Bis auf Musik und das regelmäßige Trampeln von Hufen ist in der Reithalle des Bad Kissinger Reitervereins nichts zu hören. Es herrscht volle Konzentration bei den drei dort trainierenden Reiterinnen und ihren Pferden. Vom Schritt geht es in den Trab, in den Galopp und wieder zurück. Alles passiert in einer festgelegten Reihenfolge, mit festgelegtem Ablauf.
Ab und zu rufen sich die Reiterinnen Kommandos zu. "Etwas gleichmäßiger" oder "Mehr Abstand" hallt es von den Wänden wider. Nach etwas mehr als acht Minuten verklingt die Musik, die Pferde werden langsamer, verfallen in einen gemächlichen Schritt. Die Damen im Sattel scheinen zufrieden: "Wir werden immer besser", freuen sie sich.
Nach einer kurzen Pause geht es erneut los. Die Musik startet, die Reiterinnen reihen sich nebeneinander ein, verneigen sich vor einem imaginären Publikum und beginnen mit ihrer Choreografie. Sie trainieren für die traditionelle Reiter-Quadrille am Rakoczy-Fest.
"Wir üben seit etwa sieben Wochen. Anfang Mai haben wir begonnen", erzählt Bettina Ceming, die in diesem Jahr schon zum 22. Mal an der Quadrille teilnimmt. Gemeinsam mit ihren drei Kolleginnen hat sie die Lieder ausgesucht und sich die Abfolge der Reit-Figuren ausgedacht. "Das ist gar nicht so leicht, schließlich muss die Choreo zum Takt der Musik passen."
Das ist die Choreografie für die Rakoczy-Quadrille
Einmal in der Woche treffen sich die vier Reiterinnen zum Üben. Trab und Galopp gab es zu Beginn nur wenig zu sehen. "Wir sind die Abfolge ein paar Mal im Schritt durchgegangen und haben sie auswendig gelernt." Mittlerweile scheint die Choreografie zu sitzen, es geht nur noch um Feinheiten.
Neugierig lugt der ein oder andere kleine, aber auch große Zuschauer über das Tor der Reithalle. Die Begeisterung ist ihnen anzusehen. Es wird geklatscht, gelacht und im Takt der Musik mitgewippt.
"Vor einem richtigen Publikum ist das dann natürlich nochmal etwas anderes, schließlich weiß man nie, wie das Pferd reagiert", berichtet Ceming. Die ungewohnte Umgebung im Kurpark, die vielen Menschen und die manchmal doch recht plötzlich kommenden Töne seien für die Tiere ziemlich aufregend.
Mal schreit ein Kind, mal leuchtet der Blitz eines Fotoapparates auf, mal bewegt sich ruckartig ein Zuschauer am Rand. "Es ist immer ein Abenteuer. Eigentlich ist man mehr aufgeregt wegen der Pferde, als wegen der Choreo", bestätigt Julika Lipsius, die in diesem Jahr zum 5. Mal dabei ist.
Tiere können sich an die Zuschauer gewöhnen
Um die Tiere an die fremde Umgebung zu gewöhnen, gibt es zwei Generalproben. Gemeinsam mit ihren beiden Mitreiterinnen Emma Sell und Maja Waldhofen reiten die Damen in den Luitpoldpark und üben die Quadrille direkt vor Ort. "So können sich die Pferde schonmal an die Zuschauer gewöhnen", sagt Lipsius. Trotz der vielen Übungseinheiten seien die vier am Tag der Quadrille aber etwas aufgeregt.
Training Reiterquadrille 2024
"Allein der Ritt in die Stadt am Freitagabend ist schon ein Abenteuer." Einmal unten angekommen, gebe es kein Zurück mehr. Um sich voll auf ihr Pferd konzentrieren zu können, versuchen die Reiterinnen vor und während des Auftrittes alles um sich herum auszuschalten. "Wenn der Reiter gelassen ist, ist es das Pferd auch. Das überträgt sich", erklärt Lipsius.
Quadrille früher mit bis zu 16 Reitern
Auch die Tatsache, dass die Tiere zu viert in der Gruppe unterwegs sind, trage zur Entspannung bei. Trotzdem mache nicht jedes Pferd diese Aufregung mit. "Früher waren wir sogar mal 16 Reiter", erinnert sich Bettina Ceming. Dass sich in diesem Jahr nur noch vier Teilnehmerinnen für die Quadrille gefunden haben, sei aber nicht negativ.
Es habe auch Vorteile: Zum Beispiel, das Üben sei mit weniger Leuten leichter. "Lieber klein, aber fein", witzelt die Pferdenärrin.
Während des Trainings tragen die vier Reiterinnen ihre normale Reitbekleidung. Reithose, Reitstiefel, Helm und ein T-Shirt oder eine Jacke. Bei ihrem Auftritt sieht das natürlich anders aus. "Wir stellen optisch den Marsch vom Fürst Rakoczy dar. Wir tragen also Panduren-Outfits in rot, blau und weiß."
Doch auch ohne diese festlichen Outfits bekommt man beim Training in der Bad Kissinger Reithalle schon ein gutes Gefühl dafür, wie die Choreografie in knapp zwei Wochen aussehen wird.
Lange hin ist es bis zu dem großen Auftritt schließlich nicht mehr. Schon in knapp zwei Wochen, am Freitag, den 26. Juli 2024 um 20 Uhr, findet die Quadrille im Luitpoldpark statt. Bis dahin heißt es also weiter: Musik ab, in einer Reihe aufstellen, Verbeugen und los geht's.
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