Bad Brückenau hat einen Weltmeister: Radsportler Maximilian Jäger nämlich, der im schottischen Dumfries die Goldmedaille im Einzelzeitfahren gewann und diesen spektakulären Erfolg mit der Bronzemedaille im Massenstart garnierte. Die Bahnrad-, Mountainbike und Straßenrad-Weltmeisterschaften in Glasgow und Umgebung fanden erstmals gleichzeitig als inklusives Event statt, sodass der 23-Jährige diesmal auf der ganz großen Bühne sein Können unter Beweis stellen durfte in seiner Startklasse T2.
„Im Ziel wusste ich zunächst gar nicht, welche Zeit und Platzierung ich hatte. Als ich beim Blick auf die Ergebnisliste meinen Namen ganz oben gelesen habe, war das schon ein krasses Erlebnis. Dass ich gleich zur Doping-Kontrolle musste, war eine indirekte Bestätigung für die Goldmedaille“, erinnert sich der Sinnstädter an besondere Momente nach dem Rennen. Als Drittletzter seiner Klasse war Jäger gestartet. Weil auch andere Leistungsklassen in Zeitintervallen auf der welligen Strecke mit leichten Anstiegen unterwegs waren, war ein direkter Blick auf die Konkurrenz nicht möglich. „Man muss sein eigenes Rennen fahren“, weiß Jäger.
Für den 10,8 Kilometer langen Kurs mit Start und Ziel in Dumfries hatte der Europameister und zweifache Deutsche Meister aus der Rhön mit seinem Dreirad exakt 18:05,80 Minuten benötigt. Sein Vorsprung auf den zweitplatzierten Belgier Tim Celen betrug 6,89 Sekunden. Bei den Weltmeisterschaften 2019 und 2022 war Jäger als Zweiter jeweils noch knapp am Sieg vorbei gefahren. „Diesmal wollte ich ganz oben stehen“, hatte sich Maximilian Jäger nicht weniger als das Maximum vorgenommen. Selbstbewusstsein, welches nicht zuletzt auf eine gute Vorbereitung fußte.
Unter anderem mit einem Trainingslager in Oberwiesenthal, in dem neben der Ausdauer gezielt am Feinschliff gearbeitet wurde. „Es ging im Erzgebirge mit meinen Heimtrainern aus Cottbus vor allem darum, explosiver und spritziger zu werden. Danach gab es eine Regenerationsphase, ehe wir die Belastung in Cottbus noch einmal erhöht haben“, sagt Jäger, der an der Lausitzer Sportschule unter exzellenten Bedingungen trainiert, dort nach bestandenem Fachabitur ein soziales Jahr ableisten wird. In Cottbus hat der Bad Brückenauer seit kurzem auch eine eigene Wohnung.
„Gold im Einzelzeitfahren ist der Wahnsinn und war für mich eine kleine Überraschung, auch wenn ich mit einer Medaille gerechnet habe. „Maxi ist über sich hinausgewachsen. Hinter seinem Erfolg steckt sehr viel Willenskraft“, lautet das große Lob von Gregor Lang. Der Bundestrainer für Para Radsport im Deutschen Behindertensportverband (DBS) schätzt an seinem Athleten insbesondere die Begeisterungsfähigkeit. „Maxi hat Mega-Spaß an dem, was er tut. Und natürlich ordentlich Druck auf dem Pedal, sonst hätte er nicht diese großartigen Erfolge erringen können. Außerdem macht es große Freude zu sehen, wie er sich als Sportler, aber auch als Persönlichkeit entwickelt. Er ist ja noch sehr jung.“
Dass Jäger so fest im Sattel sitzt, war ihm nicht in die Wiege gelegt. Denn seit einem vorgeburtlichen Schlaganfall ist seine linke Körperhälfte teilweise gelähmt. Jäger hielt die Behinderung nicht davon ab, von frühester Kindheit an mit viel Ehrgeiz Sport zu treiben. Bereits im Alter von zehn Jahren nahm er an nationalen Skiwettbewerben teil. Als seine Wettkampf-Klasse gestrichen wurde, sattelte der Sportler vom BPRSV Cottbus auf das Renn-Dreirad um.
Eine willkommene Zugabe
Die Bronzemedaille im Straßenrennen über 30 Kilometer, das einige Tage später in zwei Runden gefahren wurde, war eine willkommene Zugabe. Auf einer Strecke, die noch etwas welliger als im Zeitfahren, nichtsdestotrotz auf breiten Straßen gut befahrbar war. „Das war bislang ein richtig gutes Jahr für mich. Sportlich lief die Weltcup-Saison schon sehr gut. Die WM mit zwei Medaillen rundet das gut ab“, sagt Jäger, der in seiner Klasse aktuell Dritter der Weltrangliste ist und nur knapp an Silber vorbei schrammte. An zweiter Stelle liegend, war Jäger in die letzte Kurve gegangen. Es gewann schließlich Dennis Connors vor Jägers Dauerrivalen Tim Celen, der sich im Windschatten des Unterfranken hatte ausruhen können.
„Maxi hat sehr vieles richtig gemacht, ist aktiv gefahren und hat sich nicht versteckt“, sagt der Bundestrainer, der dennoch Möglichkeiten zur Verbesserung sieht. „Er kann sicher lernen, ein Rennen besser zu lesen, um Entscheidungen noch schneller zu treffen. Dafür sind Wettkämpfe das beste Training. Leider ist die Renndichte im Para-Sport nicht so hoch, weshalb wir viele Intervalle trainieren und Wettkämpfe simulieren. Diesbezüglich ist Maxi im Stützpunkt Cottbus bei Reneé Schmidt sehr gut aufgehoben“, sagt Gregor Lang, dessen Athleten beeindruckende 21 Medaillen in Schottland gewannen.
Nach seiner Goldmedaille hatte sich der Bad Brückenauer als Belohnung zwei Stückchen Kuchen zum Nachtisch gegönnt. Eine Ausnahme. „Um die optimale Leistung zu bringen, müssen wir sehr auf unsere Ernährung achten“, sagt Maximilian Jäger, immer noch hungrig auf neue und spektakuläre Erfolge. Vielleicht schon im Jahr 2024 bei den Paralympics in Paris. Ein Olympiasieger fehlt Bad Brückenau noch…











