Oben erklingt „Ein Prosit der Gemütlichkeit“, Maßkrüge scheppern aneinander und Tausende Besucher feiern die Kulmbacher Bierwoche. Alles wirkt leicht und beschwingt. Kaum jemand ahnt, dass im Hintergrund eine eingespielte Logistik dafür sorgt, dass Bier, Brotzeit und Nachschub niemals ausgehen.
In der Tiefgarage, wo sonst Autos parken, wird geschmiert, geschnitten, gespült, gelagert und entsorgt. Hier entscheidet sich, ob oben alles reibungslos läuft. Und hier zeigt sich auch, dass Nachhaltigkeit bei der Bierwoche keine Floskel ist.
Schon bei der Sanierung der Tiefgarage war die Kulmbacher Brauerei in die Planungen eingebunden. Wasser-, Abwasser- und Stromanschlüsse liegen deshalb genau dort, wo sie für die vier Bierwochen-Ecken benötigt werden. Selbst die dicken Bierleitungen führen direkt aus dem Untergrund hinauf in den Feststadel.
Weniger Restmüll als viele denken
„Viele glauben, nach einer Woche bleibt ein riesiger Müllberg übrig“, sagt Projektleiter Michael Schmid. Tatsächlich fällt deutlich weniger Restmüll an, als viele vermuten. Bei der Bierwoche setzt die Brauerei konsequent auf Mehrweg. Gegessen wird von Porzellantellern, das Besteck wird gespült.
Selbst die Bierfilzla werden sparsam ausgegeben. Und noch etwas macht Müll, kann er sich einen Hinweis nicht verkneifen: Diejenigen, die alkoholfreies Bier bestellen, bekommen an ihren Maßkrug eine dünne Papiermanschette um den Henkel des Maßkruges.
„Man kann da Biers sonst nicht unterscheiden“, sagt Schmid. Und dieses kleine dünne Papierchen landet dann schließlich auch im Müll. Sonst aber nichts. Weggeworfen wird im Grunde nur das, was sich nicht vermeiden lässt - wie Servietten.
Ein Blick in die Tiefgarage offenbart eine Welt, die den Bierwochenbesuchern verborgen bleibt. Zwischen Paletten, Kühlräumen und Arbeitsplätzen lagern Ersatzkrüge, alkoholfreies Bier und Lebensmittel.
Jede Bierecke hat ihren eigenen Bereich. Und jeder Bereich ist mit Gittern und mit Schlössern gesichert. Von der Tiefgarage aus wird alles gemanagt: Hier, im kühlen Untergrund, wird das Essen vorbereitet. Hier befindet sich die Technik, damit das Bier nicht versiegt.
Herzstück der Versorgung sind die sogenannten Eckcontainer. In ihrem Inneren stehen Bierfässer übereinander, verbunden durch ein ausgeklügeltes Netz aus Leitungen. Sobald eine Fassreihe leer ist, schaltet die Technik automatisch auf die nächste um. So bleibt der Bierfluss konstant – ohne Schaumbildung.
Im Außenbereich ziehen die großen Biertanks die Blicke der Besucher auf sich. Sie sind aber nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, sondern sie sind auch wirklich gefüllt. Der Kulmbacher-Biertank und der Mönchshof-Tank fassen je 6500 Liter Festbier. Die Tanks besitzen eine eigene Kühlung. In den anderen Ecken sorgen die Eku- und Kapuzinertanks für Nachschub. Diese fassen „nur" 5000 Liter.
Mindestens genauso wichtig wie das Bier ist jedoch das Essen. In der Tiefgarage werden täglich Tausende Käseteller und Brotzeitplatten, Sauerbraten oder Schnitzel vorbereitet. Die beiden Ukrainerinnen Angelika und Alex richten Käseteller an – jeder Teller soll gleich aussehen.
Margarita kümmert sich um die Brotzeitplatten. Routine ist gefragt, denn während oben die Gäste bestellen, müssen unten ständig frische Platten nachgeliefert werden. Links oben wird der Käse positioniert: gerollter Scheibenkäse und Brie. Es gibt deftige Wurstspezialitäten – und in der Mitte frische Radieschen.
Der Geschmack der Besucher hat sich in den letzten Jahren sehr verändert, erzählt Jürgen Stübinger. „Wir haben auch Vegetarisches: Käsespätzle zum Beispiel oder Chili sin carne“, erklärt der Festwirt. Außerdem lieben die jüngeren Besucher Currywurst und Pommes, Schnitzel und Pommes. „Pommes gab es früher nicht“, sagt Stübinger.
In diesem Jahr ist dafür das klassische Griebenschmalzbrot aus dem Sortiment verschwunden. „Die Leute essen nicht mehr so fett“, kennt der Festwirt die Vorlieben. Dafür steht Brot mit weißem Käse hoch im Kurs. Auch Brot mit „Ausgstraafta“ gehört zur Bierwoche dazu. Und natürlich Fischbrötchen.
Valentyna wickelt Tag für Tag rund tausend Bestecksets in Servietten ein. Polieren muss sie die Messer und Gabeln nicht. Dafür sorgt eine Spezialmaschine, die mit feinem Maisgries die gespülten Besteckteile trocknet und gleichzeitig auf Hochglanz poliert.
1000 Liter Altfett fallen an
Besonders spannend wird es dort, wo andere lieber nicht hinschauen – bei der Entsorgung. Jürgen Stübinger öffnet die Deckel großer gelber Tonnen. Darin sammelt sich das gebrauchte Frittierfett und das Fett aus der Hähnchenbraterei. Rund tausend Liter Fett werden während der Bierwoche entsorgt. Es wird von einem Spezialentsorger abgeholt und in einer Biogasanlage weiterverwertet.
Fast noch überraschender ist das Schicksal der alten Brötchen und Bratwurststollen. Tausende sind nach dem ersten Bierwochen-Wochenende übriggeblieben. Nicht, weil weniger los war als in den Vorjahren, sondern weil sich der Ansturm einfach nicht gut kalkulieren lässt.
„Nach dem ersten Wochenende können wir alles besser berechnen“, so der Festwirt. Schon nach dem ersten Wochenende ist ein riesiger Anhänger voll mit nicht verwendeten Brötchen. „Die Brötchen holt ein Fischzüchter ab. Der verwendet sie als Fischfutter“, sagt Jürgen Stübinger.
Der übrige Abfall wird konsequent getrennt. Oben in den Bierwochen-Ecken müssen die Mitarbeiter kaum noch sortieren. Knochen wandern in den Restmüll, nahezu alles andere landet im Biomüll. Und der wird nach Himmelkron gebracht und über den Müll der Frankenfarm entsorgt.
Von all dem ahnen die Gäste nichts. Sie stoßen im Zelt an, genießen ihre Maß und ihre Brotzeit und feiern bis spät in die Nacht.


















