Für Merlin Hummel war das Erreichen des Finales der besten Zwölf bereits ein Riesenerfolg, auch wenn er mit der fünftgrößten Weite aller Teilnehmer in die italienische Hauptstadt geflogen war. Denn der 22-Jährige war nach seinem Landsmann Sören Klose, der bei der EM schon in der Qualifikation scheiterte, der jüngste und unerfahrenste Starter im 30-köpfigen Feld.
Merlin Hummel startete schwach ins Finale am späten Sonntagabend. Seine 71,51 Meter waren die kürzeste Weite aller zwölf Werfer. Doch im zweiten Versuch explodierte der Kulmbacher, schleuderte das 7,2 Kilo schwere Sportgerät so weit wie nie: 78,85 Meter, 74 Zentimeter über seiner erst Ende Mai in den Rasen von Halle geschleuderten persönlichen Bestleistung, europäischer U23-Rekord und 65 Zentimeter über der Olympia-Norm! Damit schreibt der 22-Jährige Geschichte, denn er ist erster Kulmbacher Olympionike.
Damit schob sich Merlin Hummel auf den Silberrang hinter Olympiasieger Wojciech Nowicki (Polen), der mit 80,14 Metern in seinem zweiten Versuch persönliche Saisonbestleistung geworfen hatte.
Der dritte Wurf von Merlin Hummel ging noch weiter, wohl über die 79-Meter-Marke. Doch kurz nach Ende seiner Drehung konnte sich der Kulmbacher nicht mehr im Wurfring halten - übertreten. Dennoch, die 78,85 Meter reichten locker, um unter die besten Acht zu kommen, die drei weitere Versuche erhielten. Hummel ging als Viertbester in den Endkampf, denn der Ukrainer Mykhaylo Kokhan knackte mit 80,10 Metern ebenfalls die magische 80-Meter-Marke.
Nach dem vierten Durchgang gab es einen neuen Führenden. Denn der Ungar Bence Halasz löste mit 80,49 Metern (Saisonbestleistung) den Ungarn Nowicki ab. Merlin Hummel rutschte damit auf Rang 4. Dann stieg der Kulmbacher wieder in den Wurfring. Und wieder fabrizierte er einen ungültigen Versuch, ebenso wie beim fünften. Merlin Hummel blieb aber Vierter. Wollte er sich noch einmal auf einen Medaillenrang kämpfen, hätte er 80,19 Meter werfen müssen - eine schier unglaubliche Steigerung wäre nötig gewesen.
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Der Kulmbacher wollte es aber noch einmal wissen, legte all seine Energie in den letzten Versuch. Und tatsächlich konnte sich der einzige Oberfranke im deutschen EM-Aufgebot noch einmal steigern. Sein Hammer landete bei sensationellen 79,25 Metern. Nun fehlen ihm nur noch 75 Zentimeter zu seinem Lebenstraum, einem 80-Meter-Wurf. Diese Marke hat er mit dem Sechs-Kilo-Jugend-Hammer schon geknackt, mit 81,21 Metern 2021 Deutschen Rekord geworfen.
Olympiasieger Nowicki holt Gold
Europameister wurde aber nicht der nach fünf Würfen führende Bence Halasz, sondern Routinier Nowicki. Der 35-jährige Ungar bewies Nervenstärke und holte sich mit seinem letzten Versuch mit 80,95 Metern Gold. Silber ging an Halasz (80,49) vor dem Ukrainer Kokhan (80,18).
Auch wenn der 4. Platz oft als Blechplatz tituliert wird - für Merlin Hummel und seinen Trainer Martin Ständner ist er das keineswegs. Der 67-jährige Coach des UAC Kulmbach sagte nach dem Wettkampf: "Wir freuen uns riesig, auch der Bundestrainer. Das war ein Wahnsinnswettkampf von Merlin. Er ist mit der Weltelite auf Augenhöhe und hat die Olympia-Norm geschafft. Und das als Jüngster aller Teilnehmer."
Auf die Frage von ARD-Reporter Claus Lufen, wie er seine Leistung bewertet, sagte Merlin Hummel: "Ich kann es selbst nicht beschreiben. Denn die Quali ist mir sehr schwer gefallen." Der Kulmbacher präsentierte sich vor dem deutschen Fernseh-Publikum äußerst selbstbewusst, zeigte sich felsenfest davon überzeugt, dass seine Weite von Rom noch längst nicht das Ende der Fahnenstange ist. "Es ist jetzt ein schon superwild. Wenn ich gesund bleibe, dann wird es noch super-wilder. Und es kann nur besser werden."











