Die Metropolregion Nürnberg bewirbt sich um den Titel als Welt-Agrarkulturerbe. Im Zentrum der Bewerbung stehen die vielen regionalen Erzeuger, die Obst, Gemüse, Fleisch, Bier, Wein und weitere typisch fränkische Produkte herstellen. Wer sind sie? Wir stellen sie in loser Reihenfolge vor.
Zugegeben, er ist ein bisschen aus der Zeit gefallen. Eine Hopfensorte, die zu spät reift, Probleme mit dem Klimawandel hat und so stark Hopfendolden bildet, dass sie Maschinen verstopft – ist so eine Sorte wirklich interessant für Brauereien?
Die Antwort: Nein und Ja.
Nein, große Industriebrauereien können damit vermutlich nichts anfangen.
Sollen sie aber auch gar nicht, denn Ja: Für die Privatbrauerei Hofmann in Pahres im Aischgrund ist der "Aischgründer Historia" ein Gewinn.
Doch von vorne. In Pahres treffen wir Braumeister Peter Köhler und Junior-Chefin Victoria Hofmann zum Gespräch – stilecht hinter der Theke des Brauerei-Gastraums.
Seit 1663 gibt es die Privatbrauerei Hofmann, über 360 Jahre lang führten und führen die Georgs, Leonhards und Johanns der Familie Hofmann das Unternehmen. Nun steht Victoria Hofmann in den Startlöchern.
Eben diese Brauerei ist eng mit Pahres, dem Aischgrund und den dort verwurzelten Menschen verbunden. Rund 40 Angestellte arbeiten bei Hofmann, man richtet ein Bierfest aus, beliefert Wirtshäuser und Feste in der Region – und kommt so in Kontakt. "Es stand am Montag schon mal jemand plötzlich vor mir und meinte, er hat am Samstag auf der Kerwa mit dem Chef ein Praktikum ausgemacht", berichtet Braumeister Peter Köhler schmunzelnd.
Die Sache mit dem Hopfen
Fast alle Zutaten für die Hofmann-Biere kommen aus Franken oder zumindest Bayern. Und das bringt uns zurück zum Aischgründer Hopfen.
Denn: Wo heute die Privatbrauerei Hofmann steht, wuchs einst Hopfen. Bis in die 1930er-Jahre hinein war der Aischgrund sogar Teil des größten Hopfenanbaugebiets der Welt, doch Missernten beendeten diese Tradition, erklärt Köhler. Der "Aischgründer Historia" geriet für viele Jahre in Vergessenheit.
Bis ihn ein Gastwirt wieder in Erinnerung rief.
Peter Köhler erinnert sich: "Er meinte immer: 'Hey, ich hab fei noch alte Pflanzen an der Scheune'. Erstmal waren wir skeptisch, man kann ja viel sagen." Eine Untersuchung der Hopfenforschungsanstalt in Hüll beseitigte dann aber alle Zweifel: "Das war wirklich unsere Hofmarke", sagt Victoria Hofmann.
2018 haben Hofmanns ihre Hopfensorte schützen lassen, nach einigen Anlaufschwierigkeiten wächst sie nun wieder bei einer Hopfenbäuerin in Gräfenberg im Landkreis Forchheim. "Da ist er in besten Händen und gedeiht ganz prächtig", sagt Peter Köhler.
Verwendet wird der Hopfen für die Hauptsorte der Brauerei, das helle Landbier. "Es hat schon seinen Grund, warum neue Sorten gezüchtet worden sind. Aber für uns ist dieser besondere Hopfen ein Ausdruck dafür, dass unser Bier immer noch ein bisschen Liebe mitbekommt", erklärt Köhler.
Ein Liebhaberprojekt also, das nicht als Massenprodukt taugt, das aber auch gar nicht sein soll.
Eine Branche unter Druck
Apropos Massenprodukt: Die Brauerbranche steht seit Jahren unter Druck, die Nachfrage nach Bier sinkt. Laut Statistischem Bundesamt haben Brauereien in Deutschland 2025 nur 7,8 Milliarden Liter abgesetzt. Das waren sechs Prozent weniger als im Vorjahr und ist der stärkste Rückgang seit Einführung der Statistik im Jahr 1993. Gründe dafür sind laut Statistischem Bundesamt ein gesünderer Lebensstil ohne Alkohol, geänderte Trinkgewohnheiten und die Alterung der Gesellschaft.
Wie sehr trifft diese Entwicklung die Privatbrauerei Hofmann? Köhler und Hofmann spüren die Veränderung am Markt, erkennen aber auch, dass Bier in Franken eine nach wie vor große Rolle spielt, die Konsumenten loyal sind. "Der Zustrom zu Bierfesten oder Kirchweinen ist eigentlich ungebrochen", beobachtet Peter Köhler. "Aber die Leute bleiben vielleicht nicht mehr so lange sitzen."
Während weniger alkoholhaltiges Bier getrunken wird, wird alkoholfreies Bier immer populärer. Hofmann hat zwar 18 Sorten im Angebot, davon allerdings kein alkoholfreies. Warum?
"Bier ist ein Frischeprodukt", erklärt Köhler. Was produziert wird, muss auch zeitnah verkauft werden. Nur: Die Nachfrage war bisher bei Hofmann nicht so groß, dass es sich gelohnt hätte. "Aber wir haben es im Hinterkopf, klar", sagt Victoria Hofmann.
Was der Welterbe-Titel bedeuten würde
Die Metropolregion Nürnberg bewirbt sich um den Titel des Welt-Agrarkulturerbes. Wie fügt sich die Brauerei Hofmann in diese Bewerbung ein?
"Wir tragen auf jeden Fall zur Biervielfalt bei", sagt Victoria Hofmann. Gleichzeitig sei die Brauerei ein Bindeglied zwischen Stadt und Land – das Hofmann-Bier sei tief verwurzelt auf Dorffesten, habe aber auch in der Nürnberger Kneipenszene längst Fuß gefasst.
Zudem biete der Titel die Chance, zu sensibilisieren: Wie viel Aufwand steckt hinter den Rohstoffen, wie viel Aufwand hinter Produktion und Verkauf?







