HSC Coburg
Nach lahmen Wölfen: HSC zu Gast bei Tempo-Team
Ein Tänzchen nach dem Derbysieg: Der HSC Coburg jubelt nach dem Spiel gegen die Wölfe Würzburg. Große Freude herrschte aber trotzdem nicht.
Ein Tänzchen nach dem Derbysieg: Der HSC Coburg jubelt nach dem Spiel gegen die Wölfe Würzburg. Große Freude herrschte aber trotzdem nicht.
Uwe Gick
Tobias Herrling von Tobias Herrling Fränkischer Tag
Coburg – Geschwindigkeitsfanatiker nach Schlafwagen-Wölfen: Nach dem Derbysieg über müde Würzburger Wölfe muss Zweitligist HSC 2000 Coburg zum Tabellenvierten Dessau-Roßlauer HV.

Viktor Glatthard versuchte noch einmal alles. Nach dem Abpfiff des einseitigen Derbys in der 2. Handball-Bundesliga zwischen dem HSC 2000 Coburg und den Wölfen Würzburg (27:21) schnappte sich der Schweizer ein Mikrofon und stimmte vor der Fankurve eine „Humba“ und „Derbysieger“ an. Fans und Spieler machten artig mit.

Nur: Richtige Stimmung wollte trotzdem nicht aufkommen – und das passte in die Gefühlslage der Hausherren. Ob Fans, Spieler oder Funktionäre: Große Freude kam nach dem Frankenduell nicht auf. Beinahe wirkte die Szenerie so, als hätten die Coburger das Spiel verloren.

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Die Unzufriedenheit resultierte aus der Art und Weise, wie der Derbysieg vor nur 1452 Zuschauern, darunter rund 20 Fans der Unterfranken, am verschneiten Mittwochabend zustande gekommen war. Gegen erschreckend harm- und zahnlose Wölfe reichte dem klar überlegenen HSC eine allenfalls durchschnittliche Leistung, um zu einem ungefährdeten Sieg zu kommen. Für HSC-Trainer Brian Ankersen war es zudem der erste Derbysieg seit seiner Amtsübernahme im Oktober 2021.

Brian Ankersen mit Leistung unzufrieden

„Man ist immer glücklich über zwei Punkte“, sagte der 34-jährige Däne nach dem Spiel, um danach den Derbysieg zu relativieren: „Ich bin ab und zu aber auch zufrieden, wenn wir verloren haben, die Leistung aber gut war. Deswegen darf man auch unzufrieden sein, wenn man gewonnen hat, aber das Spiel nicht gut war – so wie heute.“

Nach 22 Minuten, als der überragende Coburger Torwart Jan Kulhanek (15 Paraden/50 Prozent gehaltene Bälle) mit einem Wurf ins leere Tor auf 10:5 stellte, hatte der HSC die Gäste erstmals distanziert. Weil die zwar defensivstarken Coburger aber regelmäßig an Wölfe-Torwart Jonas Maier scheiterten, verpassten die Hausherren eine deutlichere Führung.

Derby plätschert vor sich hin

Das holten die Vestestädter in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit nach, als sie schnell auf sechs Treffer davonzogen – und das Derby letztlich vor sich hinplätscherte, weil die Coburger einen durchaus möglichen Kantersieg leichtfertig liegenließen.

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„Die erste Halbzeit war noch in Ordnung. Im zweiten Abschnitt war dann die Luft etwas raus. Nach 40 Minuten konnte man sehen, wo es hingeht und dann war es schwer, die Spannung hochzuhalten“, sagte Ankersen, dessen Mannschaft nur defensiv überzeugte und sich im Angriff einmal mehr zahlreiche technische Fehler leistete.

Wölfe Würzburg wie ein Absteiger

Die abstiegsgefährdeten Wölfe, die in dieser Verfassung wohl kaum zu retten sind, bestraften das aber nicht. Deren Trainer Julian Thomann sagte: „Es war kein hochklassiges Spiel, vor allem nicht von uns. Es war eine ganz, ganz ärgerliche Leistung, die aber auch erklärbar war.“

Die Würzburger traten in Coburg grippe- und ersatzgeschwächt an und reaktivierten ob der personellen Engpässe sogar Ex-Kapitän und Urgestein Stefan Schmitt, der seine Karriere vor vier Jahren beendet hatte.

Ebenfalls geschwächt, aber dennoch mit breiterem Kader ging der HSC ins Spiel. Doch Trainer Ankersen haderte mit der Leistung von Spielern aus der zweiten Reihe: „Mich ärgert es, dass Spieler, die zuvor weniger gespielt haben, ihre Chance bekommen und nicht konsequent durchziehen. Das muss ein höherer Standard sein.“ Namen nannte der HSC-Trainer aber keine.

2. Bundesliga

Dessau-Roßlauer HV (4.) – HSC 2000 Coburg (9.)

Viel Zeit zur Derby-Analyse haben die Coburger aber nicht. Zum Abschluss der englischen Woche gastiert der HSC (9./17:15 Punkte) am Samstag (19.30 Uhr, sportdeutschland.tv) beim Dessau-Roßlauer HV (4./20:10). Die Mannschaft des Trainer-Routiniers Uwe Jungandreas siegte am Mittwochabend mit 28:25 bei Aufsteiger VfL Potsdam und bleibt auf Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen.

Nachdem der DRHV in der Vorsaison noch gegen den Abstieg gekämpft hatte, mischen die Sachsen-Anhaltiner nun vorne mit. Überraschend kommt das für Ankersen aber nicht. „Man hat in der vergangenen Rückrunde gesehen, wie gut sie spielen. Sie haben die Mannschaft zusammengehalten, ihr Konzept gefunden und ziehen das gnadenlos durch“, sagt Ankersen über den DRHV, der vor allem für sein hohes Tempo bekannt ist und in Vicent Sohmann seinen Taktgeber hat.

Zudem hat Dessau-Roßlau mit Jakub Hrstka einen pfeilschnellen Linksaußen und Timo Löser einen Shooter im rechten Rückraum. Und mit Philip Ambrosius hat der DRHV den gemessen an der Anzahl der Paraden stärksten Torwart der Liga (165).

„Wenn wir so viele Fehler machen wie gegen Würzburg, wird es ganz schwer“, weiß Ankersen, dass sich seine Mannschaft deutlich steigern muss. Ob die zuletzt fehlenden Felix Dettenthaler und Florian Billek, der erhöhte Entzündungswerte hat und deswegen gegen die Wölfe pausierte, in den Kader zurückkehren, müsse man abwarten.

Die Aufgebote:

Dessau-Roßlauer HV: Patzwaldt, Ambrosius – Löser, Hrstka, Haake, Gempp, Sohmann, Misovych, Schmidt, Haeske, Gliese, Bones, Emanuel, Pust, Leu

Trainer: Jungandreas

HSC 2000 Coburg: Kulhanek, Apfel– Runarsson, Dettenthaler (?), Mund, Bis, Glatthard, Fuß, Siegler, Ossowski, Billek (?), Herzig, Krone, Knauer, Schäffer, F. Jaeger, Schröder

Trainer: Ankersen

Schiedsrichter: Thöne (Lilienthal) / Zupanovic (Berlin)

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