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Kulmbachs Olympionike
Kulmbacher drücken Hummel im Stadion die Daumen
Heike und Caspar Schweens und Alexander Kubalek (von links) sind bei den Olympischen Spielen, um Merlin Hummel anzufeuern.
Heike und Caspar Schweens und Alexander Kubalek (von links) sind bei den Olympischen Spielen, um Merlin Hummel anzufeuern. // privat
Olympia
Paris/Kulmbach – Merlin Hummel kämpft am Sonntagabend im Hammerwurf-Finale um olympische Medaillen. Unter den 70.000 Zuschauern im Stade de France sind auch ein paar Kulmbacher. Sie schildern ihre Eindrücke aus Paris.

Caspar Schweens ist ein guter Kumpel von Merlin Hummel. Gemeinsam mit seinen Eltern Heike Schweens und Alexander Kubalek reisten sie Mitte der Woche nach Paris, um Kulmbachs ersten Olympioniken zu unterstützen. Einen Tag vor dem Wettkampf trafen sie sich sogar noch mit dem Athleten, besichtigten gemeinsam Paris und gingen Essen. Merlin Hummel ließ für die Kamera vor dem Arc de Triomphe selbstbewusst die Muskeln spielen. "Er ist ruhig und zuversichtlich für morgen", lautete der Eindruck von Heike Schweens, der sie nicht täuschen sollte. Schließlich schleuderte Merlin Hummel gleich in seinem ersten Wurf bei Olympia den Hammer auf die ordentliche Weite von 75,25 Metern.  Keine Selbstverständlichkeit, spielten doch offenbar vielen Konkurrenten die Nerven einen Streich. Als einziger der 31 Starter konnte der Kanadier Rowan Hamilton mit 77,78 Metern eine neue persönliche Bestmarke aufstellen - und das beim Saisonhöhepunkt. Nur fünf Werfer knackten die 77-Meter-Marke. 

Das Nationalstadion Stade de France in Paris bietet Platz für 81.000 Zuschauer.
Das Nationalstadion Stade de France in Paris bietet Platz für 81.000 Zuschauer. // privat

Nach der Qualifikation waren die Kulmbacher "völlig fertig mit den Neven", wie Heike Schweens sagt. Denn die Panne beim Messen von Merlin Hummels erster Weite hatte zwischenzeitlich für große Anspannung gesorgt - sowohl bei den Kulmbachern auf dem Rängen als auch beim Athleten selbst. Weil offensichtlich der Messstab zu tief in Hummels Hammer-Einschlagloch gesteckt wurde, konnte die Weite seines ersten Versuchs nicht gemessen werden. Erst die Auswertung von Videoaufnahmen brachte nach etwa einer halben Stunde - und Hummels zweitem Wurf, der außerhalb des erlaubten Sektors landete - das ersehnte Ergebnis.  

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Merlin Hummel bestätigte, dass die Mess-Panne großen Einfluss auf seinen Wettkampf hatte: "Nach dem zweiten, kurz vor dem dritten Wurf habe ich erfahren, dass die Weite da ist. Ich habe mich super gefreut. Dann wollte ich noch mal einen draufpacken, aber es ist mir sehr schwer gefallen, weil ich viel zu angespannt war."

Finale beginnt um 20.30 Uhr

Merlin Hummel lag mit seinen 75,25 Metern vor dem letztem Durchgang auf Platz 11. Nachdem er sich nicht mehr verbessern konnte, begann das große Zittern, "dass keiner mehr weiter wirft", wie Heike Schweens erzählt.  Doch zum Glück konnte sich nur noch der fünffache Weltmeister Pawel Fajdek an Hummel vorbeischieben, der somit als Zwölfter und letzter Teilnahme ins Finale einzog. "Wir sind super happy und freuen uns so für Merlin", sagt Heike Schweens, die mit Sohn und Mann auch am Sonntagabend wieder im Stade de France sitzen wird. Ab 20.30 Uhr kämpfen die besten zwölf Hammerwerfer um die Medaillen.

Paris ist vom 26. Juli bis 11. August Gastgeber der Olympischen Spiele, bei denen rund 10.500 Athleten aus 206 Ländern um die Medaillen kämpfen.
Paris ist vom 26. Juli bis 11. August Gastgeber der Olympischen Spiele, bei denen rund 10.500 Athleten aus 206 Ländern um die Medaillen kämpfen. // privat

DOSB zahlt Prämie ab Platz 8

Nach drei Versuchen dürfen die besten acht Werfer noch jeweils drei Mal in den Ring steigen. Das ist natürlich das nächste große Ziel des 22-jährigen Kulmbachers, der damit auch 1500 Euro verdient hätte. Denn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zahlt schon ab Platz 8 Prämien. Für Olympia-Gold gibt es 20.000 Euro vom DOSB und zusätzlich 46.000 Euro vom internationalen Leichtathletik-Verband. Hoher Favorit auf diese Summe ist der Kanadier Ethan Katzberg, der amtierende Weltmeister, der heuer schon über 84 Meter weit geworfen hat. Wollte Merlin Hummel eine Medaille mit nach Hause nehmen, muss er wohl seine bisherige Bestmarke von 79,25 Metern noch einmal steigern und über 80 Meter weit werfen. Diese Weite war jedenfalls bei den letzten großen Wettkämpfen immer für Medaillen  nötig. Bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio siegte der Pole Wojciech Nowicki mit  82,52 Metern vor dem Norweger Eivind Henriksen (81,58) und Pawel Fajdek (81,53). Alle drei stehen auch in Paris im Finale. 

Allerdings reichten 2016 in Rio de Janeiro dem Tadschiken Dilschod Nasarov schon 78,68 Meter zu Gold. Ein Hammerwerfer aus Deutschland schaffte es letztmals 2008 in ein olympisches Finale. Markus Esser wurde in Peking mit 77,10 Metern Neunter.

Die letzten olympischen Medaillen für Deutschland gab es vor 40 Jahren. 1984 in Los Angeles holte Karl-Hans Riehm und Klaus Ploghaus Silber und Bronze. 

Blick auf die Pressetribüne im Stade de France.
Blick auf die Pressetribüne im Stade de France. // privat

Ethan Katzberg ist Top-Favorit

Merlin Hummel hat von den zwölf Finalteilnehmern in diesem Jahr die siebtbeste Weite erzielt. Besser als er waren 2024 Top-Favorit Ethan Katzberg (84,83), Wojciech Nowicki (80,95), der Ukrainer Mykhaylo Kokhan (80,76), der Ungar Bence Halasz (80,49), Pawel Fajdek (80,02) und der Franzose Yann Chaussinand (79,88). 

Der US-Amerikaner Rudy Winkler (78,89), der Kanadier Rowan Hamilton (77,78), die beiden Norweger Thomas Mardal (77,20) und Eivind Henriksen (77,14) sowie der Grieche Christo Frantzeskakis (76,86) stehen in der Weltjahres-Bestenliste hinter Merlin Hummel. 

Tausende freiwillige Helfer sind bei den Olympischen Spielen im Einsatz, um die Zuschauer zu informieren und zu lenken.
Tausende freiwillige Helfer sind bei den Olympischen Spielen im Einsatz, um die Zuschauer zu informieren und zu lenken. // privat

Hummel startet mit Nummer 11

Der Athlet des UAC Kulmbach wird am Sonntagabend als Elfter in den Wurfring gehen.  Auf der Tribüne werden ihm wieder Kumpel Caspar Schweens und seine Eltern die Daumen drücken. Für sie hat sich der Trip nach Paris aber schon jetzt gelohnt. "Die Stimmung ist sehr gut, Paris präsentiert sich als sehr gastfreundliche Sportstadt, man trifft überall freundliche Menschen, es herrscht eine klasse Atmosphäre", schwärmt Heike Schweens, die Vorsitzende des ASV Triathlon Kulmbach ist. 

Auch wenn es im Vorfeld Anschlags-Drohungen rund um die Olympischen Spiele gab, sorgen sich die Kulmbacher Sport-Touristen nicht um ihre Sicherheit. "Überall gibt es große Polizei-Präsenz, die aber nicht aufdringlich ist. Wir fühlen uns jedenfalls gut beschützt", meint Heike Schweens. Auch sonst gebe es keinen Grund zur Kritik. "Wir wohnen etwas außerhalb, doch mit der Metro ist alles gut zu erreichen", sagt Schweens.

Galten vor Start der Olympischen Spiele viele Wettbewerbe als ausverkauft, so gibt es inzwischen wieder Karten. "Es gibt einen Wiederverkaufs-Markt, wo man für alle Veranstaltungen Karten zu vernünftigen Preisen bekommt", sagt Caspar Schweens.

Die Angst vor Anschlägen schwebt über den Olympischen Spielen in Paris. Tausende Polizisten, auch hoch zu Ross, sind im Einsatz.
Die Angst vor Anschlägen schwebt über den Olympischen Spielen in Paris. Tausende Polizisten, auch hoch zu Ross, sind im Einsatz. "Wir fühlen uns sicher", sagt die Kulmbacherin Heike Schweens. // privat

Trainer Ständner schaut auf dem Balkon

Merlin Hummels Heimtrainer Martin Ständner wurde vom DLV nicht für Paris nominiert und wird sich das Finale am Fernsehschirm ganz alleine auf dem heimischen Balkon anschauen. Dass sein Vorzeige-Athlet das olympische Finale erreicht hat, macht den 67-Jährigen natürlich stolz, ist es doch auch für ihn der größte Erfolg seiner langen Trainerkarriere. "Dass Merlin den Endkampf erreicht hat, ist schon jetzt ein Riesenerfolg für ihn und mehr als man erwarten konnte. Aber vielleicht kann er jetzt noch ein paar Athleten hinter sich lassen und unter die besten Acht kommen", sagt Ständner. Diese Platzierung hätte  den Nebeneffekt, dass Hummel zum Olympia-Kader-Athleten aufsteigt und dadurch in den Genuss einer noch besseren Förderung käme.  

Die Kulmbacher Fans hatten direkten Blick auf den Hammerwurfring, in dem gerade Merlin Hummel steht.
Die Kulmbacher Fans hatten direkten Blick auf den Hammerwurfring, in dem gerade Merlin Hummel steht. // Heike Schweens

Merlin Hummel ist nach dem drei Monate später geborenen Ethan Katzberg mit 22 Jahren der zweitjüngste Athlet im Werferfeld. Deshalb brauche sich sein Athlet für das Finale nicht den geringsten Druck machen. "Merlin hat noch großes Entwicklungspotenzial, ihm und den anderen jungen Athleten gehört die Zukunft", sagt Martin Ständner, der heute schon eine Glückwunsch-Nachricht an Bence Halasz geschickt hat. Denn der Ungar wird am Finaltag 27 Jahre alt. 

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