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Hummels Weg nach Paris, Teil 1
900.000 Klicks: Hummel-Video geht durch die Decke
Hammerwerfer Merlin Hummel ist Kulmbachs erster Olympionike und bereitet sich auf die Spiele in Paris im August vor.
Hammerwerfer Merlin Hummel ist Kulmbachs erster Olympionike und bereitet sich auf die Spiele in Paris im August vor. // 
Stadtsteinach – Der Kulmbacher Hammerwerfer Merlin Hummel wurde mit seinem Traumwurf bei der EM in Rom über Nacht bekannt. Zwei Videos gingen besonders durch die Decke.

Merlin Hummel hat Geschichte geschrieben. Der 22-jährige Hammerwerfer ist Kulmbachs allererster Olympionike und wird am Freitag, 2. August, erstmals beim größten Sportereignis der Welt im Wurfring stehen. Wir begleiten den Leichtathleten des UAC Kulmbach auf seinem Weg nach Paris.

Mit persönlicher Bestweite zu Paris-Ticket

Der 9. Juni 2024 war der bislang bedeutendste Tag in Merlin Hummels Sportlerkarriere. An jenem Sonntagabend  warf er sich im Olympiastadion mit Platz 4 bei der EM in die absolute Weltklasse hinein. Obendrauf knackte er mit neuer persönlichen Bestweite von 79,23 Metern die Norm für Paris. Hummel sagt: "Das war für mein Alter eine super Leistung, die ich natürlich noch steigern möchte. Ich habe die EM sehr genossen und viel Unterstützung aus dem deutschen Team bekommen." 

Merlin Hummel weiß, wie hoch die Erwartungen in einem Land sind,  das einst als die Werfernation schlechthin galt, seit Jahren aber viel von diesem Ruf verloren hat. "Nach der langen Dürre im deutschen Hammerwurf gelten Sören Klose und ich als Hoffnungsträger", sagt Hummel, dessen Wurf von Rom der weiteste eines Deutschen seit 2011 war, als Markus Esser die 7,25 Kilo schwere Kugel auf 79,69 Meter geschleudert hatte.

Schwitzen für Olympia: Merlin Hummel im Fitnessraum im Wurfzentrum Stadtsteinach.
Schwitzen für Olympia: Merlin Hummel im Fitnessraum im Wurfzentrum Stadtsteinach. // Christian Schuberth

Doch wie fühlt man sich als erster Kulmbacher Olympionike der Geschichte? "Natürlich bin ich stolz, aber die Leute draußen sind es scheinbar noch mehr. Viele haben mich angesprochen, finden es klasse. Das motiviert einen natürlich", sagt Merlin Hummel. Vor allem per Post kämen viele Autogrammanfragen bei ihm an. "Ich habe mir gerade Bilder von einer Sportfotografin eingekauft und muss Autogrammkarten drucken", sagt der 22-Jährige.

Auch Frans Krätzig hebt den Daumen

Auch in den sozialen Netzwerken ist Merlin Hummel derzeit so gefragt wie nie.  Seine Instagram-Follower schnellten seit dem Finale von Rom von etwa 1500 auf nunmehr fast 4000. Schier unglaubliche Aufrufzahlen generierte ein Video seines EM-Wurfes: 900.000 Leute sahen es sich an, 33.000 verteilten ein Like.  "Das ist schon irre", sagt Hummel.

Selbst der aus Nürnberg stammende Fußball-Profi Frans Krätzig, der gerade vom FC Bayern an den VfB Stuttgart verliehen wurde,  hob den Daumen. Dem 21-jährigen Jungstar folgen bei Instagram sage und schreibe 120.000 Leute. "Als Fußballer hätte ich vielleicht jetzt schon ausgesorgt", meint Hummel.

Doch in der Leichtathletik dagegen können sich nur die absoluten Weltstars nach ihrer Karriere auf die faule Haut legen. So kann der junge Kulmbacher nur hoffen, sich mit seinen Auftritten auf internationaler Bühne für größere Sponsoren zu empfehlen. Immerhin unterstützt ihn seit neuestem ein Hersteller von Vollkornprodukten aus Weißenstadt. Oder über die Reichweite seiner Social-Media-Kanäle Geld zu verdienen. Merlin Hummel weiß, wie man sich im Internet in Szene setzen kann. So postet er regelmäßig kurze Videosequenzen von seinen verschiedenen Trainingseinheiten auf der Wurfanlage in Stadtsteinach.

Richtig ab ging ein Clip, in dem er mit einem Spezialgerät trainiert, das sein Trainer Martin Ständner schon vor rund 20 Jahren entwickelt und anfertigen lassen hat. "Wir nennen es die Ritterrüstung", schmunzelt Merlin Hummel über das Metallgestell, das sich einen Platz im Kuriositätenkabinett verdient hätte. Doch das Gerät mit seinen beiden Flügeln ist genial, um Drehbewegungen mit Widerstand zu trainieren. "Es ahmt das Prinzip des Hammerwerfens nach", erklärt Martin Ständner. Über 300.000 Menschen schauten sich das Video mit der Ritterrüstung an, 7400 waren begeistert und gaben dem Beitrag einen Like.

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Doch bei allem Rummel - Merlin Hummel kann es sich derzeit nicht leisten, sich zu sehr mit Schulterklopfern und Nebensächlichkeiten aufzuhalten. "Ich bin jetzt in meinen Tunnel", sagt Kulmbachs Sportstar Nummer 1. Und darin will er bis zum letzten Wurf von Paris auch bleiben. Der 22-Jährige ist sehr fokussiert, diszipliniert und richtet sein ganzes Leben nach dem Sport aus.  "Ich habe mein Ziel vor Augen", sagt Hummel, der mit seinem Trainer Martin aktuell an fünf Tagen die Woche sechs bis neun Trainingseinheiten auf dem Wurfgelände in Stadtsteinach absolviert.

Dort hat der EM-Vierte alles, was er braucht. "Wir können hier auf Weltklasse-Niveau trainieren, haben alle möglichen Gerätschaften, die Martin Ständner über viele Jahre gekauft oder selbst gebaut hat. Und die Ruhe und Idylle hier ist für einen Sportler ein Traum", sagt Merlin Hummel mit Blick auf den nahen Wald, wo der Frankenwald beginnt. 

Schwitzen für Olympia: Merlin Hummel im Fitnessraum im Wurfzentrum Stadtsteinach.
Schwitzen für Olympia: Merlin Hummel im Fitnessraum im Wurfzentrum Stadtsteinach. // Christian Schuberth

Auch der Hammer wird natürlich an jedem Trainingstag geschleudert, wobei Gewicht und Drahtlänge variieren. Hummel sagt: "Heute habe ich zwölf Würfe gemacht, normalerweise etwa 20."

Studium der Künstlichen Intelligenz

Merlin Hummel gehört seit 2023 der Sportförderkompanie der Bundeswehr an. Deren Mitglieder, allesamt Spitzensportler, sind den Großteil des Jahres freigestellt, müssen nur gelegentlich zu Lehrgängen in der Kaserne erscheinen. So können sie sich voll und ganz auf Training und Wettkampf konzentrieren. "Mit der Bundeswehr bin ich sehr glücklich, ich kann ja auch nebenbei noch studieren."

Ein Fernstudium im internationalen Management hat er zugunsten eines anderen abgebrochen. "Ich studiere jetzt angewandte Künstliche Intelligenz", verrät der Abiturient, der sich sehr für diese neue Technologie interessiert. "Die KI findet schon Anwendungen in der Leichtathletik, etwa bei der Leistungsdiagnostik. So kann sie die Auswertung von Videoaufnahmen vom Training übernehmen, was bislang Sportwissenschaftlicher immer noch händisch erledigt haben." 

Der Kulmbacher Hammerwerfer Merlin Hummel bereitet sich auf die Olympischen Spiele in Paris vor.
Merlin Hummel hat seine Startnummer von der EM in Rom an seinem Rucksack befestigt. // Christian Schuberth

Fünf Wochen hat Merlin Hummel noch bis zu seinem ersten Wurf bei den Olympischen Spielen. In dieser Zeit wird er auch noch ein paar Wettkämpfe bestreiten. So ist er am Sonntag bei der Deutschen Meisterschaft in Braunschweig am Start, wo er sich den im Vorjahr an Sören Klose verlorenen Titel zurückholen will. "Das Wichtigste ist, erstmal die Startkarte abzugeben", sagt Hummel mit einem Schmunzeln. Denn weil er die im Vorjahr zu spät einreichte, durfte er nur außer Konkurrenz starten. Doch allzu wichtig nimmt der Kulmbacher die Deutsche Meisterschaft nicht. "Ich will schon das Bestmögliche rausholen, aber mein Trainingsplan ist ganz auf den Saisonhöhepunkt Olympia ausgerichtet. Mal schauen, welche Weite aktuell möglich ist."

Hammerwerfer Merlin Hummel ist Kulmbachs erster Olympionike und bereitet sich auf die Spiele in Paris im August vor.
Hammerwerfer Merlin Hummel ist Kulmbachs erster Olympionike und bereitet sich auf die Spiele in Paris im August vor. // Christian Schuberth

Eine Woche später fliegt Merlin Hummel nach Ungarn, wo er auf Einladung an einem Meeting der höchsten Kategorie teilnimmt. "Da kommen nur die weltbesten Athleten rein. Ich hoffe, dass ich da nun regelmäßig starten darf." Antrittsgeld gibt es nicht, aber immerhin 10.000 Euro Preisgeld für den Sieger.

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