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Umfrage
Mangelware günstige Wohnung im Kreis Kissingen
Die Wartelisten für solziale Mietwohnungen bei der Gewo in Bad Kissingen sind lang, günstiger Wohnraum ist längst Mangelware geworden.
Die Wartelisten für solziale Mietwohnungen bei der Gewo in Bad Kissingen sind lang, günstiger Wohnraum ist längst Mangelware geworden. // Benedikt Borst/Archiv
Bad Kissingen – Bad Kissingen und Hammelburg schneiden in Sachen Wohnraum beim Heimat-Monitor schlecht ab. Das liegt mit daran, dass bezahlbare Mietwohnungen fehlen.

Hohe Mieten sind längst nicht mehr nur in Großstädten und Ballungsregionen ein Thema. „Günstige Wohnungen sind ein knappes Gut geworden“, sagt Michael Rendl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bad Kissingen. Die Mietpreise haben in den vergangenen Jahren deutlich angezogen, vor allem in Bad Kissingen und Hammelburg, den beiden größten Städten des Landkreises. Dass zusätzlich die Nebenkosten wegen der hohen Energiepreise extrem gestiegen sind, „führt dazu, dass manche Menschen sich das Wohnen nicht mehr leisten können“, sagt Rendl.

Ein ähnliches Bild zeigt auch der Heimat-Monitor, die Leserumfrage der Saale-Zeitung. Die Teilnehmer haben die Situation in ihren Heimatgemeinden bewertet, und zwar anhand der Mieten und der Immobilienpreise sowie anhand des Wohnungsangebotes. Mieten und Immobilienpreise erhalten im Durchschnitt 5,93 Punkte auf einer Skala von eins bis zehn.

Das Wohnungsangebot wird hingegen mit 4,87 Punkten etwas schlechter bewertet. Bad Kissingen und Hammelburg schneiden bei den Preisen mit jeweils 4,71 Punktendeutlich schlechter ab, als alle anderen Kommunen des Landkreises. Das Wohnungsangebot beurteilen die Leser mit 5,08 Punkten in Bad Kissingen als etwa besser, Hammelburg kommt mit 3,93 Punkten jedoch ganz schlecht weg.

In den Kommentaren bemängeln mehrere Leser mit Blick auf Bad Kissingen, dass bezahlbarer Wohnraum fehlt, gerade für junge Leute (Singlehaushalte) sowie für Familien.

Dynamik hinter hohen Mieten

Den Sparkassen-Chef wundert das nicht. „Ich kann diese Beobachtungen eins zu eins unterschreiben“, sagt er. Beide Städte haben die begehrtesten Wohnlagen im Landkreis. „Im Neubau in Bad Kissingen werden 11,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter aufgerufen“, weiß Rendl. Zum Vergleich: Für Sozialwohnungen liegt der Durchschnittspreis bei 6,50 Euro – und auch der hatte sich zuletzt verteuert.

Was macht die Mieten so teuer? Die Nachfrage ist laut Rendl ungebremst hoch – auch aufgrund von Zuzügen. Gleichzeitig stagniert oder sinkt die Zahl der verfügbaren Mietwohnungen. Sowohl die sehr hohen Kosten am Bau, als auch die unsichere politische Rahmenlage – welche Kosten kommen auf Hausbesitzer und Investoren zu in Sachen Klimaschutz – führen seiner Einschätzung nach dazu, dass Kapitalanleger aktuell kaum in Wohnungen investieren.

Hohe Baukosten, gestiegene Zinsen bei Baukrediten und Inflation führen gleichzeitig dazu, dass sich aktuell weniger Menschen den Traum vom eigenen Haus erfüllen. „Seit Mitte letzten Jahres ist die Baufinanzierung eingebrochen“, berichtet Rendl. Geplante Vorhaben werden noch umgesetzt, neue kommen so gut wie nicht dazu. Das wird sich in den nächsten Jahren auf den Mietermarkt auswirken. „Jeder Neubau führt zu freien Mietwohnungen. Es wird für die Mieter noch schwieriger“, schätzt er.

Bund muss für Wohnraum sorgen

Rendl sieht die Bundespolitik gefordert, klare Rahmenbedingungen zu schaffen etwa beim Heizungsgesetz. Eigenheimbauer und Investoren brauchen finanzielle Planungssicherheit, damit sie in Immobilien investieren. Der soziale Wohnungsbau solle in der Fläche gefördert werden, etwa steuerlichen Vorteilen, wenn jemand neu baut und dann günstig vermietet. Auf kommunaler Ebene müssten Kommunen neue Baugebiete ausweisen, wichtiger seien aber Programme, die den Leuten das Sanieren alter Häuser schmackhaft machen.

Wohnungsbau zu lange vernachlässigt

Die aus Hammelburg stammende Bundestagsabgeordnete Manuela Rottmann (Grüne) sieht ebenfalls, dass die hohe Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum in Bad Kissingen und Hammelburg nicht gedeckt wird. „Für Azubis, Geringverdiener und für Familien gibt es dort zu wenige geeignete Angebote jenseits des großen Eigenheims“, sagt sie. Für ältere Menschen fehlen oft bezahlbare, barrierefreie Wohnungen. Die Politikerin kritisiert: „In unserer Region wurde zu einseitig auf Neubaugebiete für Einfamilienhäuser gesetzt. Der Geschosswohnungsbau wurde vernachlässigt.“ Das bremse letztlich auch die Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften.

Ihrer Meinung nach fehlen Akteure, die Wohnungen für die Breite der Bevölkerung zur Verfügung stellen , ohne auf die Rendite zu schauen. „Der Bund stärkt solche gemeinnützigen Wohnungsbauformen“, sagt Rottmann. Sie sieht die Kommunen in der Pflicht, Grundstücke zu bevorraten, die nur mit bezahlbaren Wohnungen bebaut werden. Außerdem müssten sie gemeinnützige Investoren mehr unterstützen.

Sie lobt das Modellprojekt „Treibhaus Münnerstadt“. Das zeigt, „dass die Bürgerinnen und Bürger großes Interesse an zeitgemäßen neuen Wohnquartieren jenseits der Einfamilienhaussiedlung haben“. Die Kommunen müssten solche Wohnformen stärker angehen.

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