auf das Gesundheitswesen spezialisiert, aber sie sehen sich auch als Unternehmer, die etwas in ihrer Heimat bewegen wollen. Dass sie das Anwesen unbedingt kaufen wollten, erklärt Felix Blaßdörfer so: „Weil wir aus Bad Kissingen sind und das Objekt geil finden!“

Technik im Schweizerhaus instandsetzen

Dort, wo sie allein nicht weiterkommen, sind Handwerksbetriebe beauftragt. Die Dachrinne wurde in den vergangenen Wochen ausgebessert. Heizung, Lüftung, Haustechnik und Sanitäranlagen wurden nach fast 20 Jahren Stillstand wieder zum Laufen gebracht. Um Wasserschäden im Innern zu beseitigen, das Dach und die Fassade zu renovieren, holen sie gerade Angebote ein. „Als wir es gekauft haben, war das Schweizerhaus für uns eine Wundertüte. Wir haben nicht gewusst, was uns erwartet. Es gibt risikoärmere Objekte in Bad Kissingen“, sagt Thorsten Blaßdörfer.

Eine Kernsanierung ist nicht notwendig. Das Gebäude ist trotz des langen Leerstandes überwiegend gut in Schuss. 1993 wurde es das letzte Mal generalsaniert, 2005 investierte die AWO noch einmal einen größeren Betrag in einen modernen Glaseingang sowie in den Thekenbereich. „Und das, obwohl das Schweizerhaus nur noch gelegentlich für Events genutzt wurde. Durch den jetzigen Eingang ist kein Café-Gast mehr durchgegangen“, sagt Felix Blaßdörfer.

Beim Aufräumen haben sich ein paar Überbleibsel aus alter Zeit gefunden: alte Eiskarten mit D-Mark-Preisen, Fotos, Werbeflyer, Milchkännchen, und Pläne, wie die Restaurants bestuhlt waren.
Beim Aufräumen haben sich ein paar Überbleibsel aus alter Zeit gefunden: alte Eiskarten mit D-Mark-Preisen, Fotos, Werbeflyer, Milchkännchen, und Pläne, wie die Restaurants bestuhlt waren. // Anand Anders

Bis zu 800.000 Euro planen die Eigentümer an Investitionen, um die Immobilie wieder auf Vordermann zu bringen. Mit Luft nach oben. Je nachdem, welche Anforderungen ein späterer Pächter an den Betrieb hat, kann die Summe größer werden. „Die Investition ist jetzt noch ohne Konzeptsanierung“, erklärt Thorsten Blaßdörfer. Aktuell gehen sie die Arbeiten an, die ohnehin gemacht werden müssen. Den Rest, etwa welche Küchenausstattung nötig ist, wollen sie mit einem späteren Pächter abstimmen.

Was haben sie mit dem Schweizerhaus vor?

„Es soll aussehen wie früher. Wir wollen seinen Charme erhalten“, erklärt Felix Blaßdörfer. Das gilt nicht nur für die Fassade, sondern auch für den historischen Sissi-Saal mit der roten Tapete und den Kronleuchtern, genauso wie den Grünen Saal – beides die zentralen Gasträume. Sie werden aufgearbeitet, nicht verändert.

Blick in den historischen Sissi-Saal.
Blick in den historischen Sissi-Saal. // Foto: Anand Anders

Wie die spätere Nutzung aussehen kann, da ist die Familie flexibel und sieht viele Optionen. „Wenn wir einen Betreiber finden würden, der das ganze Gebäude machen möchte, wäre das ideal“, meint Julius Blaßdörfer. Das Schweizerhaus könnte etwa ein Boutiquehotel werden, mit Restaurant und Café im Erdgeschoss sowie Hotelzimmern darüber.

Der Grüne Saal eignet sich nicht nur als Café, sondern auch für Livemusik und Feiern.
Der Grüne Saal eignet sich nicht nur als Café, sondern auch für Livemusik und Feiern. // Anand Anders

Es ist aber auch denkbar, die Obergeschosse vom Gastronomiebereich zu trennen. Dann könnten oben Ferienwohnungen entstehen, beziehungsweise Praxisräume. Im Erdgeschoss wünschen sich die Eigentümer in erster Linie ein Café sowie eine Eventlocation, die für Feiern gemietet werden kann. „Es soll wieder so werden, wie es früher einmal war“, meint Felix Blaßdörfer. Ein Restaurant- statt einem Cafébetrieb sei allerdings auch möglich. Angestrebt ist eine Genehmigung für bis zu 200 Gäste.

Mit Brauereien ist die Familie zwecks Betreibersuche bereits im Gespräch. Demnächst wollen sie die Verpachtung ausschreiben und auch aktiv suchen. „Wir brauchen einen Pächter mit genug Professionalität, so ein großes Haus langfristig erfolgreich zu führen“, sagt Felix Blaßdörfer. Wunschtermin für den Abschluss der Renovierung und der gastronomischen Wiedereröffnung ist zu Beginn des nächsten Jahres.

Felix Blaßdörfer schaut von einer Wohnung im Obergeschoss in Richtung Rosengarten.
Felix Blaßdörfer schaut von einer Wohnung im Obergeschoss in Richtung Rosengarten. // Anand Anders

Selbst als Wirt tätig werden und das Café Schweizerhaus führen, wollen die drei Eigentümer nicht. Falls die Pächtersuche und damit eine gastronomische Wiederbelebung scheitert, sei es aber möglich, das Objekt als Therapiezentrum innerhalb der Blaßdörfer GbR zu verwenden. „Aber das wäre eine vertane Chance, wenn es nicht wieder ein Café wird“, findet Thorsten Blaßdörfer.

Das öffentliche Interesse an dem Objekt ist enorm. „Es laufen immer wieder Leute hier herein und erzählen, wie sie früher hier getanzt haben“, berichtet Felix Blaßdörfer. Deshalb und wegen der tollen Lage und Aussicht ist er sicher, dass die Wiederbelebung ein Erfolg wird und in einem Jahr Gäste auf der schönen Terrasse ihren Kaffee genießen werden.

Sehen Sie hier die besten Bilder aus dem Schweizer Haus:

Drohnenaufnahme vom Schweizerhaus CaféSchweizerhaus Café
Drohnenaufnahme vom Schweizerhaus Café // FOTOGALERIE Johannes Nöth
Außenansicht des Schweizerhaus CaféSchweizerhaus Café
Außenansicht des Schweizerhaus Café // FOTOGALERIE Karl Kovac
Thorsten Blaßdörfer (Mitte) und seine Söhne Julius (links) und Felix haben das Café Schweizerhaus gekauft. Nach der Renovierung wollen sie es verpachten, im Idealfall an einen Betreiber, der es wieder als Café führt.Schweizerhaus Café
Thorsten Blaßdörfer (Mitte) und seine Söhne Julius (links) und Felix haben das Café Schweizerhaus gekauft. Nach der Renovierung wollen sie es verpachten, im Idealfall an einen Betreiber, der es wieder als Café führt. // FOTOGALERIE Anand Anders
Außenansicht Schweizerhaus Café 2
Außenansicht Schweizerhaus Café 2 // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin
Ehemaliger Eingang, der nach einer Flutkatastrophe und die nachfolgende Anhebung des Gehsteiges zugemauert wurde.
Ehemaliger Eingang, der nach einer Flutkatastrophe und die nachfolgende Anhebung des Gehsteiges zugemauert wurde. // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin
Der neu benannte „Sissi“-Saal
Der neu benannte „Sissi“-Saal // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin
Kronleuchter mit neuen LED-Lampen im „Sissi“-Saal
Kronleuchter mit neuen LED-Lampen im „Sissi“-Saal // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin
Wandlampen im „Sissi“-Saal
Kerzenleuchter im „Sissi“-Saal // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin
Durch die Fenster im „Sissi“-Saal kamen bereits Ranken von draußen ins Innere. Die Spuren sind noch ersichtlich.
Durch die Fenster im „Sissi“-Saal kamen bereits Ranken von draußen ins Innere. Die Spuren sind noch ersichtlich. // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin
Kuchentheke im Foyer
Kuchentheke im Foyer // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin
Der Grüne SaalSchweizerhaus Café
Der Grüne Saal // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin
Bild vom Schweizerhaus im Originalzustand
Bild vom Schweizerhaus im Originalzustand // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin
Die alte Küche. Ein Herd steht noch
Die alte Küche. Ein Herd steht noch // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin
Treppenhaus zu den Suiten
Treppenhaus zu den Suiten // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin
Alte Beispiel Suite
Alte Beispiel Suite // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin
Blick auf den Rosengarten
Blick auf den Rosengarten // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin
Ausblick von der oberen Terrasse der Suiten auf den die untere Ebene
Ausblick von der oberen Terrasse der Suiten auf den die untere Ebene // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin
Ausblick auf die Saale und den Rosengarten
Ausblick auf die Saale und den Rosengarten // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin
Blick auf das Zimmer, in dem früher den Mitarbeitern immer Blut abgenommen wurde.
Blick auf das Zimmer, in dem früher den Mitarbeitern immer Blut abgenommen wurde. // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin
Ausblick aus einer Suiten
Ausblick aus einer Suite auf den Rosengarten und die Saale // FOTOGALERIE Jürgen Wittrin

Das Café Schweizerhaus im Überblick

Historie: Die Anfänge vom Café Schweizerhaus reichen zurück ins Jahr 1840. Bis zu seiner Schließung 2003 war es 160 Jahre lang ein beliebtes Café mit eigener Konditorei sowie Tanzcafé mit Livemusik. Nach dem Zweiten Weltkrieg zählten in Bad Kissingen stationierte US-Soldaten zu den Stammgästen. Das Café war die meiste Zeit Familien geführt. 1993 erwarb es die AWO. Diese führte das Erdgeschoss bis zur Schließung als öffentliches Café weiter. Die Obergeschosse dienten als Patienten-Suiten für den benachbarten Fürstenhof, den die AWO als Rehazentrum betrieben hat.

Verkauf: 2008 verkaufte die AWO sowohl den Fürstenhof als auch das Schweizerhaus an eine russische Investorengruppe, die den Gesamtkomplex zu einem Fünf_Sterne-Hotel umbauen wollte, das Projekt bislang aber nicht realisieren konnte. Unlängst hat die Fürstenhof SA das Café Schweizerhaus an die Familie Blaßdörfer veräußert.

Immobilie: Das Café Schweizerhaus hat mit Keller, Erdgeschoss und den beiden Obergeschossen eine Gesamtfläche von 1228 Quadratmetern. Der Gastronomiebereich im Erdgeschoss mit grünem Saal, Sissi-Saal, Empfangsbereich, Sanitäranlagen sowie Küche, Kühl- und Mitarbeiterräumen hat eine Fläche von annähernd 600 Quadratmetern. Hinzu kommt eine 60 Quadratmeter große Terrasse für Außengastronomie. Der Wohnbereich in den Obergeschossen ist rund 470 Quadratmeter groß. (Quelle: Familie Blaßdörfer/bebo)

 

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