Namensserie
Groß, klein, leicht: Fränkische Familiennamen
Ein Leichtes für Herrn Leicht: Bernhard Leicht aus Niederfüllbach bei Coburg trägt seine Frau Corinna gerne mal auf Händen.
Ein Leichtes für Herrn Leicht: Bernhard Leicht aus Niederfüllbach bei Coburg trägt seine Frau Corinna gerne mal auf Händen.
Foto: Pia Ultsch
Groß, klein, leicht: Fränkische Familiennamen haben witzige Hintergründe. Für Bernhard Leicht ist es ein Leichtes, seine Frau Corinna auf Händen zu tragen.
Groß, klein, leicht: Fränkische Familiennamen haben witzige Hintergründe. Für Bernhard Leicht ist es ein Leichtes, seine Frau Corinna auf Händen zu tragen.
Foto: Pia Ultsch
F-Signet von Oliver Ultsch Fränkischer Tag
LKR Coburg – Heute um Körperliches: um Dicke und Dünne, einen gar nicht so schmächtigen Schmeling und einen zu kurz geratenen Heinz.

Dieses Mal geht es bei „So heißt Franken“ sportlich zu. Als Max Schmeling 1930 erstmals Schwergewichtsweltmeister im Boxen wurde, war der in Hamburg aufgewachsene, muskulöse und breitschultrige Athlet eins der größten Idole seiner Zeit. Dabei steht das niederdeutsche schmel als Synonym für „schmal“ und bedeutete „klein, gering, kärglich“.

In Bern wurde im Sommer 1954 ebenfalls Geschichte geschrieben. Das entscheidende Tor zum Fußball-WM-Titel schoss Helmut Rahn. Dessen Körperbau beeindruckte damals niemanden, er war – wie 20 Jahre später Gerd Müller – eher kräftig und konnte bestimmt keinen 100-Meter-Lauf für sich entscheiden. Aber was soll’s – ein durchtrainierter und sportlicher Körper garantiert eben keine Tore. Doch, man horche auf, rahn stand oberdeutsch für „schlank, hager, rank“.

Oliver Ultsch ist Versicherungskaufmann und Buchautor. In seiner Freizeit beschäftigt er sich leidenschaftlich gern mit Ahnen- und Namensforschung. Ultsch ist verheiratet,  hat zwei Kinder  und lebt in Niederfüllbach, einem Vorort von Coburg.
Oliver Ultsch ist Versicherungskaufmann und Buchautor. In seiner Freizeit beschäftigt er sich leidenschaftlich gern mit Ahnen- und Namensforschung. Ultsch ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Niederfüllbach, einem Vorort von Coburg.
Foto: Pia Ultsch

Bei Sebastian Vettel – schon sind wir in der Neuzeit angekommen – ist hingegen unbestritten: Durch eiserne Disziplin und regelmäßiges Training hielt und hält er sich fit, um Formel-1-Rennen zu fahren. Denn ein Rennfahrer muss natürlich ins Cockpit seines Rennwagens passen. Beim Nachnamen Vettel könnte man eigentlich etwas anderes erwarten. Denn Vettel kommt von veist oder vet. Und das heißt... ja, eben genau das. Ein Urahn Vettels war wohl ziemlich wohlgenährt.

All dies sind Prototypen für Nachnamen, die aus unübersehbaren Merkmalen entstanden sind.

Und man merkt aber auch: Bei allen dreien sind die Gene des einstigen Namensgebers schon längst „verflogen“.

Im Gegensatz dazu einer der erfolgreichsten Schwimmer des Landes mit 21 internationalen Titeln – Michael Groß. Die Gegner beeindruckte er in den 80er-Jahren neben seiner herausragenden Leistung im Schwimmbecken außerdem mit einer Körperlänge von über zwei Metern. Endlich, möge man laut rufen, endlich einer, der seinem Namen alle Ehre macht.

Ganz im Norden Frankens gibt es die meisten Menschen namens Kleinhenz.
Ganz im Norden Frankens gibt es die meisten Menschen namens Kleinhenz.
Foto: www.geogen.stoepel.net

Auch in Franken gibt es einige Menschen, aus deren rein objektiven Merkmalen der Nachname entstand. An der Grenze von Baden-Württemberg nach Bayern häuft sich der Name Dürr, auf beiden Seiten und außerdem in einem Streifen quer durchs benachbarte Bundesland. In Franken sind Würzburg und Kitzingen die Hochburgen – und haben mit Gaubüttelbrunn (Gemeinde Kirchheim) direkt an dieser Demarkationslinie einen zentralen Punkt, an dem bereits Ende des 16. Jahrhunderts einige Dürrs lebten. Auch in Riedenheim und Wolkshausen, nur wenige Kilometer entfernt, waren sie damals schon ansässig.

Dieser mittelhochdeutsche Begriff in der Bedeutung „mager, dünn“ hat sich bis heute gehalten. Und für jeden Bewohner eines Ortes war mit dieser Beschreibung bestimmt klar, wer gemeint war. Ob derjenige, der so arg unterernährt aussah, besonders mittellos war oder auf Grund seiner kräftezehrenden Tätigkeit auf dem Feld oder im Stall kein Fett auf den Rippen hatte?

So heißt Franken
So heißt Franken
Foto: D. Klumb

Alle mit Namen Klein ballen sich im Westen der Republik – diese Nachnamen gibt es bei uns verhältnismäßig selten. Und auch die alternative Bezeichnung Kurz ist in Franken rar gesät. Gab es wohl in heimischen Gefilden nur große Menschen? Man könnte es meinen, denn der Lang ist deutschlandweit am häufigsten in Hof und Umgebung. Der Großmann ist ebenfalls in Oberfranken überproportional vertreten. Vielleicht jedoch, weil er unter durchschnittlich gewachsenen Mitbürgern besonders auffiel.

Die Unterfranken haben bei den kleinwüchsigen Menschen wiederum kombiniert. Der Kleinhenz als Bezeichnung für einen zu kurz geratenen Heinz hat sich zweifelsfrei vom Landkreis Bad Kissingen aus verbreitet.

Klein, gering, kärglich? Das altdeutsche Wort „schmel“ scheint so gar nicht zu einem der berühmtesten deutschen Boxer – Max Schmeling – zu passen.
Klein, gering, kärglich? Das altdeutsche Wort „schmel“ scheint so gar nicht zu einem der berühmtesten deutschen Boxer – Max Schmeling – zu passen.
Foto: mgo-Archiv

Nachnamen wie Leicht und Rank hätte man im ersten Moment wohl auch ähnlich eingeordnet. Aber weit gefehlt: Leicht stand damals für den leichtfertigen, unbeständigen Charakter. Da wurde mit dem Familiennamen eher auf die Inkonsequenz und Unbedachtheit hingewiesen. Dieser Name ist in Bamberg, Lichtenfels und in der Rhön deutschlandweit am häufigsten.

Der Rank (Schwerpunkt Hof) kann auf „lang, dünn“ zurückgehen – jedoch nur im Mittelniederdeutschen und somit im Norden des Landes. Bei uns hingegen stand ranc für den Rand oder die Umrandung (Wohnort am Ortsende oder außergewöhnliche Beeteinfassung?). Aber auch für eine schnelle oder drehende Bewegung, vielleicht einen Tänzer oder einen hektischen Zeitgenossen.

In Franken leben auffällig viele Menschen, die den Namen Leicht tragen.
In Franken leben auffällig viele Menschen, die den Namen Leicht tragen.
Foto: www.geogen.stoepel.net

Kaum mehr bekannt hingegen: Der mittelhochdeutsche Begriff zilic bezeichnete einen kleinen schmächtigen Zeitgenossen. Die Hochburg des Zillig ist bei den Familiennamen der Landkreis Lichtenfels. Auch in Bamberg gibt es einige, ansonsten deutschlandweit nur vereinzelt. Mit einem Johannes Zillig, der um 1635 in Wiesen bei Bad Staffelstein geboren wurde, ist vermutlich für die meisten schon der erste nachvollziehbare Vorfahre gefunden.

Vorschau: Neben den objektiven sind auch zahlreiche subjektive Eigenschaften in die Namensgebung eingeflossen. In der nächsten Folge geht es um das Mundwerk – Grund zum Schmunzeln gibt es da genug.

Leicht, aber nicht leichtfertig : Bernhard und Corinna Leicht erzählen

Sie mögen ihren Namen. Aber dass er ihren Vorfahren wegen deren Leichtfertigkeit verpasst wurde, das bezweifeln Bernhard (61) und Corinna Leicht (56) sehr. Die beiden kommen ursprünglich aus München und leben mittlerweile seit vielen Jahren in Niederfüllbach bei Coburg.

Bernhard Leichts Vater, Jahrgang 1909, war Donauschwabe. „Er kam aus dem früheren Jugoslawien. Sein Schicksal war alles andere als leicht: Seine erste Ehefrau und seine Tochter wurden nach dem Zweiten Weltkrieg verschleppt. Wahrscheinlich sind sie verhungert. Vater schlug sich mit seinem Sohn, meinem Halbbruder, nach Österreich durch. Am Ende wurde er in München sesshaft, wo er seine zweite Frau fand.“

In München wurde auch Bernhard Leicht geboren.Und er fand hier die Frau fürs Leben, Corinna Haitchi. „Meinen Mädchennamen musste ich natürlich immer buchstabieren“, sagt sie heute lachend. „Deswegen war ich froh, als ich den Namen meines Mannes annehmen konnte.“ Wenn ihn jemand nicht genau versteht, sagen die Leichts einfach: „Leicht wie schwer“ – und schon ist jeder im Bilde.

Corinna Leicht freut sich, dass im Coburger Land etwas möglich ist, das in keinem anderen Landkreis ginge: Ihr Autokennzeichen trägt ihre Anfangsbuchstaben: CO-LE.

Einen bekannten Verwandten hatte das Paar in Passau: Künstler Sebastian Leicht ist mittlerweile aber schon seit 20 Jahren tot. Ebenso wenig wie zu ihm passt das Attribut „leichtfertig“ zu seinen Verwandten in Niederfüllbach. „Ich bin eher einer, der alles dreimal nachprüft“, sagt der selbstständige Maschinenbau-Ingenieur – und seine Frau bestätigt das lächelnd. (Diana Fuchs)

Hier tragen besonders viele Menschen den Nachnamen Dürr.
Hier tragen besonders viele Menschen den Nachnamen Dürr.
Foto: www.geogen.stoepel.net
Ein Leichtes für Herrn Leicht: Bernhard Leicht aus Niederfüllbach bei Coburg trägt seine Frau Corinna gerne mal auf Händen.
Ein Leichtes für Herrn Leicht: Bernhard Leicht aus Niederfüllbach bei Coburg trägt seine Frau Corinna gerne mal auf Händen.
Foto: Pia Ultsch
Hier wohnen viele Familien namens Rank.
Hier wohnen viele Familien namens Rank.
Foto: www.geogen.stoepel.net

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