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Neuer Brauereipartner beim FCN
Club-Fans wollen fränkisches Bier
1. FC Nürnberg Fanclub Thurnau-Kasendorf Joachim Heller
Ein Bier gehört für viele Fußball-Fans zum Stadionbesuch dazu. Joachim Heller (links), Vorsitzender des FCN-Fanclubs Thurnau-Kasendorf, stößt mit Udo Hofknecht (rechts) und Lukas Nüsslein (Mitte) auf einen Club-Sieg an. // Kerstin Schuller
Nürnberg/Kulmbach – Welches Bier wird künftig im Nürnberger Max-Morlock-Stadion ausgeschenkt? Die Spekulationen schießen nach der der Trennung des FCN von der Kulmbacher Brauerei ins Kraut. Wir haben mit Bierliebhabern unter den Club-Fans gesprochen.

Ein Stadionbesuch ist nicht allein nur Fußballschauen. Auch der Gaumenschmaus gehört dazu. Das typische Ritual im Max-Morlock-Stadion: „Drei im Weggla“ und „a Seidla Bier“ – ob mit oder ohne Alkohol.

2006 hatte die Kulmbacher Brauerei einen echten Coup gelandet, als sie die lange mit dem Club verbandelte Nürnberger Traditionsbrauerei Tucher mit einem besseren Angebot aus dem Stadion kegelte. Seitdem fließen die Getränke aus Oberfranken durch die Kehlen der Club-Fans im Stadion. Zu Risikospielen ausschließlich alkoholfreies Bier, Radler und Weizen, ansonsten auch das Pils Edelherb, das Kapuziner Weizen oder alkoholhaltige Radler.

Letztmals gegen Köln Kulmbacher Bier

Doch schon bald läuft der letzte Tropfen aus dem Zapfhahn. Am 9. Mai gegen den 1. FC Köln wird es nach 19 Jahren letztmals Kulmbacher Bier im Max-Morlock-Stadion geben. Sehr zum Bedauern der oberfränkischen Großbrauerei, die gerne die Zusammenarbeit mit dem 1. FC Nürnberg fortgesetzt hätte, verhalf ihr doch auch die Kooperation zur Marktführerschaft in Nordbayern.

Doch habe man sich trotz intensiver Verhandlungen nicht auf eine Fortsetzung verständigen können, heißt es von Brauereiseite. Dabei sei die Kulmbacher AG sogar bereit gewesen, ihre Leistungen zu erhöhen, „um den Verein bei Herausforderungen wie Modernisierungs- und Umbauarbeiten am Stadion zu unterstützen“. Dass die Club-Verantwortlichen offenbar finanziell noch mehr herausschlagen wollten, bestätigt indirekt der Marketingleiter der Kulmbacher Brauerei, Holger Schmidt: „Wir respektieren die wirtschaftlichen Überlegungen des Zweitligisten.“

Dabei beschränkte sich das Engagement der Kulmbacher nicht auf die Belieferung der Catering-Stationen im Stadion. Die Kulmbacher Brauerei ist als einer von drei Exklusiv-Partnern des 1. FC Nürnberg auch im Stadion großflächig mit Werbung vertreten. Daneben führte sie auch viele Aktionen im Stadion durch, etwa „Mach den Meisterschluck“ vor Spielbeginn mit Fans oder das inzwischen eingestellte Fanfest nach dem letzten Saisonheimspiel, zu dem die Brauerei für jedes Saisontor des Clubs 100 Liter Freibier spendierte.

Stolzer Seidla-Preis

„Das Stadionbier in Nürnberg zählt zweifelsohne zu den leckersten dieser Republik“, schreibt etwa die Fan-Seite fussballmafia.de, auch wenn dafür mit 5,50 Euro ein für Bierfranken stolzer Seidla-Preis aufgerufen wird. Genausoviel übrigens wie in der Allianz-Arena in München, wo es das zur gleichen Gruppe wie die. Selbst in der Bundesliga ist das Bier nirgends teurer. Doch den Bierpreis im Stadion bestimmt letztlich nicht die Brauerei, sondern der Betreiber der Verkaufsstellen, in Nürnberg die Firma Amarak.

Nach 19 Jahren ergeht es nun der Kulmbacher Brauerei so wie einst Tucher. Denn offenbar hat der der 1. FC Nürnberg eine zahlungskräftigere Brauerei in der Hinterhand. Wie Club-Sprecherin Katharina Fritzsch den Nürnberger Nachrichten sagte, stünden die Verhandlungen mit einer anderen Brauerei kurz vor dem Abschluss.

Doch wer beerbt die Kulmbacher? Darüber wird unter den Club-Fans kräftig spekuliert. „Hoffentlich kein Münchner Bier, das wäre schlimm“, sagt der Vorsitzende des Kulmbacher FCN-Fanclubs „Die Mönchshoftreuen“, Markus Heinrich. Für den bekennenden Edelherb-Fan war die Nachricht, dass es sein Lieblingsbier künftig nicht mehr im Stadion geben wird, schon ein „Schock“. „Ich habe mir gar nicht vorstellen können, dass das mal endet.“

Kommt die Bayreuther Brauerei?

Heinrich mutmaßt, dass die Bayreuther Brauerei Maisel mit ihrem boomenden Hell ins Club-Stadion einziehen möchte und damit den großen Nachbarn aus Kulmbach ärgern will. „Bei vielen Fans ist ein helles Bier ja jetzt in Mode.“ Heinrich will aber auch nicht ausschließen, dass der Club eine nichtfränkische Brauerei auswählt. „Das hat man doch beim DFB-Deal mit Nike gesehen, dass die Meinung der Fans keine Rolle spielt. Da spielt doch allein das Geld eine Rolle.“

Anscheinend wolle nun auch der 1. FC Nürnberg die dank Miro Klose und seiner jungen, talentierten Mannschaft entstandenen Boom nutzen, um bessere Sponsoringverträge herauszuschlagen. „Der Club ist im Kommen, will in die Bundesliga und befindet sich inzwischen in einer anderen Verhandlungsposition“, weiß Markus Heinrich, der aber auch bei den Heimspielen weiterhin nicht auf sein Kulmbacher Bier verzichten wird. „Wir trinken das meiste Bier bislang eh schon auf der Fahrt im Bus oder vor dem Spiel am Parkplatz.“

Lokalpatriotismus nicht vergessen

Joachim Heller, Vorsitzender des FCN-Fanclubs Thurnau/Kasendorf, hofft, dass die Entscheider beim 1. FC Nürnberg bei der Auswahl des neuen Bierpartners den „Lokalpatriotismus“ nicht vergessen. Die gescheiterte Vertragsverlängerung mit der Kulmbacher Brauerei war auch für ihn und seine Mitglieder eine „schlechte Nachricht“, schwören doch die meisten aus dem Fanclub auf den Gerstensaft aus Kulmbach. „Der Club wird wohl ein besseres Angebot in der Hinterhand haben, und die Kulmbacher Brauerei unter ihrer neuen Führung nicht bereit gewesen sein, mehr als der Konkurrent zu zahlen“, vermutet Heller, der ebenso hofft, dass wieder eine Brauerei aus Franken den Zuschlag erhalten wird. „Ein gutes Bier gehört schließlich für alle von uns, die nicht fahren, zum Stadionerlebnis dazu.“

Der Bamberger Mario Schick würde sich Keesmann-Biere beim Club wünschen.
Der Bamberger Mario Schick würde sich Keesmann-Biere beim Club wünschen. // Markus Schütz, anpfiff.info

Muss es unbedingt Pils sein?

Auch Mario Schick, Sportlicher Leiter des Bamberger Kreisklassisten DJK Teuchatz, ist Club-Fan.  Er fände es "schon gut, wenn im Stadion weiterhin Bier aus der Region ausgeschenkt werden würde. "Möglicherweise kann es sogar eine Nürnberger Brauerei machen. Man kann dann auch darüber nachdenken, ob es ein Pils sein muss. Entscheidend ist der Deal für den Verein und was dabei herausspringt. Vielleicht aber auch ein Keesmann auf den Glubb?"

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