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Regeneration mal anders
Dominik Renninger: Tour de France-Pässe nach dem Ironman
Dominik Renninger und das Ausloten der Extreme
Aktive Regeneration: Nach seinem fantastischen Ironman in Frankfurt am Main wandelt Dominik Renninger auf den Spuren der Tour de France. // Dominik Renninger
Bad Kissingen – Wie es der 45-Jährige aus Bad Kissingen in den Club der Verrückten schaffte. Kurz zuvor hatte der Unterfranke beim Langdistanz-Triathlon in Frankfurt herausragend abgeschnitten.

Dominik Renninger ist nicht verrückt. Nur ein bisschen vielleicht, weil sonst wäre der 45-Jährige jetzt nicht im „Club der Verrückten“. Also im Kreis all derer, die den legendären und 1909 Meter hohen Mont Ventoux, den „Giganten der Provence“ an einem Tag gleich dreimal mit dem Rennrad hochfahren, auf unterschiedlichen Strecken. Wer das schafft, hat 137 Kilometer und 4400 Höhenmeter in den Beinen – und einen offiziellen Internet-Eintrag.

„Die entsprechenden Unterlagen habe ich mir vorher besorgt. Unterwegs kann man sich dann die jeweiligen Auffahrten als Beweis abstempeln lassen“, berichtet der Bad Kissinger, der in diesen Tagen diverse Pässe auf zwei Rädern erklimmt. Quasi auf den Spuren der Tour de France, die Dominik Renninger natürlich ebenfalls verfolgt, mitunter sogar live.

Ein Urlaub, der verblüfft, weil der Kurstädter Ende Juni noch einen Langstrecken-Triathlon bewältigte, in Frankfurt am Main bei den Ironman-Europameisterschaften. Und wie! Mit einer Gesamtzeit von 9:27:12 Stunden wurde Renninger Dritter seiner Altersklasse 45-49 mit 250 Konkurrenten. Von den insgesamt 1900 Startern, darunter 30 nationale und internationale Profis, waren nur 90 Athleten schneller. „Bei der Siegerehrung bekam ich sogar einen Pokal. Das war wirklich eine runde Sache“, freute sich der Beamte am Landratsamt Bad Kissingen.

Im Oktober 2024 hatte sich für Renninger bereits ein Sportler-Traum erfüllt mit der Teilnahme am Ironman in Hawaii, den der Ausdauerspezialist in 9:50:19 Stunden bewältigte. Neun Monate später machten sich Zweifel im Kopf des 45-Jährigen breit. „Ich konnte zwar gut trainieren, habe aber Probleme beim Laufen und komme um eine Fuß-OP wohl nicht rum. In Frankfurt wollte ich aber unbedingt noch einmal starten, so wie schon vor vier Jahren.“

Aufgrund der hohen Temperaturen waren Neopren-Anzüge im Langener Waldsee verboten, weshalb die Schwimm-Zeiten tendenziell langsamer sind. „Außerdem war die Strecke wohl etwas länger als 3,8 Kilometer. Ich hatte etwa eine Stunde wie letztes Jahr auf Hawaii eingeplant, aber im Meer gibt das Salzwasser Auftrieb, der in Frankfurt natürlich fehlte“, so Renninger, der nach ordentlichen 1:05:49 Stunde aus dem Wasser stieg und zur Hälfte der Schwimm-Strecke auch den sogenannten „Australian Exit“ gut gemeistert hatte, als die Athleten vor der zweiten Runde einen kurzen Landgang haben, ehe es wieder ins warme Nass ging.

Dominik Renninger und das Ausloten der Extreme
Dominik Renninger (im Bild) aus Bad Kissingen wurde bei den Ironman-Europameisterschaften in Frankfurt/Main Dritter seiner Altersklasse. // Dominik Renninger

Die 180 Kilometer auf dem Rad bewältigte der Unterfranke, der früher Fußball und Eishockey spielte, in 4:44:17 Stunden. „Das hatte ich angepeilt und damit war ich voll im Soll. Ich war auf der zweiten Runde sogar schneller als auf der ersten. Viel zu kühlen und zu trinken hat sich ausgezahlt. Auch mit der Verpflegung hat alles geklappt“, so Renninger.

Der abschließende Marathon, vier Runden den Main entlang, wurden zum besonderen Erlebnis für den Sportler aus dem Bad Kissinger Stadtteil Hausen, der zu diesem Zeitpunkt schon unter den Top 100 war. „Das Feld war relativ weit auseinandergezogen, daher hatte man die Massen an Zuschauern gefühlt für sich alleine.“ Ein Stimmungs-Booster, zumal Renninger die anfänglichen muskulären Probleme in den Griff bekam und dank konsequenter Kühl-Strategie nach Plan unterwegs war.

Dominik Renninger und das Ausloten der Extreme
Geschafft und überglücklich: Beim Ironman in Frankfurt lief Dominik Renninger in seiner Altersklasse aufs Podest. // Dominik Renninger

Von seinem Trainer David Kiesel kam bei Kilometer 25 die Information, Dritter seiner Altersklasse zu sein. Kopf-Kino und Schmerzen setzten gleichermaßen ein. „Ich wollte nicht lockerlassen, falls einer der beiden Führenden einbrechen würde. Von hinten kam aber ein sehr schneller Läufer meiner Altersklasse, der sich den Viertplatzierten noch schnappte. Mein Vorsprung war aber inzwischen komfortabel genug, sodass ich den Zieleinlauf am Römer noch halbwegs genießen konnte.“

Mit einer Laufzeit von 3:29:28 hatte Dominik Renninger einen „Wahnsinns-Wettkampf“ abgeschlossen. Der zehnte Langdistanz-Triathlon wird vorerst der letzte des Bad Kissingers bleiben. „Ich habe mich zwar für die nächste Ironman-WM in Nizza qualifiziert, aufgrund meiner körperlichen Probleme werde ich aber allenfalls kürzere Triathlon-Distanzen in Angriff nehmen."

Dominik Renninger und das Ausloten der Extreme
Unser Bild zeigt Dominik Renninger am legendären Mont Ventoux. Nach seinem erfolgreichen Langdistanz-Triathlon in Frankfurt "erholt" sich der Bad Kissinger in den Alpen und Pyrenäen. // Dominik Renninger

Gelenkschonender bleibt das Radfahren, das Dominik Renninger beim aktiven Regenerieren nach seinen Alpen-Touren, unter anderem auf den Cole de Telegraphe, Galibier oder Alpe d’Huez, mittlerweile in die Pyrenäen gelockt hat, wo inzwischen der Tross der Tour de France angekommen ist. Den „Tourmalet“ hat der Bad Kissinger auch schon bezwungen, zwei Tage bevor Tadej Pogacar, Jonas Vingegaard und Co. diesen mythischen und 2115 Meter hohen Pyrenäen-Koloss erobern. Irgendwie verrückt…

 

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