HSC Coburg
Bitteres Unentschieden: Coburg verliert 26:26
HSC-Kreisläufer Jan Schäffer erzielte vier Tore und war einer der stärksten Coburger.
HSC-Kreisläufer Jan Schäffer erzielte vier Tore und war einer der stärksten Coburger.
Iris Bilek
Tobias Herrling von Tobias Herrling Fränkischer Tag
Coburg – Deutlich geführt, aber nur einen Punkt geholt: Zweitligist HSC 2000 Coburg zeigt beim Dessau-Roßlauer HV eine starke Leistung – und wird kurz vor Schluss kalt erwischt.

Dieses Unentschieden fühlt sich wie eine Niederlage an: Handball-Zweitligist HSC 2000 Coburg holte am Samstagabend ein 26:26 (15:13)-Unentschieden beim Tabellenvierten Dessau-Roßlauer HV. Dabei zeigte die Mannschaft von Trainer Brian Ankersen über weite Strecken eine starke Leistung, hatte gegen die „Tempo-Monster“ aus Sachsen-Anhalt die richtigen Mittel gefunden und lag zeitweise mit fünf Treffern in Führung.

Selbst zehn Sekunden vor Schluss sahen die Vestestädter noch wie der Sieger aus, doch dann leistete sich der HSC einen Ballverlust, und Carl Philipp Haake traf zum Ausgleich für die Hausherren.

2. Bundesliga

Dessau-Roßlauer HV – HSC 2000 Coburg 26:26 (13:15)

Eine gute Nachricht gab es für die Coburger vor dem Spiel: Max Preller gab sein Comeback. Der 22-jährige Linksaußen hatte sich im August im Testspiel gegen den HC Oppenweiler/Backnang eine Schulterverletzung zugezogen und musste mehrere Monate pausieren.

Damit hatte sich die Situation auf den Außenbahnen zumindest ein wenig entspannt, trotzdem musste HSC-Trainer Brian Ankersen weiterhin auf die Flügelspieler Max Jaeger (Rücken), Felix Dettenthaler (krank) und Florian Billek (Lungenentzündung) verzichten.

Das Coburger Duo auf den Außenbahnen bildeten zunächst Julius Siegler, der sein Startsieben-Debüt feierte, auf links und Jannes Krone auf rechts. Im Rückraum agierten Fynn Herzig, Arkadiusz Ossowski, der im Angriff für Kapitän Andreas Schröder kam, und Merlin Fuß. Am Kreis begann Jan Schäffer.

In den ersten Minuten schlug der HSC den DRHV mit dessen eigenen Mitteln: Die Sachsen-Anhaltiner, die bekannt sind für ihr enormes Tempo, kamen zunächst nicht ins Rollen – und kassierten selbst schnelle Gegentore. Krone per Konter und Schröder aus der zweiten Welle besorgten die 4:1-Führung (5.).

Jannes Krone (am Ball) brachte Coburg drei Minuten vor Schluss in Führung.
Jannes Krone (am Ball) brachte Coburg drei Minuten vor Schluss in Führung.
Iris Bilek

Die Vestestädter knüpften nahtlos an ihre starke Abwehrarbeit gegen die Wölfe an und ließen den Rückraum des DRHV kaum zur Entfaltung kommen. Und im Angriff suchte und fand der HSC immer wieder den Weg über den Kreis, konnte sich aber auch auf die Klasse von Fynn Herzig verlassen (9:7, 19.).

Die Hausherren steigerten sich zwar im Laufe der ersten Abwehr in der Abwehr und provozierte Coburger Fehler. Nur: Kapital in Form von einfachen Toren schlug der DRHV zunächst nicht, weil die Gäste ein starkes Rückzugsverhalten an den Tag legten.

Mit zwei Toren nach dem Geschmack der Hausherren glich der DRHV vier Minuten vor der Pause aus. Erst verkürzte Tillman Leu, dann traf Vincent Sohmann zum 11:11 (26.). Beide Male leistete sich der HSC einen Fehler, den der Tabellenvierte über die zweite Welle bestrafte.

In Führung liegend und in Überzahl – im ersten Abschnitt hagelte es satte elf Zeitstrafen – ging Coburg in die letzten zwei Minuten des ersten Durchgangs. Ossowski und Preller mit seinem Comeback-Tor nutzten die Lücken aus und stellten den 15:13-Halbzeitstand her.

Beleidigungen von den Rängen

Die Mannschaft von Trainer Brian Ankersen ging verdient mit einer Führung in die Halbzeit, weil der HSC aufmerksam verteidigte und Torwart Jan Kulhanek mit sechs Paraden in den ersten 30 Minuten erneut gut aufgelegt war. Zudem war Coburg kaltschnäuzig und hatte eine Trefferquote von starken 83 Prozent. Und: Der HSC, dem teilweise Kraftausdrücke von den Rängen entgegenflogen, ließ sich von der hitzigen Atmosphäre nicht anstecken.

Deutlich temporeicher ging es im zweiten Durchgang zu. Herzig und Preller erhöhten für den HSC auf 17:13 (31.) und die Coburger waren weiter variabel. So traf erst Herzig per Schlagwurf, dann war Schäffer nach geduldigem Spiel am Kreis völlig frei (20:16, 35.). Nachdem Preller die erste Fünf-Tore-Führung noch liegengelassen hatte, machte es kurz darauf Schröder besser (21:16, 38.). DRHV-Trainer Uwe Jungandreas hatte genug und reagierte mit einer Auszeit.

Einfluss auf das Spiel hatte die Maßnahme aber noch nicht, denn der HSC zeigte weiter eine starke Leistung und spielte so, wie es Dessau-Roßlau gerne getan hätte: schnell und die Fehler des Gegners bestrafend. Krone traf per Gegenstoß zum 22:18 und Felix Jaeger stellte aus dem Rückraum den Fünf-Tore-Abstand wieder her.

Coburgs Bartlomiej Bis steuerte zwei Treffer bei.
Coburgs Bartlomiej Bis steuerte zwei Treffer bei.
Iris Bilek

Dann blitzte Dessaus Qualitäten auf, als der DRHV zügig den Rückstand auf drei Treffer reduziert hatte (20:23, 44.). HSC-Trainer Ankersen reagierte prompt mit einer Auszeit. Die Hausherren, die defensiv eine Schippe draufpackten, hatten nun ihre stärkste Phase.

Ankersen wechselte Tumi Steinn Runarsson ein, der für mehr Kreativität sorgen sollte. Zunächst verkürzte aber der überragende Timo Löser auf 21:23 (49.). Kurz darauf verletzte sich Dessaus wurfgewaltiger Halblinker nach einem erfolglosen Abschluss am Sprunggelenk, kehrte in der Schlussphase aber zurück.

Coburg rieb sich im Angriff weiter auf, erspielte sich kaum noch klare Möglichkeiten – und verspielte seinen Vorsprung. Nachdem dem HSC in 13 Minuten nur zwei Treffer gelungen waren, erzielte Jakub Hrstka per Gegenstoß den 24:24-Ausgleich (55.). Ein weiterer Grund für das DRHV-Comeback: Torwart Janik Patzwaldt, der den glücklosen Philip Ambrosius ablöste und mit seinen Paraden zum Faktor wurde.

Zum Matchwinner aber schien auf der Gegenseite Kulhanek zu werden. Nachdem Krone gefühlvoll auf 26:25 gestellt hatte (57.), entschärfte der 41-Jährige zweimal in Folge gegen Yannick-Marcos Pust und hielt den Vorsprung fest. Kulhanek sollte aber nicht zum Matchwinner werden.

Denn: Als der DRHV seine Abwehr öffnete, fing Carl Philipp Haake einen Pass von Schröder auf Fuß ab – und verwandelte den Gegenstoß zehn Sekunden vor Schluss zum 26:26-Ausgleich. Eine Antwort hatte der HSC darauf nicht mehr.

Die Statistik:

Dessau-Roßlauer HV: Patzwaldt (13 Paraden), Ambrosius (2 Paraden) – Löser (9), Hrstka (3/1), Haake (1), Gempp (2), Sohmann (2), Misovych (1), Schmidt, Haeske (1), Gliese, Danneberg, Bones, Emanuel (2), Pust (3), Leu (2)

HSC 2000 Coburg: Kulhanek (14 Paraden), Apfel (n.e.) – Preller (2), Runarsson (1/1), Bis (2), Glatthard (1), Fuß (1), Siegler, Ossowski (2), Herzig (5), Krone (4), Knauer, Schäffer (4), F. Jaeger (1), Schröder (3)

Schiedsrichter: Thöne (Lilienthal) / Zupanovic (Berlin)

Zuschauer: 1062

Zeitstrafen: 7 (2x Schmidt, 2x Emanuel, 2x Leu, Haeske) – 6 (2x Schäffer, 2x Bis, Herzig, Krone)

Siebenmeter: 1/1 (Hrstka trifft) – 1/1 (Runarsson trifft)

Spielfilm: 1:1 (3.), 1:4 (5.), 4:7 (10.), 6:7 (16.), 7:10 (21.), 11:11 (26.), 13:15 (30.), 13:17 (31.), 16:21 (38.), 18:22 (42.), 20:23 (44.), 21:24 (51.), 24:24 (55.), 25:26 (58.), 26:26 (60.)

Beste Spieler: Löser, Patzwaldt – Kulhanek, Schäffer

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