HSC Coburg
Rassige Angelegenheit ohne Happy-End
So viel Platz wie in dieser Szene Arkadiusz Ossowski hatten die Coburger gegen ein Defensiv starkes Bietigheim selten.
So viel Platz wie in dieser Szene Arkadiusz Ossowski hatten die Coburger gegen ein Defensiv starkes Bietigheim selten.
Foto: Uwe Gick
Coburg – Zweitligist HSC Coburg macht gegen Bietigheim Rückstände weg, aber den Deckel nicht drauf. Zum Matchwinner avanciert ausgerechnet ein Ex-Coburger.

„Zusammengefasst kann man sagen, dass wir einen ordentlichen Auftakt hatten. Gut wird er, wenn wir heute zwei Punkte holen“, so äußerte sich HSC-Vorstandssprecher Stefan Apfel im Spielheft im Vorfeld der Partie. Daraus wurde aber nichts. Dazu hätte es für den Handball-Zweitligisten HSC 2000 Coburg am Samstagabend schon mehr gebraucht, um einen insgesamt konsequenteren und abgezockteren Gegner wie die SG BBM Bietigheim zu bezwingen. So stand letztlich eine 28:30 (13:16)-Niederlage für die Vestestädter.

2. Bundesliga

HSC 2000 Coburg – SG BBM Bietigheim 28:30 (13:16)

HSC-Coach Brian Ankersen war vor dem Warmlaufen – die Gäste hatten sogar kurzfristig ein Ergometer zum Aufwärmen und Lockern in der Halle dabei – bereits im regen Austausch mit seinen ehemaligen Spielern und der ehemalige Coburger Torwart Konstantin Poltrum stand bei sportdeutschland.tv Rede und Antwort.

Die Teams kennen sich gut, was auch Max Jaeger im Interview bestätigte: „Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung und haben einige Insider-Tipps von Brian bekommen.“ Etwas überraschend war die Aufstellung des HSC mit dem „doppelten Jan“ im Tor, Kulhanek neben Jochens, der diesmal den Vorzug vor Fabian Apfel erhalten hatte, obwohl das Coburger Eigengewächs zuletzt in Nettelstedt mit seinen Paraden mit dafür gesorgt hatte, dass Coburg noch einmal in Schlagdistanz kam.

Rund 1800 Fans kamen zum zweiten Heimspiel der Saison – und damit knapp 300 mehr als zum Auftakt gegen Konstanz.
Rund 1800 Fans kamen zum zweiten Heimspiel der Saison – und damit knapp 300 mehr als zum Auftakt gegen Konstanz.
Foto: Uwe Gick

Der HSC hatte einen schweren Start in die Partie, bedingt auch durch zwei diskussionswürdige Pfiffe gegen sich wegen technischer Fehler. Direkt im Anschluss an einen Siebenmeter-Toreckkracher der SG gelang Arkadiusz Ossowski das 3:3, der sichtlich selbst davon überrascht war, dass sich in der Mitte eine Lücke von drei, vier Metern auftat und er sich das Eck nur noch auszusuchen brauchte.

Aber die Coburger fabrizierten auch zu viele leichte Fehler im Passspiel. Anstatt mit 6:5 selbst in Führung zu gehen, lag wenig später der Gast erstmals mit zwei Toren in Führung. Da war noch es gut, dass Jakob Knauer mit beherzten Antritten zweimal dafür sorgte, dass sein jeweiliger Gegenspieler mit Zeitstrafe auf die Bank musste. Weniger gut war, dass Viktor Glatthard frei vom Kreis an Poltrum scheiterte. So verpufften auch die Paraden von Kulhanek im HSC-Tor aus der Angangsphase.

HSC Coburg läuft Rückstand hinterher

Ab Mitte der ersten Halbzeit liefen die Coburger nahezu dauerhaft zwei Toren hinterher. Ihr Spielaufbau war deutlich ausbaufähig, oftmals auch zu durchschaubar. Das lag an der energischen Deckungsweise der Gastgeber, die einige Male ungestraft hinten am Gegner hingen – so wie vor dem 9:10 durch Felix Jaeger und dem 10:11 durch Fynn Herzig.

Aber hinten war das Deckungszentrum nicht nur einmal nicht im Bild und ließ Jonathan Fischer am Kreis zu viele Freiräume. Fast fünf Minuten war die Halbzeitpause schon alt, ehe sich Ankersen, der sich so lange mit seinem „Co“ Silvio Krause an der Außenlinie beraten hatte, auf den Weg in die Kabine machte. Lange kann seine Pausenansprache aber nicht gewesen sein, denn die Coburger kamen deutlich vor dem Gegner zurück aufs Spielfeld.

Erste Führung für den HSC Coburg

Dann gingen sie mit mehr „Wumms“ auf die extrem robust arbeitende Deckung der Gastgeber. Daraus resultierte nicht nur der lang ersehnte Ausgleich zum 18:18, sondern auch die erste Coburger Führung überhaupt zum 19:18.

Das feierte HSC-Neuzugang und Kreisläufer Glatthard, ein absolutes Unikat im positiven Sinne, an der Seitenlinie zusammen mit dem Fanblock und analysierte das Ganze nach dem Schlusspfiff pragmatisch: „Zwei, drei Dinge haben wir taktisch nicht umgesetzt und zwei, drei Dinge haben hinten und vorne gefehlt. Der dritte Grund für die Niederlage ist der Punkt, an dem wir sind – in engen Spielen sind wir eben noch nicht so weit.“

Der Ex-Coburger Konstantin Poltrum (re., hier gegen Jan Schäffer) führte Bietigheim zum Sieg.
Der Ex-Coburger Konstantin Poltrum (re., hier gegen Jan Schäffer) führte Bietigheim zum Sieg.
Foto: Uwe Gick

Was der HSC-Führung folgte, war ein offener Schlagabtausch mit schnellem Hin und Her, bei dem die Gäste ihre Chancen besser nutzten. Symptomatisch für diese Phase die vergebene Chance von Herzig, der nach einem „Steal“ frei auf das Bietigheimer Tor zulief, scheiterte, und Coburg im Gegenzug wieder drei Toren hinterherlief.

Spätestens jetzt wurde die Partie hochklassig und hochdramatisch – und Poltrum im Gäste-Tor letztlich zum Matchwinner. Erst entschärfte er einen Wurf von Herzig, dann war seine Fußspitze einem Tor von Schäffer am Kreis im Weg, auch den nächsten Wurf parierte er. Der Abpraller landete zudem in den Händen der SG. Die machte 110 Sekunden vor dem Abpfiff alles klar.

Konstantin Poltrum wird zum Matchwinner

Zuvor war der HSC zwar nochmals selbst in Führung (26:25, 53.) gegangen, doch das Auf und Ab ging weiter. Über sechs Minuten blieb Coburg durch die Paraden des ehemaligen Schlussmannes, der erst kurz zuvor wieder eingewechselt worden war, ohne Treffer. Ein genialer Schachzug von SG-Coach Iker Romero.

Ankersens Insider-Tipps verpufften somit, zumindest setzten die Coburger es auf dem Spielfeld nicht konsequent um und die ballsichereren Gäste hatten stets die richtige Antwort parat. Deren Rückzugsverhalten war nahezu über die gesamte Spielzeit optimal und sie ließen so gut wie keine HSC-Konter zu.

Einmal mehr bester HSC-Werfer: Florian Billek
Einmal mehr bester HSC-Werfer: Florian Billek
Foto: Uwe Gick

Es bleibt also beim ordentlichen Auftakt für die Coburger, was fehlt, sind die Punkte, und „der Rest muss sich weiter entwickeln in den nächsten Wochen“, so HSC-Geschäftsführer Jan Gorr. Der zollte dem Gegner auch zu Recht Lob: „Es war einfach ein geiles Handballspiel. Wer in dieser Halle zweimal deutlich führt, dann in Rückstand gerät und trotzdem die Partie wieder dreht, hat den Sieg so was von verdient.“ Aber Glatthard appelliert: „Gebt uns die Zeit, es fehlen Kleinigkeiten, habt Geduld, wir sind auf dem richtigen Weg.“

Die Statistik:

HSC 2000 Coburg: Kulhanek (6 Paraden), Jochens (2 Paraden) – M. Jaeger (1), Dettenthaler, Mund, Glatthard (1), Fuß (3), Siegler, Ossowski (2), Billek (6/2), Herzig (5), Knauer (2), Schäffer (5), F. Jaeger (3), Schröder

SG BBM Bietigheim: Poltrum (11 Paraden), Genz (2 Paraden) – Vlahovic (4), Claus (4), Lopez (3), Öhler (3), Wolf (5/3), de la Pena (5), Wiederstein, Velz, Hejny, Asmuth, Fischer (6)

Schiedsrichter: Linker (Recklinghausen) / Schmidt (Bochum)

Zeitstrafen: 2 (Herzig, Glatthard) – 5 (Wolf, Öhler, 2xVlahovic, Hejny)

Siebenmeter: 2/2 (Billek verwandelt zwei Mal) – 3/4 (Velz trifft die Latte, Wolf verwandelt drei Mal)

Spielfilm: 0:1 (1.), 1:3 (6.), 3:3 (8.), 4:3 (10.), 5:7 (14.), 7:9 (19.), 9:11 (23.), 11:13 (26.), 12:16 (28.), 13:16 – 14:17 (31.), 16:17 (36.), 18:18 (39.), 19:18 (40.), 20:21 (43.), 20:23 (44.), 23:24 (48.), 25:25 (51.), 26:25 (53.), 27:26 (54.), 27:29 (59.), 28:30

Zuschauer: 1803

Beste Spieler: Billek, Schäffer – Vlahovic, Fischer, de la Pena

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