Nach dem Blitz-Tor folgte der Teddy-Hagel. Das alles in einem faszinierendem Eishockeyspiel, das Schweinfurts Mighty Dogs mit 4:3 (1:2, 2:1, 0:0, 1:0) in der Overtime gewinnen sollten. Ein Meer aus Wunderkerzen hatte kurz vor Spielbeginn den Icedome illuminiert, ehe es mit dem ersten Puckwurf so richtig zur Sache ging. Das Spitzenspiel der Bayernliga hielt, was sich über 1200 erwartungsfrohe Fans davon versprochen hatten.
Eine Top-Kulisse also, obwohl die Mighty Dogs zwei Tage zuvor ein weiteres Verfolgerduell verloren hatten: mit 4:6 (1:1, 2:1, 1:4) beim EHC Klostersee. Da reichten Treffer von Tomas Cermak, Petr Pohl, Georg Pinsack und Ilya Zheltakov nicht einmal zu einem Punkt, weil sich die Abwehr, nicht zum ersten Mal in dieser Saison, als zu löchrig erwies vor den offiziell 482 Zuschauern in der Grafinger „Scheune“.
Zeitgleich hatten sich die Miesbacher mit 4:1 gegen den ERSC Amberg durchgesetzt, machten sich also mit Rückenwind auf den langen Weg nach Unterfranken – und lagen nach neun Sekunden mit 0:1 zurück, weil Schweinfurts Ausnahme-Könner Ilya Zheltakov TEV-Goalie Timon Ewert düpierte. Was folgte, war ein Torjubel der besonderen Art.
Im Vorfeld des Spiels hatten die Fanclubs der Mighty Dogs in Zusammenarbeit mit der Schweinfurter Kindertafel zum „Teddy Bear Toss“ aufgerufen. Beim ersten Tor der Mighty Dogs durften Teddys und andere Kuscheltiere aufs Eis geworfen werden – was ein fantastisches Bild im Icedome nach sich zog. Es dauerte, bis Spieler und Helfer in überdimensionierten Säcken die tausendfach gute Tat zu Gunsten benachteiligter Kinder vom Eis schafften.
Unbeeindruckt blieben allein die Oberbayern, die nach fünf Spielminuten in Führung lagen, weil erst Johannes Bacher, dann Matej Pekr in Miesbacher Überzahl Eiseskälte vor ERV-Goalie Leon Pöhlmann bewiesen. Und als die Gäste durch Pekr kurz nach Beginn des Mitteldrittels gar auf 3:1 stellten, drohte den Mannen um Chefcoach Sergej Waßmiller die zweite Niederlage des Wochenendes. Aber der Icedome kann von einem Moment auf den anderen eine besondere Wucht entwickeln.
„Wenn wir so viel in Unterzahl spielen, ist es schwierig, hier zu gewinnen. Mit dem einen Punkt sind wir sehr zufrieden“, sagte später TEV-Coach Dusan Frosc. Mit dem Anschlusstreffer von Petr Pohl (26.) und spätestens nach dem Ausgleich von Tomas Cermak (35.) war das Schweinfurter Publikum wieder angezündet, zumal die Mighty Dogs das Konterspiel der Miesbacher immer besser in den Griff bekamen. Was bis zur zweiten Pausensirene fehlte, waren weitere ERV-Tore.
Gelegenheiten gab es zuhauf, sogar in doppelter Überzahl, aber Ewert präsentierte sich in diesem Thriller auf Eis als Meister seines Fachs. Auf die Spitze getrieben wurde Schweinfurts Chancen-Wucher im finalen Drittel, in dem den Unterfranken der ETV-Goalie und auch der Pfosten im Wege standen. Selbst eine weitere 5:3-Überzahl wurde Opfer des starken Penalty-Killings der Gäste, sodass Spieler wie Zuschauer in die Overtime geschickt wurden.
Das aufregende und hochklassige Match endete, wie es begonnen hatte: mit einem Tor von Zheltakov. Sehenswert erzielt vom technisch beschlagenen 24-Jährigen, der vor der Saison aus der zweiten schwedischen Liga an den Main wechselte.
„Die Stimmung war sensationell und das Spiel sehr spannend. Meine Jungs waren nach zwei Niederlagen zuvor sehr motiviert und wollten etwas zeigen gegen diese Top-Mannschaft, die nicht umsonst so weit oben steht. Nach dem 1:3 hat die Mannschaft gearbeitet und geackert und wurde am Ende dafür belohnt“, äußerte sich ERV-Coach Sergej Waßmiller in der Pressekonferenz. Am Freitag (20 Uhr) empfangen die Mighty Dogs im Icedome den Tabellennachbarn EHC Kempten (5.), am Sonntag (16.30 Uhr) führt die Reise zu den „Miners“ nach Peißenberg (12.).











