HSC Coburg
HSC-Sieg: Großer Kampf statt Kuschelkurs
Mit einem starken Ballgewinn hatte Coburgs Kreisläufer eine wichtige Aktion in der Schlussphase, die zum verdienten Sieg des HSC über Nordhorn führte,
Mit einem starken Ballgewinn hatte Coburgs Kreisläufer Jan Schäffer eine wichtige Aktion in der Schlussphase, die zum verdienten Sieg des HSC über Nordhorn führte.
Uwe Gick
Tobias Herrling von Tobias Herrling Fränkischer Tag
Coburg – Hitzig, intensiv, hochklassig: Zweitligist HSC Coburg lieferte sich mit der HSG Nordhorn-Lingen einen Schlagabtausch – und stoppte die Siegesserie der Gäste.

Bären, Kühe, Schlangen, Mäuse oder Schafe: In der Halbzeitpause der Partie der Handball-Zweitligisten HSC 2000 Coburg und der HSG Nordhorn-Lingen ging es tierisch zu. Die Vestestädter hatten nach zwei Jahren wieder ihren Kuscheltierwurf für den guten Zweck veranstaltet – und die knapp 1500 Zuschauer in der HUK-Arena hatten einige kuschelige Begleiter dabei.

Von einem Kuschelkurs auf dem Spielfeld konnte aber keine Rede sein. Das Duell der ehemaligen Erstligisten war von Beginn an eine rassige, intensive und hitzige Angelegenheit – mit dem besseren Ende für den HSC. Dank einer starken zweiten Halbzeit und einer großen Willensleistung schlugen sie verdient die zuletzt dreimal in Folge siegreichen Gäste mit 30:27 (14:16).

2. Bundesliga

HSC 2000 Coburg – HSG Nordhorn-Lingen 30:27 (14:16)

Etwas mehr als fünf Minuten waren gespielt, da hatte das in den Anfangsminuten sehr temporeiche Spiel seinen ersten Aufreger: HSC-Torjäger Florian Billek traf HSG-Torwart Björn Buhrmester beim Siebenmeter im Gesicht. Eine Rote Karte gab es aber nicht, weil sich Buhrmester nach Ansicht der Schiedsrichter bewegt hat – zum Unmut der Gäste.

Als Coburgs Torwart Jan Kulhanek eine Doppel-Parade auf die Platte legte und Billek im Anschluss mit einem Heber ein feines Händchen bewies, kochte die Stimmung erstmals auf (4:3). Der Mann der ersten Minuten bei den Hausherren war aber Merlin Fuß, der drei der ersten fünf HSC-Treffer erzielte.

Die Gäste legten zunächst aber mit druckvollem und beweglichem Positionsspiel drei Treffer vor (8:5, 11.). Die zweitbeste Abwehr der Liga verteidigte kompromisslos, aber noch fand der HSC Lösungen. Etwa bei Fynn Herzigs Durchbruch oder Fuß’ Unterarmwurf zum 7:8 (13.). Coburgs Trainer Brian Ankersen merkte aber, dass sich seine Mannschaft, die sich gegenüber dem Essen-Spiel in der Offensive verbessert zeigte, zunehmend aufrieb – und brachte neben dem zusätzlichen Feldspieler eine Extra-Portion Kreativität.

Kapitän Andreas Schröder steuerte vier Treffer zum Coburger Sieg bei.
Kapitän Andreas Schröder steuerte vier Treffer zum Coburger Sieg bei.
Uwe Gick

Tumi Steinn Runarsson gab nach 15 Minuten sein Comeback. Zwar stellte sich der isländische Spielmacher mit einem Fehlpass ein, einen Angriff später zeigte der 22-Jährige mit einem sehenswerten Dreher aber seine Klasse (8:10, 16.).

Nordhorn-Lingen war aber zunächst weiter die bessere Mannschaft und hatte im Angriff vor allem Rechtsaußen Samuel Lindberg, den Rückraumlinken Georg Pöhle und Kreisläufer Dominik Kalafut als Abnehmer. Nach 19 Minuten (9:12) reagierte Ankersen mit einer Auszeit und brachte Felix Jaeger für Herzig im linken Rückraum.

Die Hausherren schlitterten in eine kritische Phase, denn die Gäste waren beim 15:11 durch den verwandelten Siebenmeter von Jaime Fernandez drauf und dran, sich erstmals deutlicher abzusetzen. Zudem haderte der HSC nicht nur in dieser Szene mit den Entscheidungen der Unparteiischen. Aber: Coburg ackerte und stemmte sich gegen die Überlegenheit Nordhorns.

Denn: Die HSG demonstrierte, warum sie derzeit einen Lauf hat und mit ihr in dieser Saison im Aufstiegskampf zu rechnen sein wird. Nach den ersten 30 Minuten war aber trotzdem noch alles drin, weil Jakob Knauer zum 14:16 aus dem Rückraum traf und Torwart Fabian Apfel den letzten Wurf der ersten Hälfte von Markus Stegefelt entschärfte.

Überragender Mann: Merlin Fuß (hinten) war mit sieben Toren bester HSC-Torschütze.
Überragender Mann: Merlin Fuß (hinten) war mit sieben Toren bester HSC-Torschütze.
Uwe Gick

Vier Minuten nach Wiederbeginn stellte der HSC nach Treffern von Kapitän Andreas Schröder, Runarsson und Herzig den 17:17-Ausgleich her. Das Duell blieb attraktiv, temporeich und umkämpft, denn beide Teams langten kräftig hin – zahlreiche Zeitstrafen inklusive. Der HSC lieferte dem Spitzenteam einen Kampf auf Augenhöhe und hatte in dieser Phase in Runarsson seinen Go-to-Guy. Zudem kaufte nun Apfel der HSG einige Bälle ab.

Die Belohnung für Coburgs deutliche Steigerung folgte in Minute 44: Runarsson zog die HSG-Abwehr auseinander, Fuß erkannte die Lücke und besorgte die 22:21-Führung. Als Bartlomiej Bis auf 23:21 (45.) stellte, schien die Partie endgültig gekippt zu sein. Die Gäste antworteten ihrerseits mit zwei Rückraumtoren von Pöhle zum 23:23-Ausgleich (48.). Mit seinem sechsten Tor des Abends brachte Fuß, der seine beste Saisonleistung zeigte, den HSC wieder in Führung (25:24, 50.).

Fünf Minuten vor Schluss nahm der Heimsieg Konturen an. Jan Schäffer eroberte sich in der Abwehr stark den Ball, schickte Billek auf die Reise und der traf zum 27:25. Weil Runarsson anschließend ein Stürmerfoul produzierte, verpasste der HSC es, auf drei Tore davonzuziehen. Stattdessen verkürzte Julian Possehl auf 26:27 (56.). Nach einem weiteren Fuß-Treffer und einer Apfel-Parade führte Coburg gut zwei Minuten vor Schluss mit 28:26. Entschieden war das Spiel aber nicht.

Jubel in Coburg: Der HSC schlug Nordhorn verdient.
Jubel in Coburg: Der HSC schlug Nordhorn verdient.
Uwe Gick

Nordhorn öffnete seine Abwehr, doch anstatt den Raum zu nutzen, verlor Runarsson den Ball und die Gäste verkürzten rund 70 Sekunden vor Schluss durch Pöhle auf 27:28. Wenig später stand der Heimsieg aber fest: Nach einem Foul an Herzig agierte der HSC in Überzahl – und nutzte das aus. Bis legte auf Billek und der markierte das entscheidende 29:27.

Die Statistik:

HSC 2000 Coburg: Kulhanek (3 Paraden), Apfel (9 Paraden) – Runarsson (5/1), Dettenthaler (2), Bis (1), Glatthard, Fuß (7), Siegler, Ossowski (1), Billek (6), Herzig (2), Krone, Knauer (1), Schäffer (1), F. Jaeger, Schröder (4)

HSG Nordhorn-Lingen: Ravensbergen (1 Tor/9 Paraden), Buhrmester (2 Paraden) – Lindberg (6), Marschall (2), Stegefelt, Fernandez (3/2), Terwolbeck, de Boer (1), Seidel, Possehl (3), Wasielewski, Pöhle (7), Kalafut (4)

Schiedsrichter: Kolb (Augsburg) / Kauth (Taufkirchen)

Zuschauer: 1512

Zeitstrafen: 3 (2x Schäffer, Dettenthaler) – 6 (2x Wasielewski, 2x de Boer, Fernandez, Pöhle)

Siebenmeter: 1/3 (Billek und Runarsson verwerfen je einmal) – 2/2 (Fernandez trifft beide Versuche)

Spielfilm: 1:0 (1.), 2:3 (4.), 5:8 (11.), 8:10 (16.), 10:13 (21.), 11:15 (23.), 13:16 (28.), 14:16 (30.), 17:17 (34.), 19:20 (38.), 21:21 (43.), 23:21 (45.), 25:24 (50.), 27:25 (55.), 30:27 (60.)

Beste Spieler: Runarsson, Fuß – Lindberg, Pöhle

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen:
Inhalt teilen

Oder kopieren Sie den Link: